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23.08.2011

12:29 Uhr

Kommentar

Stabile Banken gibt es nicht umsonst

VonYasmin Osman

Immer mehr Finanzprofis vergleichen die derzeitige Situation mit der Zeit nach der Lehman-Pleite. Europas Banken haben die vergangenen drei Jahre nicht richtig genutzt.

In der Nacht ist die Baustelle der neuen EZB-Zentrale hell erleuchtet. Für Banken ist es schwierig, sich als Kundin der Zentralbank zu "outen". dpa

In der Nacht ist die Baustelle der neuen EZB-Zentrale hell erleuchtet. Für Banken ist es schwierig, sich als Kundin der Zentralbank zu "outen".

FrankfurtSo einiges erinnert in diesen Tagen an den Spätsommer 2008: Banken misstrauen einander und geben sich keine Kredite mehr. Wie damals steigen die Risikoprämien für Banken, wie damals interessieren sich Aktienanalysten für alle möglichen und unmöglichen Details darüber, wie sich Banken refinanzieren. Kein Wunder, dass immer mehr Finanzprofis Parallelen zu der Zeit nach der Lehman-Pleite ziehen, als die Finanzierungsmärkte für Banken einfroren.

Steht uns also die nächste Liquiditätskrise ins Haus? Ganz so schlimm wird es wohl nicht noch einmal kommen, schließlich haben die Notenbanken ihre Lektion gelernt. Ihnen steht heute ein ganzes Arsenal an Notfall-Instrumenten zur Verfügung, die vor drei Jahren erst einmal erfunden werden mussten. Und sie haben gezeigt, dass sie diese Instrumente auch einsetzen, ohne zu zögern. Als die USA zum Beispiel Anfang August ihr Top-Rating verloren, bot die Europäische Zentralbank (EZB) postwendend sechsmonatige Kredite an, um jeden Anflug von Panik an der Wurzel zu bekämpfen.

Yasmin Osman ist Banken-Reporterin des Handelsblatts. Pablo Castagnola

Yasmin Osman ist Banken-Reporterin des Handelsblatts.

Das alles ist zwar beruhigend, aber nicht tröstlich. Denn die Notenbanken können bestenfalls verhindern, dass der Patient Finanzsystem kollabiert, heilen können sie ihn nicht. Das zeigt sich schon daran, dass sich keine Bank ungestraft als gute EZB-Kundin „outen“ kann. Solche Institute bekommen hinterher erst recht kaum noch Kredite von privaten Investoren. Schließlich haben sie durch ihren Gang zur EZB ja bewiesen, dass ihnen andere Geldgeber nicht mehr über den Weg trauen. Das eigentliche Problem besteht also darin, dass zu wenig Banken die vergangenen drei Jahre richtig nutzen konnten, um ihre Finanzstruktur wirklich krisenfest zu gestalten. Noch immer sind sie in einem zu starken Ausmaß von kurzfristigen Krediten der Kapital- und Geldmärkte abhängig. Und die Investoren an diesen Märkten sind nun einmal besonders risikoscheu. Doch langfristige – und damit teurere – Kredite machen, verglichen mit den kurzfristigen Darlehen, noch immer einen zu geringen Anteil aus.

Umso wichtiger wäre es, ein bislang von der Branche bekämpftes Konzept der internationalen Aufsichtsbehörden umzusetzen. Die Regulierer hatten vorgeschlagen, die langfristigen Kredite, die eine Bank vergibt, künftig längerfristiger als bisher gegenzufinanzieren. Die Umsetzung dieser Idee wurde bislang aber auf die lange Bank geschoben, auch in Europa. So eine Maßnahme würde Bankkredite für die Wirtschaft natürlich verteuern. Doch sie könnte das Banksystem stabiler machen.

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