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12.01.2010

07:03 Uhr

Kreditkarten-Panne

Noch keine Ansprüche gegen Hersteller Gemalto

VonHans G. Nagl, Oliver Stock

Nach der millionenfachen Panne bei EC- und Kreditkarten dauert die Aufarbeitung des Schadens weiter an. Forderungen gegen den Hersteller der fehlerhaften Sicherheitschips, den französischen Technologiekonzern Gemalto, lassen auf sich warten. Unklar ist, ob es überhaupt dazu kommt.

Ein fehlerhafter Chip, viele Probleme: 30 Millionen deutsche EC- und Kreditkarten wurden zu Jahresbeginn lahmgelegt. Quelle: dpa

Ein fehlerhafter Chip, viele Probleme: 30 Millionen deutsche EC- und Kreditkarten wurden zu Jahresbeginn lahmgelegt.

FRANKFURT. Nach der EC- und Kreditkarten-Panne dauert deren Aufarbeitung weiter an. Damit könnte der französische Technologiekonzern Gemalto als Lieferant der fehlerhaften Sicherheitschips erneut in den Fokus geraten. „Bislang gibt es keine Forderungen gegen das Unternehmen“, sagte ein Gemalto-Sprecher am Montag auf Anfrage. Unklar sei, ob es hierzu überhaupt komme. Denn noch sei es für Forderungen gegen Gemalto offenbar zu früh. Zugleich stellte er klar, Gemalto habe eine Lösung gefunden, die das Umprogrammieren der fehlerhaften Sicherheitschips ermögliche. Vergangene Woche hatte es mehrfach von Bankenseite geheißen, man behalte sich Ansprüche gegen die Franzosen vor.

Provisorium bringt inländische Zahlstellen wieder in Gang

Zu Jahresbeginn hatte ein fehlerhafter Sicherheitschip von Gemalto rund 30 Millionen deutsche EC- und Kreditkarten ganz oder teilweise lahmgelegt. Ursache war ein Problem mit der Software: Das Datum 2010 konnte nicht erkannt werden. In der Folge wiesen Geldautomaten und Terminals das Plastikgeld zurück. Im Inland sind die Probleme seit kurzem gelöst. Hier hat man Automaten und Bezahl-Geräte so programmiert, dass diese schlichtweg den Chip ignorieren und auf den Magnetstreifen ausweichen.

Im Ausland dauert die Panne indes an: Dort war eine Umprogrammierung nämlich nicht möglich. Damit müssen die fehlerhaften Chips letztlich doch über ein Software-Update repariert werden. Die Alternative wäre ein Austausch aller Karten gewesen, der branchenweit bis zu 300 Millionen Euro an Kosten hätte verursachen können.

Die deutschen Sparkassen – die mehr als zwei Drittel der fehlerhaften Karten ausgegeben haben – wollen unter allen Umständen auf die Umprogrammierungslösung setzen. Ende Januar sollen dann in den Filialen extra Geräte bereit stehen, die das Update aufspielen können. Später soll dies auch über die 25 700 Geldautomaten des Verbunds passieren.

Bei den Genossenschaftsinstituten gibt man sich etwas vorsichtiger. Gemeinsam mit den anderen Verbünden arbeite man an dem Reparaturkonzept und setze dabei auf die Umprogrammierung der Karten. Man werde diese Möglichkeit „voraussichtlich spätestens Mitte Februar“ den betroffenen Kunden zu Verfügung stellen, teilte der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken mit. Das Update soll über die 18 000 Geldautomaten des Verbundes aufgespielt werden. Die Genossenschaftsbanken sind im Vergleich zu den Sparkassen mit lediglich vier Mio. defekten EC-Karten eher gering betroffen.

Ob die Umprogrammierung tatsächlich problemlos zu bewerkstelligen ist, wird in der Bankenbranche aber nach wie vor bezweifelt. „Das ist alles noch nicht getestet, da gibt es noch einige Fragezeichen“, sagte ein hochrangiger IT-Manager eines großen Instituts.

Auch die privaten Banken setzen auf neue Software

Bei den privaten Banken ist der Austausch der Karten offenbar ebenfalls vom Tisch. Das Programm für die Behebung des Fehlers werde momentan getestet, sagte ein Sprecher des Bankenverbandes BdB. Bei den privaten Instituten waren rund 2,5 Millionen Karten bei einer Handvoll Institute wie der Postbank, der SEB oder der Commerzbank betroffen.

Letztere hatte bereits am Freitag erklärt, den Kunden kostenlos eine Kreditkarte zur Verfügung zu stellen und etwaige Mehraufwendungen zu übernehmen. Insgesamt ist sich die Branche einig, dass Sparkassen und Institute für die den Kunden durch die Panne entstandenen Kosten aufkommen. Sowohl Deutsche Bundesbank als auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatten die Banken zuletzt heftig kritisiert.

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