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15.11.2011

08:31 Uhr

Kommentar UBS

Die Schweizer Großbank beendet ihre Irrfahrt

VonHolger Alich

Endlich ist die Schweizer Großbank UBS dabei, ihre personelle Irrfahrt zu beenden: Axel Weber wird eher Präsident als geplant, Sergio Ermotti bleibt Chef. Damit sind die Probleme aber noch lange nicht gelöst.

Logo der UBS: Aufbruch in unsichere Zeiten. dapd

Logo der UBS: Aufbruch in unsichere Zeiten.

Die neue Führungscrew der Bank steht nun fest mit Sergio Ermotti als CEO und Axel Weber als Präsident des Verwaltungsrates. Die Probleme der Bank verschwinden damit aber nicht; immerhin wissen Investoren nun jetzt, wer die größte Schweizer Bank durch die globale Finanzkrise steuern soll.

Der Benennungsprozess verlief alles andere als überzeugend. Zwar schreibt UBS, dass die Wahl Ermottis ein "umfassendes Evaluierungsverfahren" voran gegangen sei. Doch ist bekannt, dass mit der mit der Nachfolge-Suche beauftragte Headhunter keinen einzigen Alternativ-Kandidaten interviewt hatte.

Letztlich hat es sich der Verwaltungsrat selbst zuzuschreiben, dass Ermottis Inthronisierung als Dauer-CEO nun ein schaler Beigeschmack beiwohnt. Das Board hätte den Tessiner gleich im September nach Grübels Rücktritt dauerhaft ernennen sollen. Schließlich wurde Ermotti im April von Unicredit geholt, um als neuer CEO aufgebaut zu werden.

Immerhin scheint der Verwaltungsrat aus diesem Fehler gelernt zu haben; Bank-Präsident Villiger macht nun früher als geplant Platz für den deutschen Axel Weber und verhindert damit eine zweite Hänge-Partie an der UBS-Spitze.

Sergio Ermotti bleibt Chef der UBS. Reuters

Sergio Ermotti bleibt Chef der UBS.

Für Weber allerdings ist diese Blitzbenennung kein Geschenk. Er muss aus dem Stand zeigen, dass er in der Lage ist, eine internationale Großbank durch die Finanzkrise zu führen. Da geht es nicht um ordnungspolitische Grundsätze, die dem Wirtschaftsprofessor so heilig sind, da geht es um komplexe Detail-Entscheidungen, die dann der Deutsche nach außen vertreten muss. Angesichts der Bedeutung der Bank für den Finanzplatz Schweiz und für die internationale Finanzwelt ist ihm dabei maximale Aufmerksamkeit gewiss.

Unschön ist zudem, dass Weber im nächsten Jahr neuer Bank-Präsident wird, wobei die Bank bereits diesen Donnerstag ihre neue Strategie festzurrt. Sicher, auf informellen Wege wird Weber in die Erarbeitung der neuen Linie eingebunden worden sein. Und mit dem Abbau von Risiken im Investment-Banking wird der Ex-Bundesbank-Chef  kein Problem haben. Dennoch bekommt Weber nicht die Chance, der Strategie gleich offiziell zu Beginn seine Handschrift aufzudrücken.

Unter dem Strich sind dies aber alles Schönheitsfehler. Sie treten vor dem Interesse in den Hintergrund, dass bei UBS die umfassende Erneuerung endlich vorankommt, mit einem neuen CEO, einem neuem Präsidenten und einer neuen Strategie. Es ist aber ein Aufbruch in unsichere Zeiten.

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