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20.03.2013

10:27 Uhr

Korrektur der Jahresbilanz

Deutsche Bank halbiert nachträglich den Gewinn

VonMartin Dowideit, Andreas Dörnfelder

Die Deutsche Bank korrigiert nachträglich die Geschäftszahlen für das Jahr 2012. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten werden um 600 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro erhöht. Die Aktie legt trotzdem zu.

Deutsche-Bank-Co-Chefs Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain. Reuters

Deutsche-Bank-Co-Chefs Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain.

FrankfurtDie Deutsche Bank korrigiert nachträglich das Geschäftsergebnis des vergangenen Jahres. Seit der Veröffentlichung der nicht testierten Zahlen für 2012 hätten sich „neue Entwicklungen bezüglich bestimmter Rechtsstreitigkeiten gegeben“, teilte das größte deutsche Geldhaus am Mittwoch mit. Zur Begründung verwies die Bank auf Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit US-Hypothekenkrediten aus dem Altgeschäft, aber auch „damit nicht im Zusammenhang stehende regulatorische Untersuchungen.“

Finanzkreisen zufolge spielen die Tricksereien bei den Banken-Referenzzinssätzen Libor und Euribor, in die die Deutsche Bank verwickelt ist, eine Rolle. Hier drohen Strafzahlungen. „Ein Vergleich mit den Behörden steht aber nicht kurz bevor“, sagte einer der Insider. Etliche andere Banken hatten bereits teils hohe dreistellige Millionenbeträge zahlen müssen.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Viele Risiken

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

Das Nachsteuerergebnis der Deutschen Bank für 2012 fällt auf 291 Millionen Euro nach zuvor gerundet 700 Millionen Euro. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten hätten um 600 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro erhöht werden müssen. Auch die von Anlegern eng beobachtete Kernkapitalquote fällt dadurch von acht Prozent auf 7,8 Prozent. Am Ziel, die Quote zum Ende des ersten Quartals 2013 auf 8,5 Prozent zu steigern, ändere sich aber nichts. Auch am Vorschlag für die Dividende in Höhe von 75 Cent pro Aktie ändere sich nichts.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Die Aktie legte am Morgen mehr als zwei Prozent zu und setzte sich an die Spitze der Dax-Gewinner. Die Nachricht sei zwar überraschend gekommen, sagte ein Analyst gegenüber Handelsblatt Online. Es hätte aber schlimmer kommen können. Entscheidend sei, dass die Deutsche Bank an der angestrebten Kernkapitalquote festhalte. Der Aktienkurs habe wohl auch positiv reagiert, da damit mehr Klarheit rund um die großen juristischen Baustellen der Bank herrsche. „Eine Buchung ins laufende Geschäftsjahr hätte mehr wehgetan. Denn die Börsianer schauen immer nach vorne“, so der Analyst.

Deutsche Bank: Gewinnkorrektur lässt Anleger kalt

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Die Bank verweist darauf, dass sie mit dem Schritt nach den Regeln des IFRS-Bilanzierungswerks handelt. Demnach seien vor Veröffentlichung des Finanzberichts anfallende Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten rückwirkend zu verbuchen. Die Bank hatte jüngst die Veröffentlichung ihres Geschäftsbericht auf Mitte April verschoben und für den 11. April eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.

Einen Teil der jetzt erhöhten Rückstellungen kann die Bank bei den so genannten Eventualverbindlichkeiten abziehen, die sich dadurch um etwa eine halbe Milliarde Euro auf 1,5 Milliarden Euro reduzierten.

Mit Material von Reuters.

Kommentare (34)

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DEUFRA2011

20.03.2013, 08:58 Uhr

Herr Ackermann hat einmal in einer Sendung bei Jauch behauptet dass man Einkünfte in zweistelliger Millionenhöhe € zahlen muss damit man Leute wie ihn, Herrn Fitschen und Jain überhaupt auf dem internationalen Markt für die Deutsche Bank einkaufen kann. Die Aktionäre sollten sich einmal überlegen ob sie mit Leuten die für z.B. 1 Mio / Jahr auch morgens schon aus dem Bett kommen nicht besser fahren würden. Hier hat sich eine Kaste etabliert die zerschlagen werden muss. Das ist die Aufgabe der Politik, nicht das Einrichten von Geburtstagen im Kanzleramt. Eine Demokratie kann so nicht funktionieren, das ist unser Problem.

Euroaus

20.03.2013, 09:28 Uhr

Wir haben doch gar keine Demokratie!
Eher wohl eine Finanzokratie oder Lobbykratie!

Account gelöscht!

20.03.2013, 09:48 Uhr

Reine Neiddebatte, ich als Aktionär habe keine Probleme diese Gehaltszahlungen zu tätigen.
Mein Problem liegt mehr darin, für was es gezahlt wird. Boni - ja gerne, auch in der Höhe, aber nur auf Langfristziele.

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