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05.12.2012

16:18 Uhr

Konzernumbau

Citigroup kündigt Massenentlassungen an

Die Citigroup zieht wenige Wochen nach dem Abgang von Bankchef Vikram Pandit die Reißleine. Mehr als 10.000 Jobs sollen wegfallen. Damit will die Bank eine gute Milliarde Dollar sparen – doch zunächst wird es teuer.

Bei der Citigroup sollen 11.000 Stellen wegfallen. dapd

Bei der Citigroup sollen 11.000 Stellen wegfallen.

New YorkDie Luft für Banker wird dünner: Die Citigroup streicht im Rahmen eines groß angelegten Umbaus 11 000 Stellen. Das soll die Kosten senken und die Bank im rauen wirtschaftlichen Umfeld wettbewerbsfähiger machen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter im Privatkundengeschäft, aber auch zahlreiche Investmentbanker. Dutzende Filialen rund um den Globus fallen weg. Das Privatkundengeschäft in Pakistan, Rumänien, der Türkei, Paraguay und Uruguay soll entweder verkauft oder deutlich zurückgefahren werden.

„Diese Aktionen sind die logischen nächsten Schritte beim Wandel der Citigroup“, sagte der neue Konzernchef Michael Corbat am Mittwoch in New York. Die Bank mit ihren zuletzt 262.000 Mitarbeitern gehört zu den Verlierern der Finanzkrise und hatte bereits große Teile ihres Geschäfts abgestoßen, um wieder auf die Beine zu kommen. Dennoch hinkt sie in Sachen Gewinn ihren großen Rivalen wie JP Morgan Chase oder Wells Fargo hinterher.

Die Stellenstreichungen werden das Wall-Street-Haus im vierten Quartal etwa eine Milliarde Dollar (760 Millionen Euro) vor Steuern kosten; weitere 100 Millionen Dollar fallen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an. Dem stehen erwartete Einsparungen von 900 Millionen Dollar im kommenden Jahr und mehr als 1,1 Milliarden Dollar in den Folgejahren gegenüber. Die Börsianer freute die Aussicht: Die Aktie stieg im frühen New Yorker Handel um vier Prozent.

Bereits der heimische Rivale Bank of America hatte den Abbau von 30 000 Jobs angekündigt und will dadurch Milliarden einsparen. Auch andere Institute reduzieren ihr Personal, weil das Geschäft in der Schuldenkrise lahmt und zudem strengere gesetzliche Auflagen den geschäftlichen Spielraum der Banken einschränken. Sie müssen mehr Kapital für Notfälle vorhalten und ihre früher so einträglichen Spekulationen zurückfahren.

Vikram Pandit: „Goldener Handschlag“ für Ex-Citigroup-Chef

Vikram Pandit

„Goldener Handschlag“ für Ex-Citigroup-Chef

Im April verweigerten ihm die Investoren noch ein Vergütungspaket in Millionenhöhe.   

Bei der Citigroup kommen die Einschnitte zwei Monate nach dem Ausscheiden des langjährigen Chefs Vikram Pandit. Er hatte die Bank nach der Finanzkrise stabilisiert, musste aber mit ansehen, wie die Rivalen davonzogen. Kritiker werfen ihm vor, nicht stark genug auf die Kosten geachtet zu haben. Sein Nachfolger Michael Corbat ist ein Veteran in der Bank und sorgte unter anderem dafür, dass die Citigroup ihre Problemsparten nach der Finanzkrise loswurde. Er hatte schon zu seinem Amtsantritt „einige Veränderungen“ angekündigt.

Die Citigroup hat 200 Millionen Kunden in mehr als 160 Ländern. Von den zuletzt rund 4070 Filialen im Privatkundengeschäft sollen nach dem Umbau noch gut 4000 übrig bleiben. Geschlossen werden Standorte in den USA, Brasilien, Südkorea, Hongkong und auch Ungarn. Vor einem Jahr waren es noch annähernd 4200 Filialen.

