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04.11.2011

09:43 Uhr

Kommentar

Das Schuldendrama der Commerzbank 

VonRobert Landgraf

Die Politiker haben Martin Blessing vorgeführt. Erst überredeten sie ihn, griechische Anleihen zu halten - dann beschlossen sie den Schuldenschnitt. Die dramatischen Folgen zeigen sich jetzt im Quartalsergebnis.

Handelsblatt-Redakteur Robert Landgraf.

Handelsblatt-Redakteur Robert Landgraf.

Commerzbank-Chef Martin Blessing ist derzeit nicht zu beneiden. Das zeigt der überraschend hohe Verlust bei den heutigen Zahlen für das dritte Quartal. Irgendwie muss er sich von der Politik vorgeführt fühlen. Im Frühjahr noch flüsterten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Leute ein, alles sei gut. Er solle doch bitte an seinen vielen griechischen Staatsanleihen festhalten und sie nicht verkaufen. Nur so könne Griechenland gerettet werden. Da kann nichts passieren. Griechische Festverzinsliche seien werthaltig.

Doch das war gestern. Inzwischen steht zumindest ein Schuldenschnitt von 50 Prozent auf griechische Bonds fest. Und an ihre Worte können sich Schäuble & Co schon lange nicht mehr erinnern. Im Gegenteil: Den Banken wird die Schuld an der Griechenlandkrise in die Schuhe geschoben. Die Auswirkungen sind in der Bilanz der Commerzbank im dritten Quartal zu besichtigen: Ein operativer Verlust von 855 Millionen Euro.

In der Commerzbank selbst hat das griechische Schuldendrama einen Namen: Eurohypo. In der Konzernsparte Asset Based Finance liegen vor allem Anleihen des ehemaligen Immobilienfinanzierers Eurohypo bzw. vor allem die Altlasten der Staatsfinanzierers Essener Hypothekenbank, einer ehemaligen Tochter, die zwangsweise mit der Eurohypo verschmolzen wurde.

Zwar hat die Eurohypo in der Zwischenzeit ihr Geschäft drastisch zurückgefahren und der neue Chef Thomas Köntgen erzielt Schritt für Schritt weitere Erfolge. Doch das braucht Zeit, die man eigentlich nicht hat. Die Belastungen aus der Immobilientochter werden die Commerzbank noch Jahre belasten, auch wenn die Staatsfinanzierung auslaufen soll und in der gewerblichen Finanzierung nur noch ausgewählte Kernmärkte bedient werden.

Deshalb sind die neuesten Pläne nur konsequent, die jetzt in die Öffentlichkeit gedrungen sind. Alle Geschäfte, die nichts mit dem Kernbereich der Eurohypo zu tun haben, müssen abgewickelt werden. Ohne wenn und aber. Am besten in einer konzerninternen Abbaubank. Dann bleibt wirklich nur das überlebensfähige Geschäft und eine überlebensfähige Immobilienbank übrig.

Gleichzeitig kommt die Commerbank damit der Europäischen Wettbewerbskommission entgegen, die in ihrem Beihilfeverfahren wegen der Rettung der Commerzbank durch den Staat klare Auflagen gemacht hat. Dazu gehört der Verkauf der Eurohypo. Doch daran ist in den nächsten Jahren nicht zu denken. Wer will schon eine Immobilienbank kaufen? Keiner. Eine kleinere Eurohypo wäre ein Angebot an die Kommission, dies als einen Kompromiss anzusehen, der trag- und realisierbar ist und ihm zuzustimmen. Auch wenn die Suche nach einem Käufer weitergeht. Sind die Altlasten durch die Eurohypo endlich abgebaut, dann kommen auch wieder bessere Tage für Martin Blessing. Es ist ihm zu wünschen.

 

Kommentare (5)

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ottokar

04.11.2011, 11:34 Uhr

Es ist davon auszugehen, dass sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an seine damaligen Worte erinnern kann. "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust": Wie der Wert von Geld dürfte auch der Wert von Politik zu einem nicht unerheblichen Teil auf der Grundlage des Vertrauens Anderer basieren.

Peter

04.11.2011, 12:01 Uhr

So etwas kennen die Historiker aus dem 16 Jahrhundert. Kaiser Karl V. hatte sich von den Fuggern finanzieren lassen. Aber Rückzahlungen leistete er nur gegen neuen und mehr Kredit. Den Fuggern wurde die Sache ab 1550 zu brenzlich, aber sie kamen da nicht mehr raus. Es war ja immerhin der Kaiser. Und dann gab es den ersten, den zweiten und den dritten spanischen Staatsbankrott...

Account gelöscht!

04.11.2011, 12:18 Uhr

"Commerzbank-Chef Martin Blessing ist derzeit nicht zu beneiden. Das zeigt der überraschend hohe Verlust bei den heutigen Zahlen für das dritte Quartal. Irgendwie muss er sich von der Politik vorgeführt fühlen. Im Frühjahr noch flüsterten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Leute ein, alles sei gut. Er solle doch bitte an seinen vielen griechischen Staatsanleihen festhalten und sie nicht verkaufen."

Ach ja, der Ärmste, jetzt fühlt ein Manager mal das was den Wählern laufend offeriert wird. Ja, wir werden von der (DEP) Deutschen Einheitspartei (CDU/CSU,SPD,Grüne,FDP) vorgeführt, - alle ! Das Wort Vertrauen habe ich schon lange im "Fremdwörterbuch" abgelegt.

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