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12.01.2010

07:20 Uhr

Konsolidierung

„Keine Totenglocke bei Landesbanken“

VonPeter Köhler, Robert Landgraf

ExklusivEs sind spannende Zeiten an den Kapitalmärkten, und als Chef von Morgan Stanley Deutschland ist Dirk Notheis mittendrin. Im Handelsblatt-Interview spricht der Manager über den Reiz des Kapitalmarkts, die Landesbanken und die gefährliche Staatsverschuldung.

Morgan-Stanley-Manager Notheis: "Für viele kleine und mittelständische Unternehmen sinkt die Hemmschwelle, sich dem Kapitalmarkt zu öffnen." Pressebild

Morgan-Stanley-Manager Notheis: "Für viele kleine und mittelständische Unternehmen sinkt die Hemmschwelle, sich dem Kapitalmarkt zu öffnen."

Handelsblatt: Noch nie waren die Zeiten so spannend, stehen wir vor ein tektonischen Verschiebung an den Kapitalmärkten?

Dirk Notheis: "Panta rhei", alles fließt, galt schon immer als Kennzeichen der Kapitalmärkte. Eines steht aber in jedem Fall fest: die Bedeutung des Kapitalmarktes wird signifikant zunehmen. Die Finanzkrise beschleunigt diese Entwicklung, denn der klassische Kredit ist zwar nicht ausgezählt; verliert aber insgesamt an Bedeutung; die Banken schränken die Volumina ein. Dies hat zur Folgedass die Hemmschwelle für viele kleine und mittelständische Unternehmen sinkt, sich dem Kapitalmarkt gegenüber zu öffnen. Die Aufgabe von Investmentbanken ist es, diese Unternehmer in die neue Welt einzuführen, das gilt sowohl für neue Instrumente der Finanzierung als auch für neue Investorenschichten.

Da spielt nicht jeder Investor mit, oder?

Das Feld der Investoren diversifiziert sich zunehmend. So wird es zum Beispiel darum gehen, Anleger für Finanzinstrumente wie Beteiligungen oder Anleihen zu finden, die nicht von den klassischen Ratingagenturen beurteilt werden und etwa über eine Kreditqualität unterhalb des klassischen Investmentgrades verfügen. Also Unternehmen mit etwas mehr Risiko, die aber deswegen keine schlechten Unternehmen sind. Die Verzinsungserwartungen der Investoren liegen hier allerdings weit über dem klassischen Kredit. Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass, wird es leider nicht geben.

Spüren Sie mehr Offenheit?

Definitiv. Das gilt sowohl für die vielen Familienunternehmen, die Deutschland so einzigartig machen, als auch für Investoren, die in Zeiten niedriger Renditen und Feldgeldzinsen auf der Suche nach einem Zinsaufschlag sind, um ihren Geldgebern wiederum eine attraktive Rendite bieten zu können.. Das gilt im übrigen für Investoren rund um den Globus. Um speziell auf die Bedürfnisse von großen Mittelständlern einzugehen, haben wir bei Morgan Stanley daher auch ein eigenes Team aufgebaut, das diese Klientel betreuen soll. Es ist zugegebenermaßen noch klein, zeigt aber, dass sich etwas bewegt - sowohl bei Investoren als auch auf der Unternehmensseite.

Voraussetzung?

?die Unternehmen müssen Cash positiv sein, also regelmäßig Erträge erwirtschaften und in einem profitablen und insgesamt zukunftsträchtigen Geschäftsfeld arbeiten. Dann haben sie eine gute Chance auf Interesse bei internationalen Investoren zu stoßen. In Unternehmen, die ausschließlich Mittel verbrennen, investiert derzeit jedenfalls keiner, um das ganz klar zu sagen.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass es diesmal klappt? Über die Öffnung des Kapitalmarktes haben wir doch schon so lange geredet.

Zugegeben, aber diesmal ist es anders, was wahrscheinlich mit der psychologischen Zäsur zu tun hat, die diese Krise mit sich gebracht hat. Natürlich haben wir auch früher Dialoge mit Unternehmen geführt, die aus dem Mittelstand kamen. Doch heute besitzt das eine andere Qualität. Die Türen vieler Familienunternehmer stehen inzwischen offen. Es ist eine höhere Bereitschaft vorhanden, sich mithilfe von Transparenz nach außen auch den Kapitalmarkt zu erschließen.

Hängt das mit dem Abschied der Landesbanken zusammen, die teilweise um ihr Überleben kämpfen? Schließlich stammen über 20 Prozent der Kredite aus dieser Ecke.

Bitte nicht das finale Totenglöckchen läuten, noch sind die Landesbanken da und man sollte sie auf gar keinen Fall vorschnell abschreiben. Zugegeben, sie müssen schrumpfen und sind zunächst mit sich selbst beschäftigt. Das schränkt natürlich das Angebot an Krediten insgesamt ein und die Unternehmen müssen nach Alternativen suchen. Diese Alternative bietet eben der Kapitalmarkt - auch über Börsengänge.

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