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27.06.2013

17:02 Uhr

Konzernumbau

Moody's malt bei der Commerzbank schwarz

Die Ratingagentur Moody's erwartet bei der Commerzbank keine schnelle Kehrtwende. Für dieses und nächstes Jahr bescheinigt sie dem Geldhaus „mäßige Gewinnaussichten“. Besserung sei frühestens 2015 in Sicht.

Commerzbank-Zentrale: „Verbesserungen erst ab 2015 oder 2016“. dpa

Commerzbank-Zentrale: „Verbesserungen erst ab 2015 oder 2016“.

FrankfurtDer Umbau der Commerzbank wird nach Auffassung der Ratingagentur Moody's frühestens 2015 Früchte tragen. Der Abbau der nicht mehr zum Kerngeschäft gezählten Schiffs- und Immobilienfinanzierung werde noch mehrere Jahre Verluste bringen, auch wenn er offenbar schneller gehe als sie erwartet habe.

„Die Fortschritte beim Risikoabbau reduzieren die Gefahr extremer Verluste“, schrieb Moody's-Kreditanalystin Katharina Barten in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. „Die substanziellen Bemühungen der Bank um Kostensenkungen und eine Risiko-Reduzierung werden wahrscheinlich zu sichtbaren Verbesserungen führen, aber erst ab 2015 oder 2016“, hieß es.

Die Commerzbank-Aktie gab am Donnerstag gegen den Markttrend um vier Prozent auf 6,62 Euro nach. Seit Tagen halten sich am Markt Ängste wegen der Risiken aus der Schiffsfinanzierung und aus dem Bestand an südeuropäischen Staatsanleihen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Für dieses und nächstes Jahr habe die Commerzbank „mäßige Gewinnaussichten“, schrieb Barten. Neben den Verlusten in dem Abbau-Portfolio belasteten die Bank auch die Kosten des Umbaus und die strukturell schwachen Renditen in einigen Kernbereichen. Das Niedrigzinsumfeld habe inzwischen neben dem Geschäft mit den elf Millionen Privatkunden auch die Mittelstandsbank und die polnische BRE Bank erfasst, zwei Stützen des Konzerns.

Im Filialgeschäft verschärfe sich der Preisdruck der Online-Banken, von denen die Commerzbank mit Comdirect selbst eine im Konzern hat. Daran werde sich kurzfristig nichts ändern. Das könne die Commerzbank aber zum Teil dadurch wettmachen, dass die Provisionseinnahmen bei ihr eine vergleichsweise große Rolle spielen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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btw

27.06.2013, 19:36 Uhr

Dann sollte Moody's bei CoBa doch eher rot malen wollen als schwarz.
Oder?

mon_yburns@central.banktunnel.eu

27.06.2013, 20:06 Uhr

ach so,

http://central.banktunnel.eu/20130627-2000-ecbint-pROOF-OF-LIFE.jpg

Vicario

27.06.2013, 20:20 Uhr

Zitat : Für dieses und nächstes Jahr habe die Commerzbank „mäßige Gewinnaussichten“, schrieb Barten. Neben den Verlusten in dem Abbau-Portfolio belasteten die Bank auch die Kosten des Umbaus und die strukturell schwachen Renditen in einigen Kernbereichen.

Und diese Commerzbank hat noch eine Menge Mist in ihrem Keller schlummern :

Interne Bad Bank: Portfolio Restructing Unit
Zum 30. September 2009 sammelte die Commerzbank 44 Milliarden Euro an Schrottpapieren in einer firmeninternen Bad Bank. 2012 schrumpfte das Portfolio der internen "Bad Bank" um 17 Prozent auf 151 Milliarden Euro. Dabei fokussierte sich die Commerzbank vor allem auf die gewerbliche Immobilien- und Staatsfinanzierung. Bis 2016 soll das Portfolio dieser Abbaueinheit NCA auf gut 90 Milliarden Euro abschmelzen - vorzugsweise wertschonend über Fälligkeiten, in Einzelfällen werden nach früheren Angaben durch den Verkauf von Papieren aber auch Verluste in Kauf genommen.
In der Bad Bank lagert der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo, inzwischen umbenannt in Hypothekenbank Frankfurt, sowie die Schiffsbank. Aus all diesen Geschäftsbereichen zieht sich die Commerzbank komplett zurück. Auch einige Uraltlasten aus der Investmentbank von der Finanzkrise 2008 sind dabei.

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