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08.03.2011

08:17 Uhr

Kommentar

Ein Stresstest für den schönen Schein

VonRobert Landgraf

Um den neuen Stresstest für Banken gibt es weiterhin Wirbel. Dabei geht es vor allem um Beruhigung der Märkte und Anleger - die eigentliche Aussagekraft der Ergebnisse ist aber beschränkt. 

Robert Landgraf ist Chefkorrespondent der Finanzzeitung in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

Robert Landgraf ist Chefkorrespondent der Finanzzeitung in Frankfurt.

Der neue Stresstest für Banken bringt vor allem eines mit sich: Stress für die Aufseher, die Notenbanken und die Institute selbst. Ein realistisches Bild der Finanzindustrie wird der Test nicht bieten. Darum geht es auch gar nicht: In erster Linie sollen die Märkte, die Anleger und wohl auch die Politiker beruhigt werden.

Der wichtigste Kritikpunkt der vergangenen Test-Runde gilt immer noch: Auch dieses Mal werden nur bei den Staatsanleihen die Wirkungen von Verlusten geprüft, die im Handelsbuch der Banken liegen. Hier werden die Kurse auch in der Realität täglich neu bewertet, je nach der Kursentwicklung. Dieser Bestand ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn der Großteil der Staatsanleihen liegt im sogenannten Bankbuch, bei der die längerfristigen Anlagen zu finden sind, die oftmals bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden. Da erfolgt die Bewertung zum Anschaffungspreis. Das ist aber fern der Realität. Ein großer Teil der Debatte über die Stabilisierung der Euro-Zone bezieht sich auf eine geordnete Umschuldung. Das Beispiel Griechenland und die gestrige Abwertung seiner Bonds als sehr spekulative Anlage mit geringer Sicherheit der langfristigen Schuldenbedienung zeigt es doch: Man mag es mögen oder nicht, aber allem Anschein nach müssen die Hellenen einen Schuldenschnitt vornehmen, der in einen teilweisen Forderungsverzicht mündet. Das wirft deutsche Banken nicht um, belastet sie aber. Auch die Wirkung auf andere europäische Institute müsste aus dem Test klar herauszulesen sein - ist es aber nicht.

Fortschritte werden ausgelöscht

Eine andere Frage ist, ob es sinnvoll wäre, alle detaillierten Defizite einzelner Kreditinstitute in schonungsloser Weise offenzulegen. Die Folge könnte sein, dass etliche Banken ihre Türen schließen müssten. Auf einen Schlag wären die mühsam erzielten Fortschritte seit dem Start der großen Finanzkrise im Jahr 2008 mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers durch neue Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöscht. Damit hätte niemand etwas gewonnen.

Die Stresstests werden Mängel offenlegen, aber längst nicht alle. Dass sich die neuen Aufseher der Brisanz bewusst sind, zeigt sich bereits beim Thema Liquidität. Es gilt als äußerst sensibel, nachdem die Liquidität der irischen Banken riesige Probleme bereitete. Die Stresstests vom Sommer vergangenen Jahres wurden dadurch entwertet, dass sie die erheblichen Schwierigkeiten nicht aufzeigten, die in Irlands Banken schlummerten. Bei der neuen Runde wird die Liquidität gesondert behandelt. Nichts soll davon nach draußen dringen. Keine Ängste dürfen geschürt werden. Allein die Aufseher in den einzelnen Ländern erhalten die Ergebnisse. Öffentlichkeit ist schlicht und einfach unerwünscht.

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