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19.09.2011

10:34 Uhr

Kommentar

UBS-Chef Grübel steht zurecht unter Druck

VonHolger Alich

Oswald Grübel kämpft verbissen um seinen Job: Der Chef der UBS wehrte sich am Wochenende entschieden dagegen, wegen des Händler-Skandals zurückzutreten. Dabei ist die Kritik an ihm absolut berechtigt.

Schwere Zeiten für UBS-Chef Oswald Grübel. Reuters

Schwere Zeiten für UBS-Chef Oswald Grübel.

UBS-Chef Oswald Grübel macht sich die Sache ein bisschen zu leicht. Er argumentiert, dass sich eine Bank nicht gegen kriminelle Machenschaften einer seiner Mitarbeiter schützen könne. "Das kann halt immer passieren", meint achselzuckend Grübel und will offenbar zur Tagesordnung übergehen. Dabei übersieht er ein wichtiges Detail.

UBS ist nicht die erste Bank, die einem kriminell gewordenen Trader aufgesessen ist. Vor drei Jahren ist der französischen Großbank Société Générale so ziemlich genau das gleiche passiert. Zum Glück für die UBS waren die verbotenen Index-Wetten ihres beschuldigten Händlers Kweku Adoboli nicht so riesig wie jene von Kerviel, der am Ende Wetten über 49 Milliarden Euro laufen hatte.

Über Kerviels Vorgehen, wie er seine Wetten versteckt hat, sind alle Einzelheiten bekannt. Die Société Générale hat heute noch die wichtigsten Dokumente auf seiner Webseite zusammen gestellt. Sie sind für jedermann einsehbar. Der Fall Kerviel muss für jede Großbank mit Investment-Banking die ultimative Warnung sein, dass der Feind auch von innen her kommen kann.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass mit UBS nun schon die zweite Bank auf getürkte Absicherungsgeschäfte hereingefallen ist. Wieder einmal prüfte die Bank offenbar unzureichend die Qualität der Absicherungsgeschäfte. Und spätestens seit Kerviel muss klar sein, dass niemals ein Bank-Mitarbeiter Händler am Front-Desk werden darf, der sich zuvor mit den Einzelheiten des Back-Offices und damit mit den Kontrollmechanismen hat vertraut machen können.

Grübel gilt als der Mann, der die UBS im Investment-Banking zu alter Größe zurückführen wollte. Diese Strategie galt schon vor dem Händlerskandal als gescheitert. Strategisch muss sich die Bank nun fragen, ob sie diesen Bereich überhaupt noch als eigenständiges Geschäftsfeld weiterführen will, oder sie ihn nicht soweit zurück stutzt, dass die Investmentbank einzig und allein dem Kerngeschäft der Vermögensberatung als Zulieferer dient. Die meisten Analysten bevorzugen die zweite Option.

Ob Grübel als ehemaliger Händler für diesen neuen Kurs der richtige Mann an der Spitze der UBS ist, darf bezweifelt werden. Die Tatasche, dass das Board noch hinter ihm steht, könnte damit erklärt werden, dass die Aufseher noch keinen geeigneten Nachfolge-Kandidaten gefunden haben. Dies dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Die UBS steht damit erst am Anfang eines Umbruchs. Diesen hat der mutmaßliche Betrugshändler Adoboli nicht ausgelöst. Aber wohl beschleunigt.

Kommentare (2)

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aruba

19.09.2011, 11:15 Uhr

Guten Tag..... Liebes Handelsblatt, schreibe keinen Stuss... Es handelt sich nicht um ein kriminelles Handeln des Haendlers. NEIN ES IST DIE REGEL. Solange es hinhaut sagt keine Sau etwas. Wenn es in die Hose geht, dann war der Haendler der von Oben gemobt und gehetzt wird ein Verbrecher. Nennen Sie das Kind beim Namen. Es sind die oberen Scheisskerle, die Leute zu solchem handeln anstifften. So ist es . So und nicht anders. Gute Nacht.

donolli

19.09.2011, 11:30 Uhr

Es sollte immer noch das prinzip gelten, dass ich für das handeln meiner Mitarbeiter gerade stehen muß. Es zeigt wie wenig Verantwortungsbewusstsein das Management heute hat und gierig ist. Ich glaube auch, dass die Händler zu hohen Risiken gezwungen, um die immer höheren Renditeversprechen einzuhalten. Riskmanagement ist etwas für die Aufsicht aber in Tagesgeschäft versuchen die Banken es zu umgehen! Es ist doch logisch dass irgendwann der Krug bricht!

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