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11.01.2011

10:25 Uhr

Konsolidierung

Wie bekannte Versicherer sterben

VonThomas Schmitt

Die großen Konzerne Ergo, Generali und Talanx verschmelzen schwache Töchter und werden damit zum Vorreiter einer Konsolidierung. So lässt sich Verwaltungsaufwand sparen und die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Dabei werden durchaus große Namen eingemottet.

Ergo hat schon kräftig verschlankt. Quelle: dpa

Ergo hat schon kräftig verschlankt.

FRANKFURT . In ihren guten Zeiten hat die Aspecta Versicherung im Talanx-Konzern Maßstäbe gesetzt. Das war 2005, als der Spezialist über Makler und sonstige freie Vermittler mehr als 300000 an Investmentfonds gebundene Policen verkaufte. Die Finanzkrise legte die Schwächen dieses Geschäftsmodells aber brutal offen. Fondspolicen ohne Garantien lagen zuletzt "wie Blei in den Regalen", bilanziert Talanx-Chef Herbert Haas im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Konsequenz: Aspecta wird in den kommenden Wochen dicht gemacht. Talanx kostet der Hausputz satte 159 Millionen Euro - viel Geld für einen mittelgroßen Lebensversicherer und der Hauptgrund, weshalb der Konzerngewinn im vergangenen Jahr einbrach.

Berühmte Namen wie Victoria und Volksfürsorge wurden eingemottet

Die Resteverwaltung übernimmt die Schwester-Gesellschaft HDI-Gerling Leben. Für die Besitzer der 600000 verbliebenen Aspecta-Policen ändert sich dadurch nicht viel, nur der Vertragspartner heißt künftig anders. Für die stolze und rund 100 Unternehmen umfassende Branche der deutschen Lebensversicherer markiert die Aktion von Talanx jedoch einen weiteren, tiefen Einschnitt. Schließlich mottet hier immerhin die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe eine etablierte Marke ein.

Die beiden großen Konkurrenten Ergo und Generali haben vorgemacht, dass dies auch ohne größeren Imageverlust gelingen kann. Die Munich-Re-Tochter Ergo degradierte die ohnehin schwache Victoria Leben zum Auslaufmodell. Die Gesellschaft stellte im vergangenen Jahr das Neugeschäft ein, dabei war Victoria immerhin als Marke auf den Trikots des Fußballclubs Schalke 04 jahrelang zu sehen. Die Deutschland-Tochter der italienischen Generali hatte 2009 keine Hemmungen, eine der bekanntesten Versicherungsmarken, die Volksfürsorge, einzustampfen. Nur als Label einer Generali-Vertriebstruppe lebt der Name fort. In den Reigen der Konsolidierer reihte sich auch die britische Aviva ein, die im März 2010 ihre kleine Deutschland-Tochter Delta Lloyd aus dem Markt nahm. Für Talanx-Chef Haas ist das Ende von Aspecta ein logischer Schritt. "Wir mussten aufräumen", sagt er. Die Basis von Aspecta sei drastisch eingebrochen. Das Neugeschäft sei von 2,1 Milliarden Euro vor fünf Jahren auf 430 Millionen Euro bis Ende September 2010 gesunken. Zudem hätten sich die vorhandenen Policen nicht gut entwickelt, weil sie an der Entwicklung der Kapitalmärkte hingen. Viele Verträge seien gekündigt worden, mittlerweile liege die Stornorate über elf Prozent - mehr als das Doppelte des Branchenschnitts.

Kommentare (3)

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Herbert Broeselmeyer

11.01.2011, 11:46 Uhr

auch die Versicherungsbranche hat offensichtlich erhebliche wirtschaftliche Probleme.Ein indiz dafür dürfte auch sein, dass drei große immobilieninvestmentfonds mangels Geldzuffluss der investoren aus der Versicherungswirtschaftgeschlossen werden musste.Auch hieraus ist wieder sichtbar , wie krank unser Wirtschaftssystem ist. Für mich nur ein weiterer beweis dafür,dass die wirtschaftlichen Probleme trotz des vermeintlichen derzeitigen Aufschwungs nicht so einfach zu lösen sind und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten schlimmeren wirtschaftlichen Zusammenbruchs zunehmend wächst.Die Politiker aller Parteien haben offensichtlich nicht die richtigen Mittel diesen Zusammenbruch abzuwenden.

Das Problem ist, dass

11.01.2011, 14:13 Uhr

Das Problem ist, dass Versicherungen Gewinn machen müssen und dürfen. Das widerspricht dem Gemeinnutz Gedanken. Eine Versicherung, die an einem Produkt und damit an mir verdient ist zu teuer. Nach Durchsicht der Vertragsbestimmungen kann man mittlerweile auf 90% der angebotenen Versicherungen verzichten. Soviele Ausnahmen sind in den Verträgen heutzutage drin, dass man zu oft leer ausgeht im Schadensfall.

Mein Rat: Versicherungen nur mehr als gemeinnützige Vereine zulassen in EU. Weg mit den AG/GmbH Ansätzen in der Versicherungsbranche.

Peter Arlau

11.01.2011, 16:43 Uhr

Wenn man genauer hinschaut, dann scheint bei Talanx weniger das Geschäftsmodell der ehemaligen Aspecta verantwortlich. Der Rückgang des Geschäftes begann schon 2007, vor jeden Problemen an den börsen. Die Zusammenführung der Vertriebe in der Gerling-Organisation könnte eine wesentliche Ursache sein. Und mit der HDi-Gerling Leben betreibt man das mit der Aspecta "abgeschaffte" Geschäftsmodell mehr oder weniger erfolgreich weiter.
Und andere Anbieter haben selbst in 2010 erfolgreich die Fondsgebundene Lebensversicherung verkauft - auf Grund der kommenden Eigenkapitalanforderungen bei Geschäften mit langfristigen Garantieen auch das einzig Vernünftige.
Schade, dass hier nicht kritisch hinterfragt wird.

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