Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.10.2011

17:25 Uhr

Kommentar

Die glitzernden Zeiten der US-Banken sind vorbei

VonNils Rüdel

Mit Morgan Stanley haben nun alle US-Großbanken ihre Zahlen vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen: Die Zeit der hochriskanten Spekulation ist vorerst vorbei. Schrumpfen ist angesagt, das klassische Bankgeschäft ist wieder in.

Straßenschild vor der New Yorker Börse: Die Anleger haben sich auf die schweren Zeiten eingestellt. ap

Straßenschild vor der New Yorker Börse: Die Anleger haben sich auf die schweren Zeiten eingestellt.

Auch Morgan Stanley kann keine Hoffnung stiften. Zwar hat die US-Investmentbank, die sechstgrößte der Branche, im dritten Quartal einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar erzielt – nach einem Minus im Vorjahreszeitraum. Doch das Plus kam nur durch einen positiven Bilanzeffekt zustande: Das Institut schrieb 3,4 Milliarden Dollar auf die eigenen Verbindlichkeiten ab.

Das passt ins Bild. Nachdem mit  Morgan Stanley nun alle großen US-Banken ihre Quartalsergebnisse hinter sich haben, zeigt sich, durch welch düstere Zeiten die Wall Street gerade geht.

Die erfolgsverwöhnte Investmentbank Goldman Sachs fuhr ihren zweiten Quartalsverlust seit dem Börsengang 1999 ein, die Bank of America verlor ihren Status als größte Bank des Landes nach Vermögenswerten an JP Morgan Chase. Aber auch der neue Spitzenreiter wie auch die Citigroup erzielten Milliardenerträge zum großen Teil nur durch positive Bilanzeffekte.

Die Quartalssaison der amerikanischen Geldinstitute

JP Morgan

Der Gewinn von JP Morgan sank im dritten Quartal um vier Prozent. Der Nettogewinn betrug 4,3 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,4 Milliarden Dollar gewesen

Citigroup

Nach JP Morgan legt auch die US-Bank Citigroup ihre Zahlen am Montag vor. Analysten erwarten einen Anstieg des Gewinns um 19,5 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro. Im Vergleich zum zweiten Quartal muss die Bank einen Gewinnrückgang von 22,4 Prozent hinnehmen.

Wells Fargo

Auch die viertgrößte US-Bank Wells Fargo hat am Montag über ihr vergangenes Quartal berichtet. Er schaffte seinen Gewinnsprung vor allem durch eine bessere Zahlungsmoral der Kreditnehmer und einen harten Sparkurs. Auf faule Kredite musste die Bank noch 2,6 Milliarden Dollar abschreiben und damit rund 1,5 Milliarden Dollar weniger als vor einem Jahr. Dies ließ den Gewinn um 22 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar hochschnellen. Wells Fargo ist der größte Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA. Allerdings machte die Bank insgesamt weniger Geschäft im dritten Quartal - die Erträge gingen um sechs Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar zurück.

Bank of America

Die Bank of America berichtet am Dienstag über ihr abgelaufenes drittes Quartal. Analysten rechnen mit einem Gewinn von 2,85 Milliarden US-Dollar, das wären gerade einmal 3,5 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Goldman Sachs

Ebenfalls am Dienstag legt Goldman Sachs seine Zahlen vor. Die US-Bank wird laut Analysteneinschätzungen für das dritte Quartal einen mickrigen Gewinn von 40 Millionen Euro ausweisen. Das entspräche einem Rückgang von 97,6 Prozent zum Vorjahresquartal und 96 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal.

Morgan Stanley

Als letzte große US-Bank hat Morgan Stanley am heutigen Mittwoch über die zurückliegenden drei Monate berichtet. Dank Bilanzeffekte lag der Nettogewinn bei 2,2 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor hatte ein gegenläufiger Bilanzeffekt Morgan Stanley noch in die Verlustzone abrutschen lassen.

Vollbanken und Investmenthäuser leiden derzeit gleichermaßen. Das schwache Wachstum bremst die Nachfrage nach Krediten, Marktverwerfungen und die Schuldenkrise in Europa lassen Anleger zögern – wer will in solch unsicheren Zeiten schon groß investieren?

Dazu kommen die neuen Finanzmarktregeln von Basel III bis Dodd-Frank, die die Branche Milliarden kosten könnten: Die Banken halten mehr Eigenkapital zurück und müssen weitgehend auf den früher hochprofitablen Eigenhandel verzichten. Und schließlich steht es schlecht um den Ruf der Branche, nicht erst seit die Protestler von Occupy Wall Street jeden Tag durch die Nachrichten marschieren.

Von einem „Pulverfass“, spricht deshalb Analyst Paul Miller in der „New York Times“. Entspannung sei nicht in Sicht. Die Folge: Die glitzernden Zeiten vor der Finanzkrise, in denen die Banken mit hochriskanten Spekulationen Milliarden verdienten, scheinen erst einmal vorbei zu sein. „Das langweilige Geschäft ist wieder in Mode“, schreibt die Zeitung.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.10.2011, 21:27 Uhr

Sehr brav liebes Handelsblatt. Ich fühle mich nach diesem lehrreichen Bericht direkt viel besser. Schön, daß die Banken langsam zur Einsicht gelangen. Und schön, daß Sie mir davon berichten. Alles wird gut. Danke.

Account gelöscht!

19.10.2011, 22:49 Uhr

Goldmann sachs bonus pro mitarbeiter in 2006, rund 500.000 $
http://www.wsws.org/articles/2006/dec2006/blan-d22.shtml

Goldmann Sachs haben die Griechen beraten wie man "türkt" um in die EU zu kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×