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04.09.2013

07:00 Uhr

Konsolidierung

Dauerbaustelle Landesbanken

VonSebastian Ertinger

Nach Jahren des Schrumpfens, Sparens und Streichens fahren die Landesbanken wieder Gewinne ein. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein. Neue Lasten lauern. Die Diskussion um den weiteren Umbau des Lagers schwelt.

Eine Baggerschaufel vor der früheren Zentrale der WestLB: Die Landesbank wurde zerschlagen. Die Diskussion um eine weitere Konsolidierung geht weiter. dpa

Eine Baggerschaufel vor der früheren Zentrale der WestLB: Die Landesbank wurde zerschlagen. Die Diskussion um eine weitere Konsolidierung geht weiter.

DüsseldorfDas gab es lange nicht mehr: Fast durchgehend fahren Deutschlands Landesbanken wieder Gewinne ein. Die Vorstandschefs der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie der BayernLB zeigen sich vorsichtig optimistisch über die weitere Entwicklung. So verdienten die Münchener im ersten Halbjahr mit 720 Millionen Euro mehr als im gesamten letzten Jahr. Die Hessen steigerten ihren Gewinn unterm Strich um 19 Prozent, die LBBW immerhin um 6,7 Prozent. Sogar die von der Schifffahrtskrise schwer belastete NordLB schrieb nach einem verhagelten Jahresauftakt im zweiten Quartal wieder schwarze Zahlen.

Doch wirklich gesund sind die Zentralinstitute der Sparkassen noch lange nicht. Die meisten zehren nach wie vor von der staatlichen Stütze, die sie in der Finanzkrise bekommen haben. Schrumpfen, sparen, streichen lautet unverändert das Motto bei vielen Landesbanken. Hinzu kommt ein Streit mit ihren Anteilseignern und Kunden, den Sparkassen, über milliardenschwere Zahlungen in den geplanten Sicherungsfonds der EU. Hinter all dem steht unverändert die Frage, wie viele Landesbanken Deutschland überhaupt braucht. Beobachter geben meist einhellig die Antwort: Weniger als jetzt.

Die Zukunft der Landesbanken ist auch Thema auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“. Dort diskutieren heute unter anderem Georg Fahrenschon, Präsident des deutschen Sparkassenverbands, sowie Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain und EZB-Direktor Jörg Asmussen.

Wie tief die Misere der meisten Landesbanken reicht und wie lange die Zentralinstitute bereits mit den Verfehlungen von vor der Finanzkrise ringen, zeigt sich am Sorgenkind HSH Nordbank. Die ächzt weiterhin unter der weltweiten Schifffahrtskrise. Schwarze Zahlen wird die Bank wohl erst weit nach 2014 schreiben – eine gute Entwicklung an den Finanzmärkten vorausgesetzt. Obendrein muss die HSH Nordbank eine Sonderprüfung der Aufsicht wegen ihrer hohen Schiffskreditrisiken über sich ergehen lassen.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Die HSH Nordbank in Hamburg ist der größte Schiffsfinanzierer der Welt. Sie hat 2800 Schiffe mit Krediten von 26 Milliarden Euro finanziert. Rund die Hälfte davon ist risikobehaftet. Entgegen früherer Hoffnungen erholt sich die Schifffahrtsbranche nicht. Die Überkapazitäten am Markt, etwa bei Containerfrachtern, sind nicht abgebaut. Nach und nach geht den Reedern das Geld aus. Die Banken müssen immer mehr Kapital für gefährdete Kredite zurücklegen.

Die anhaltenden Probleme der Nordbank stehen für die schmerzhafte Wandlung, welche viele Landesbanken durchmachen mussten. Viele der Institute waren im Zuge der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in Schieflage geraten. Die Institute hatten das Investmentbanking massiv ausgebaut und sich dabei verzockt. Vor allem im Handel mit riskanten Hypothekenverbriefungen scheiterten die Spekulationen.

Zudem hatten die Zentralinstitute der Sparkassen massiv ins Auslandsgeschäft investiert. Doch die Engagements waren häufig überzogen. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise mussten viele der Regionalbanken ihr Geschäft deutlich zurückfahren und beschneiden.

Kommentare (3)

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Angela-Wendehals

04.09.2013, 10:07 Uhr

Deutschland wettbewerbsfähiger als USA (und das trotz der NSA Schnüffeleien der NSA, freigegeben durch Angela wendehals)


Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit 2013 verbessert und konnte sich damit in der Studie des Weltwirtschaftsforums zu den global wettbewerbsfähigsten Staaten vom sechsten auf den vierten Platz vorarbeiten.

Die Bundesrepublik steht damit erneut besser da als die USA. Das sei vor allem durch die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen erreicht worden, erklärte das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Genf zur Veröffentlichung seines Wettbewerbsindex 2013 am Mittwoch.

Als das konkurrenzfähigste Land der Welt weist die WEF-Studie - bereits zum fünften Mal hintereinander - die Schweiz aus, gefolgt von Singapur. Finnland verteidigte Rang 3 und erwies sich damit wie im Vorjahr noch vor Deutschland als die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Eurozone.

Privat

05.09.2013, 08:33 Uhr

Seit jahrzehnten versuchen die Landesbanken, ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu finden. Die "Zockerei" war eher ein Akt der Verzweiflung, des Fehlens realwirtschaftlich sinnvoller Alternativen.

Wieviele Landesbanken Deutschlands Sparkassen brauchen, ist nicht die Frage. Die Frage lautet vielmehr: "WOFÜR!"

ursularenner

05.09.2013, 11:41 Uhr

Der Entzug der Staatshaftung war Anlaß, nicht Ursache, für die Landesbanken, sich kurz vor dem betreffenden Stichtag mit aufgenommenem Geld, für das der Steuerzahler friedlich haftet, vollzusaugen. Dieses Geld wurde dann in der globalen Finanzkrise verbrannt (Stupid german money). Nachdem Landesbanken ein beliebter Parkplatz für verdiente Politiker ist, glaube ich nicht, dass iegendeine abggeschafft wird, ur weil ihr banktechnisch kein Geschäftsmodell einfällt....Es ist nun ein Treppenwitz, dass Brüssel abermals für Sorgen steht.

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