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23.01.2004

15:31 Uhr

Kooperation mit den Behörden angekündigt

Deutsche Bank-Büro in Mailand durchsucht

Italienische Fahnder haben nach dem Skandal um den Milchverarbeiter Parmalat nun auch die Deutsche Bank ins Visier genommen.

HB FRANKFURT/MAILAND. „Unser Büro wurde am Freitag durchsucht. Wir werden weiter mit den italienischen Behörden kooperieren und sie unterstützen“, sagte ein Sprecher der Bank in Frankfurt.

In den vergangenen Tagen waren in Mailand bereits Geschäftsstellen der US-Bank Morgan Stanley, einer Tochter der Banca Intesa und der Ratingagentur Standard & Poor's durchsucht worden. Die Ermittler wollen mehr über die Rolle der Banken bei den milliardenschweren Anleihe-Emissionen des mittlerweile von einem Gericht für insolvent erklärten Milchverarbeiters wissen.

Noch im September hatte Parmalat - unter Führung der Deutschen Bank - eine zehnjährige Anleihe über 350 Millionen Euro begeben, die von den Ratingagenturen als vergleichsweise sicher eingestuft worden war. Parmalat hat insgesamt knapp sieben Milliarden Euro Anleiheschulden.

In den Parmalat-Bilanzen waren Löcher aufgetreten, die sich nach Schätzung der Ermittler auf mehr als zehn Milliarden Euro belaufen könnten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 35.000 Mitarbeiter.

Deutsche Bank bleibt gelassen

Die Deutsche Bank bezeichnet ihr Engagement bei Parmalat als nicht wesentlich, nennt offiziell aber keine Zahlen. Das wirtschaftliche Risiko scheint weitaus geringer als der Imageschaden, den Deutschlands größtes Geldinstitut wegen Parmalat erleidet. „Das gesamte Risiko bei Parmalat liegt für die Deutsche Bank im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich - von daher sind wir relativ gelassen“, hatte von einem mit dem Fall Vertrauten erfahren.

Der wegen eines Bilanzskandals verhaftete Gründer des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist nach Angaben seines Anwalts vom San-Vittore-Gefängnis in ein Mailänder Krankenhaus gebracht worden. Die Aktien der Deutschen Bank gaben einen Teil ihrer Gewinne nach der Meldung über die Durchsuchungen am Freitagnachmittag ab und notierten noch mit 0,7 Prozent im Plus bei 63,97 Euro.

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