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10.08.2011

11:51 Uhr

Kommentar

Commerzbank zeigt miserables Timing

VonYasmin Osman

Die Zeiten in der Finanzbranche sind äußerst turbulent, ausgerechnet jetzt verkündet der erfahrene Finanzvorstand Strutz seinen Abschied. Beruhigend für die Commerzbank wirkt das nicht gerade.

Der scheidende Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz. Quelle: dapd

Der scheidende Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz.

FrankfurtEinen schlechteren Zeitpunkt hätte Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz für seinen Abgang kaum wählen können. Mitten in der eskalierenden Schuldenkrise verkündet der langjährige Finanzkapitän der Bank seinen Abgang. Das ist - persönliche Gründe hin oder her - eine kritische Entscheidung, zumal die Bank noch keinen Nachfolger präsentieren kann.

Handelsblatt-Korrespondentin Yasmin Osman. Quelle: Pablo Castagnola

Handelsblatt-Korrespondentin Yasmin Osman.

In normalen Zeiten wäre der Abschluss einer gigantischen Kapitalerhöhung sicher ein guter Zeitpunkt für eine Veränderung gewesen sein. Doch seit Italien und Spanien von der Schuldenkrise bedroht werden, hat sich die Lage für die Bank noch einmal deutlich verändert. Wie ernst die Situation ist, zeigt schon der Umstand, dass die Commerzbank heute bereits vorsichtig von ihren Gewinnzielen abgerückt ist.

Und das nicht ohne Grund: Die Wertberichtigungen auf Griechenland haben der Bank das zweite Quartal verhagelt. Das überschattet alles, auch wenn die Geschäfte sonst fast überall gut, zum Teil sogar sehr gut, gelaufen sind. Das gilt für das Mittelstandsgeschäft, das vor allem von einer weiter sinkenden Risikovorsorge profitiert. Das gilt für das Privatkundengeschäft, dem sinkende Kosten zugute kamen. Und das Investmentbanking schnitt sogar noch besser ab als im ersten Quartal - ganz im Gegensatz zum Branchentrend. Sogar das Immobiliengeschäft der Eurohypo schrieb erstmals seit 2008 wieder schwarze Zahlen.

Griechenland sorgte aber dafür, dass es dennoch nur für eine schwarze Null gereicht hat. Dabei ist die Staatsschuldenkrise nicht nur eine Gefahr für die großen Staatsanleihebestände der Bank. Die Commerzbank ist der Financier des deutschen Mittelstands, insbesondere der deutschen Exportwirtschaft. Würgt die Krise die Weltkonjunktur ab, träfe das die Bank im Mark - nämlich im Mittelstandsgeschäft. Einen Finanzchef, der sich auskennt, braucht die Bank dann um so nötiger.

Kommentare (4)

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Volkswirt

10.08.2011, 12:10 Uhr

Wenn der Rückzug in der Tat aus privaten Gründen sein sollte, dann kann man Herrn Strutz nur beglückwünschen und ihm Anerkennung schenken. Gibt sicherlich nicht viele Menschen, die in so einer hohen Position einen solchen Schritt wagen und damit zeigen, was das wichtigste (Familie) im Leben ist.

donolli

10.08.2011, 12:31 Uhr

ich denke nicht, dass es aus privaten Gründen erfolgt. Alls Insider vermute ich vielmehr, dass der Machtmensch Blessing den letzten nicht zu Blessings gehörenden "friend and family-clan" aussortiert.

Relativo

10.08.2011, 14:03 Uhr

Den richtigen Zeitpunkt für die Kapitalmaßnahme zu finden, dürfte seit 2009 sowieso sehr schwer sein, insofern kann ich die Kritik nicht verstehen, zudem die Bank sehr gute Ergebnisse vorweist und sich bei dem Griechenlanddesaster kooperativ zeigt. Einen optimalen Weg gibt es nicht, aber es könnte noch viel schlimmer sein. Immerhim hat es die Commerzbank in relativ kurzer Zeit geschafft, eine völlige Selbstständigkeit absehbar zu machen. Man sollte die Erwartungen realistisch bewerten und nicht überzogen analysieren. Im euopäischen Vergleich muss man sehr zufrieden sein mit dieser Entwicklung.

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