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12.01.2004

08:07 Uhr

Kreditkartenanbieter LG Card wird mit Milliardenhilfen am Leben gehalten

Südkorea entgeht nur knapp einer schweren Finanzkrise

In letzter Minute ist Südkoreas größter Kreditkartenanbieter LG Card vor der Pleite gerettet worden. Nach tagelangem Tauziehen einigten sich die 16 wichtigsten Gläubiger am Freitagabend auf ein Rettungspaket in Höhe von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro (5,3 Billionen Won).

bas TOKIO. Danach erhält LG Card frische Kredite in Höhe von 1,65 Billionen Won. Damit wird ein schwerer Schlag für den südkoreanischen Finanzmarkt abgewendet, der sich nach der Asienkrise 1997-1998 schnell erholt hatte. Das Finanzministerium, das auf ein Rettungspaket gedrängt hatte, hatte die Verluste der Finanzwirtschaft im Fall einer Insolvenz von LG Card auf mindestens 18 Mrd. Euro geschätzt.

Mit der Umwandlung von Schulden in Aktien übernehmen die zehn größten Gläubigerbanken die Mehrheit an der überschuldeten LG Card. Darunter fallen auch die 2 Billionen Won aus einer ersten Rettungsaktion im November. Größter Einzelaktionär von LG Card wird die staatliche Koreanische Entwicklungsbank (KDB) mit 25 %. An sie übergeht auch die Managementverantwortung. Letztlich soll LG Card verkauft werden. Bisher hat sich jedoch kein Interessent gefunden. In diesem Jahr werden weitere Verluste erwartet. Bis zu einer Höhe von 500 Mrd. Won kommen dafür die Konzerngruppe LG zu drei Vierteln und die KDB zu einem Viertel auf. Die Privatbanken sind aus dem Schneider. Notfalls will sich der Chairman der LG Gruppe Koo Bon-Moo von seinen Anteilen an LG trennen.

Am Samstag konnten die Kunden von LG Card nach anderthalb Tagen Sperre wieder Geld abheben. Jeder dritte Südkoreaner besitzt eine Kreditkarte des Marktführers. Der Gebrauch des Plastikgeldes ist in den letzten Jahren durch die Förderung der Regierung stark gestiegen. Die Kartenanbieter haben aber nicht ausreichend auf die Kreditwürdigkeit neuer Kunden geachtet und leiden nun unter Unsummen nicht zurückgezahlter Kredite. Jeder zehnte Koreaner über 15 Jahre gilt als überschuldet. Viele Koreaner besitzen mehrere Kreditkarten und haben so ihre Schulden hoch getrieben.

Bereits im Frühjahr 2003 mussten Südkoreas Kreditkartenunternehmen mit Kapitalerhöhungen über Wasser gehalten werden. Auch für die Konkurrenz von LG Card sollten diese nicht die letzten bleiben. Hinter Samsung Card steht jedoch die starke Samsung Konzerngruppe, hinter anderen Anbietern deren Banken, die für frisches Geld sorgen oder die Institute gleich völlig übernehmen. Der Korean Exchange Bank, an der die Commerzbank mit knapp 15 % beteiligt ist, stehen in der kommenden Woche Streiks beim Kreditkartenarm ins Haus, dessen Belegschaft im Zuge der Übernahme auf die Hälfte reduziert werden soll.

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