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31.10.2014

02:42 Uhr

Kosten für Justizprobleme

Citigroup schraubt Gewinn um 600 Millionen herunter

VonAxel Postinett

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Institut, das mit Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen hat. Probleme mit Aufsichtsbehörden und der Justiz zwingen die Citigroup zu massiven Rückstellungen.

Gewinn verhagelt: die Citigroup muss viel Geld für etwaige Strafzahlungen zurückstellen. ap

Gewinn verhagelt: die Citigroup muss viel Geld für etwaige Strafzahlungen zurückstellen.

San FranciscoAuf einmal ging alles sehr schnell: Aufgrund sich „rapide entwickelnder regulatorischer Anfragen und Ermittlungen“ sieht sich die US-Bank Citigroup gezwungen, weitere 600 Millionen Dollar für Rechtsstreitigkeiten zurückzustellen. Dabei, so heißt es in einer Pflichtmitteilung, gehe es unter anderem um „aktuelle Gespräche mit Regulierungsbehörden im Zusammenhang mit früher bereits diskutierten Ereignissen“.

Erst vor zwei Wochen hatte die Bank für das dritte Quartal 2014 einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Dollar ausgewiesen. Er verringert nun auf 2,8 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor an der Wall Street nachbörslich rund zwei Prozent.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Insgesamt hat die Citigroup Rückstellungen für juristische Risiken in Höhe von 1,55 Milliarden Dollar gebildet. Der jüngste Schub wird mit Ermittlungen gegen eine Reihe von Banken in Zusammenhang gebracht, bei denen es um Manipulationen an den internationalen Devisenmärkten geht. Im Zuge der Untersuchungen wurden bereits zahlreiche Devisenhändler mehrerer Banken entlassen oder beurlaubt.

Unter den betroffenen Instituten ist auch die Deutsche Bank. Deren Finanzvorstand Stefan Krause hatte noch vor wenigen Tagen betont, das deutsche Institut sei nicht an vorderster Front bei den Ermittlungen. Trotzdem: Die Auswirkungen des Skandals sind schwer abzuschätzen.

Gemessen an früheren Einigungen mit den Justizbehörden könnten sich die Strafen im Milliardenbereich bewegen. Viele Banken gehen daher lieber auf Nummer Sicher: JP Morgan erklärte bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen, die 1,01 Milliarden Dollar an gebildeten Rückstellungen seien „großteils“ für den Devisenskandal.

Im Kern geht es um zwei getrennte Ermittlungen, in Europa durch die britische Financial Conduct Authority und auf amerikanischer Seite durch das US-Justizministerium. Laut "Wall Street Journal" haben sich die britischen Ermittler im September unter anderem mit Vertretern der Citigroup getroffen, um über eine Beilegung des Rechtsstreits zu verhandeln.

Für die Citibank ist es nicht die erste nachträgliche Abwärtskorrektur, und der Druck auf Vorstandschef Michael Corbat wächst. Im Februar musste er bereits den Abschluss von 2013 um 235 Millionen Dollar kürzen, nachdem Ermittler bei der mexikanischen Tochter der Bank Betrug in Höhe von 400 Millionen Dollar feststellten.

Weitere Untersuchungen zeichneten das Bild einer Organisation, die praktisch ohne funktionierendes internes Kontrollsystem gegen Betrügereien agierte. Die Konsequenz: Citigroup will sich jetzt aus elf Standorten zurückziehen, vor allem aus Schwellenländern.

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