Das berichten die US-Großbanken über das 3. Quartal

JP Morgan

Die größte US-Bank JP Morgan Chase verdient wieder soviel wie vor der Krise. Im dritten Quartal steigerte JP Morgan den Nettogewinn um ein Drittel auf 5,7 Milliarden Dollar. Hauptgrund ist die boomende Nachfrage nach Hypotheken in den USA. Allein im Geschäft mit Häuserkrediten nahm das Institut 1,8 Milliarden Dollar ein – 36 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Ergebnis übertraf die Analystenerwartungen.

Wells Fargo

Die Erfolgsgeschichte von Wells Fargo geht weiter. Im dritten Quartal wuchs der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf den Rekordwert von 4,94 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf die Bank die Erwartungen von Analysten. Wells Fargo profitierte von der sich bessernden US-Konjunktur und dem weiter anziehenden Immobilienmarkt.

Citigroup

Die Citigroup muss einen Gewinneinbruch hinnehmen. Die Erlöse gingen um 88 Prozent auf 468 Millionen Dollar zurück. Wesentlicher Grund dafür waren Sonderabschreibungen in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar (nach Steuern), weil die Bank beim Verkauf ihrer Tochter Smith Barney nicht den erhofften Preis erzielen konnte.

Goldman Sachs

Goldman Sachs wies einen überraschend kräftigen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar aus, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 428 Millionen Dollar in den Büchern stand. Die Einnahmen stiegen um 133 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Die Investmentbank verdient dank der Erholung an den Finanzmärkten wieder prächtig.

Bank of America

Einen Gewinn von gerade einmal 340 Millionen Dollar hat die Bank of America im dritten Quartal erzielt. Vor einem Jahr erwirtschaftete die Bank noch ein Plus von 6,2 Milliarden Dollar. Schuld daran waren vor allem Sondereffekte wie die Abschreibung von 1,6 Milliarden Dollar nach einer 2,4 Milliarden Dollar teuren Einigung, um einer Sammelklage von Aktionären zu entgehen.

Morgan Stanley

Die US-Großbank Morgan Stanley fuhr im dritten Quartal einen Verlust von einer Milliarde Dollar ein. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum erzielte die Investmentbank noch einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Der Umsatz schrumpfte in den drei Monaten von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 9,8 auf 5,3 Milliarden Dollar.

Bereinigt um Abschreibungen auf Schuldbewertungen kletterte aber der Umsatz auf 7,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr bezifferte sich der bereinigte Umsatz nur auf 6,4 Milliarden Dollar. Um die Abschreibungen bereinigt stand ein Gewinn von 561 Millionen Dollar, verglichen zu 64 Millionen Dollar im Vorjahr.

Kommentare (2)

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Macwoiferl

05.12.2012, 17:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Paule

05.12.2012, 17:56 Uhr

@Macwoiferl: Ich finde, hier ist eher das Management gefragt.

Was den Artikel angeht:
Mir ist aufgefallen, dass in letzter zeit namenhafte Kreditinstitute Mitarbeiterentlassungen im fünfstelligen Bereich angekündigt haben. Das sind zwar absolute Zahlen, aber dennoch bin ich erschrocken, dass es diesen Spielraum überhaupt gibt.

Dahinter müssen sich doch dermaßen beträchtliche Ineffizienzen verbergen, dass einem das Hören und Sehen vergeht.

Ich wage die Behauptung, dass Banker "durch die Bank weg" nicht schlecht verdienen. Insbesondere gemessen an ihrer Verantwortung im Vergleich zu anderen Berufen.

Die guten Gehälter gepaart mit den Ineffizienzen sind mir ein ganz großes Rätsel.
Warum wurde das nicht früher erkannt? Das alles zahlt der kleine Bürger, der auch Bankkunde ist, mit seinen Kreditzinsen und sonstigen gefühlt überhöhten Bankgebühren.

So viele Mitarbeiter und so viel Gehalt....und trotzdem wird der Karren Bankensystem in Europa vor die Wand gefahren.

PS:
Tur mir leid, wenn ich etwas pauschal geworden bin, aber ich kenne mich weder mit den Mitarbeiterzahlen noch mit den Gehaltsstrukturen bei Banken im Detail aus.

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