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19.10.2015

14:29 Uhr

Konzernumbau

Die Untoten der Deutschen Bank

VonMartin Dowideit, Laura de la Motte

Selten ist ein Konzernvorstand auf einen Schlag so umfassend umgebaut worden wie bei der Deutschen Bank. Doch nicht jeder, der nicht mehr gut gelitten ist, geht sofort – manche dürfen noch Monate über die Flure huschen.

Die neue Besetzung des Vorstands und weiterer Führungsposten der Deutschen Bank steht – doch nicht alle Vorgänger verlassen das Unternehmen direkt. Imago

Gespenstische Schatten

Die neue Besetzung des Vorstands und weiterer Führungsposten der Deutschen Bank steht – doch nicht alle Vorgänger verlassen das Unternehmen direkt.

DüsseldorfDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner bringt den umfassenden Vorstands- und Konzernumbau bei der Deutschen Bank auf den Punkt: Eine derartig grundlegende Reorganisation gehe „nicht ohne Härten einher“. Treffen wird es in den kommenden Quartalen viele Mitarbeiter – ein umfassender Stellenabbau ist in Vorbereitung. Und im obersten Führungsgremium gehen einige Leistungsträger der Vergangenheit, die teilweise jedoch vor allem durch Zins- und Devisen-Manipulationsaffären belastet waren.

Gleich sechs neue Namen hat Co-Vorstandschef John Cryan mit Achleitner für den Vorstand präsentiert und auch etliche Posten der zweiten Führungsebene neu besetzt. Damit kann es in den kommenden Monaten zu gespenstischen Situationen kommen: Immer dann wenn die neuen Stars den alten Größen auf den Fluren der Bank begegnen. Denn bei weitem nicht jeder räumt unmittelbar seinen Posten.

Der Deutsche-Bank-Vorstand

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.

Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.

John Cryan

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Quintin Price

Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.

Christian Sewing

Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

Jeff Urwin

Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Einer der „Untoten“: Michele Faissola. Der bisherige Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank wird laut Mitteilung der Bank „nach einer Übergangszeit“ die Bank verlassen. Sein Nachfolger Quintin Price tritt seinen Posten erst zum 1. Januar 2016 an und zieht dann auch in den Vorstand der Bank ein. Letzteres Privileg war Faissola verwehrt geblieben, obwohl er die Sparte Deutsche Wealth & Asset Management durchaus finanziell auf ein stabileres Fundament gehoben hatte.

Doch Faissolas Problem ist sein bisheriger Förderer: der ehemalige Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Faissola arbeitet seit 20 Jahren für die Deutsche Bank, war unter anderem in der einst von Jain geführten Investmentbank für den Handel mit Zinsprodukten und Rohstoffen verantwortlich. Jain hievte nach der Ernennung zum Co-Chef dann Faissola auf dessen aktuellen Posten.

Doch zu viel Nähe zu Jain ist zu einem K.O.-Kriterium unter John Cryan geworden. Außerdem hatte die Finanzaufsicht Bafin Faissola in ihrem umfangreichen Bericht zu Manipulationen des Libor-Zinssatzes „schwerwiegende“ Versäumnisse bescheinigt. Er soll trotz früher Hinweise auf Manipulationen das Prozedere bei der Feststellung des Libor nicht geändert haben.

Schon länger über die Flure von Deutschlands größtem Geldhaus geistert Jain selbst. Nach seinem Rücktritt im Juni, ist er noch bis zum Januar 2016 offizieller Berater von Cryan. Und auch Richard Walker, einstiger Chefjustiziar und ebenfalls Jain-Freund, ist immer noch da. Nachdem insbesondere die deutsche Finanzaufsicht Bafin sich jahrelang an ihm störte, wird er zum Jahresende sein Amt niederlegen und der Bank aber weiterhin als „Vice Chairman Legal“ zur Verfügung stehen.

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