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12.01.2016

15:15 Uhr

Kostensenkungen und weniger Bußgelder

Wall Street spart sich zum besten Jahresendgewinn seit 2006

Die großen US-Banken haben im letzten Jahr ihre Gürtel enger geschnallt. Von Wells Fargo über JPMorgan konnten die sechs größten Institute ihre Kosten im Schnitt um 14 Prozent senken – auch, weil Strafen seltener werden.

Chris Mutascio, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, schätzt weitere Kosteneinsparungen als schwierig ein: „Es gab schon viele Sparmaßnahmen. Da ist nicht mehr viel zu holen.“ ap

Weitere Einsparungen werden schwer

Chris Mutascio, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods, schätzt weitere Kosteneinsparungen als schwierig ein: „Es gab schon viele Sparmaßnahmen. Da ist nicht mehr viel zu holen.“

New YorkIm Kampf um höhere Gewinne haben die großen US-Banken sich auf den Faktor verlegt, den sie gut kontrollieren können: Kostensenkungen.

Die sechs größten Kreditinstitute des Landes werden laut Analystenschätzungen im vierten Quartal 61,8 Milliarden Dollar für Personal, Marketing und Immobilien ausgeben, das ist die niedrigste Gesamtsumme für ein Quartal seit den letzten drei Monaten des Jahres 2008. Das hilft den Banken, einen größeren Teil der Erträge in Gewinn umzumünzen. Mit erwartet 19,9 Milliarden Dollar dürfte das Ergebnis für die sechs größten US-Banken den höchsten Stand für ein Jahresschlussquartal seit 2006 erreichen.

Einen ersten Eindruck von den Zahlen des vierten Quartals werden die Anleger am 14. Januar erhalten, wenn JPMorgan Chase & Co. das Ergebnis vorstellt. Analysten gehen davon aus, dass die starken Kostensenkungen im vierten Quartal den Erfolg des Kreditinstitutes beim Abbau von Stellen, der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten und der Zentralisierung von Verwaltungsaufgaben zeigen. Damit will JPMorgan angesichts der niedrigen Zinsen, die auch die Erträge drücken, den Gewinn stützen. Die Banken stehen unter Druck, neue Kostensenkungsmöglichkeiten zu finden, da die Aussichten für ein Wachstum der Erträge unsicher sind.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

„Kostensenkungen haben es den Banken ermöglicht, gegen ein ziemlich flaues Umfeld bei den Erträgen anzukämpfen“, erläutert Shannon Stemm, Analystin bei Edward Jones in St. Louis. „Ein großer Teil der positiven Effekte der Einsparungen hat sich bereits bemerkbar gemacht.“

Die Erträge im vierten Quartal werden den Analystenprognosen zufolge bei den sechs Instituten um zwei Prozent gegenüber der Vorjahresperiode steigen auf 97,9 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sollen die Kosten um 14 Prozent zurückgehen. Nach JPMorgan wollen Citigroup und Wells Fargo am 15. Januar berichten, Morgan Stanley und Bank of America haben für den 19. Januar Zahlen angekündigt. Goldman Sachs stellt das Quartalsergebnis am 20. Januar vor.

Im Gefolge der Finanzkrise waren die Kosten der Banken angeschwollen – angefangen von Zeitarbeitern, die sich um Problemkredite kümmerten, bis hin zu Kosten für die Beilegung von staatlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Platzierung von Hypothekenanleihen oder der Manipulation von Devisenkursen.

Viele Banken legten daraufhin umfassende Sparprogramme auf. Unter anderem kündigte Bank of America Corp. im September 2011 an, 30.000 Stellen zu streichen und 63 Datenzentren zusammenzulegen, die die Bank über Akquisitionen erhalten hatte. Im Folgejahr setzte sich Wells Fargo & Co. ein Ziel von 55 bis 59 Prozent für die Kosten-/Ertrags-Quote, Citigroup Inc.folgte unter CEO Michael Corbat 2015 mit einem Ziel von 55 Prozent.

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