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26.06.2012

19:44 Uhr

Kreditklemme

Rettungspaket für Spaniens Banken könnte verpuffen

VonDana Heide

Auch nach dem Antrag auf Bankenhilfe bleiben die spanischen Unternehmen pessimistisch. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen leiden unter einer Kreditklemme - und das könnte auch so bleiben.

Demonstranten vor einer Caixa-Bank-Filiale: Die Kreditklemme für private Unternehmen könnte bleiben. dapd

Demonstranten vor einer Caixa-Bank-Filiale: Die Kreditklemme für private Unternehmen könnte bleiben.

San SebastiánWissen Sie, was der Euribor ist? In Spanien weiß es jeder, auch wenn er sich nicht für Wirtschaft interessiert. Denn der Euribor bestimmt mit, wie hoch die Zinsen für Kredite sind - auch für die Immobilienkredite, die die Spanier in den vergangenen Jahren exzessiv aufgenommen haben.

Der Euribor ist der Zins, zu dem sich die spanischen Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld leihen können, wenn sie für ihre täglichen Geschäfte nicht flüssig genug sind. Am Euribor liegt es jedoch nicht, dass die Banken derzeit keine Kredite vergeben, denn er sinkt bereits seit Monaten.

Vielmehr sind es die Banken selbst, die auf den Euribor hohe Zinsen aufschlagen - wenn sie überhaupt noch Kredite vergeben. Doch nicht nur Privatpersonen haben es schwer, sich Geld zu leihen. Laut den aktuellsten Zahlen der spanischen Zentralbank sind die Kredite an den gesamten privaten Sektor, also auch an Unternehmen, im April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut zurückgegangen - diesmal um vier Prozent.

Welche spanischen Banken den Geldhahn zudrehen

Kredite in Spanien

Die spanische Wirtschaft ist in der Rezession und nun sind viele Banken auch noch knauserig mit ihren Krediten. Im vergangenen Jahr verliehen sie im Schnitt vier Prozent weniger Geld.

Santander

Die größte Bank Spaniens hat im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4 Prozent weniger Kundenkredite vergeben und 1,4 Prozent weniger Kredite an Unternehmen. Im März dieses Jahres stellte Santander 12,8 Prozent aller Kredite in Spanien.

BBVA

Das Geldinstitut hat im Vergleich zum ersten Quartal 2011 zum Jahresauftakt 2,4 Prozent weniger Kredite vergeben. Die Bank beschäftigt 29.065 Mitarbeiter in Spanien.

Caixa Bank

Die spanische Bank muss derzeit mit einem Anteil notleidender Kredite von 5,25 Prozent kämpfen. Trotz der hohen Belastung hat das Institut jedoch versichert, keine staatliche Hilfe zu benötigen. Weniger Kredite vergibt Caixa dennoch. Im ersten Quartal 2012 lieh die Bank ihren Kunden aus dem privaten Sektor insgesamt 1,6 Prozent weniger Geld, 1,4 Prozent weniger bekamen die Unternehmen.

Bankia

Die viertgrößte Bank des Landes musste im Mai dieses Jahres verstaatlicht werden. Im Vergleich zum Dezember 2011 lieh die Bank spanischen Unternehmen 3,7 Prozent weniger Geld.

Banesto

Das Geldinstitut hat den Geldhahn besonders weit zugedreht. Im vergangenen Quartal vergab Banesto 9,6 Prozent weniger Kredite an den privaten Sektor als noch im Vorjahresquartal.

Besonders hart trifft es die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die in Spanien so genannten Pyme (Pequeña y Mediana Empresas). Dabei sind sie, wie in so vielen Volkswirtschaften, das Rückgrat der Wirtschaft des Landes. Sie machen laut Schätzungen 99 Prozent der Unternehmen im Land aus und stellen 80 Prozent der Arbeitsplätze.

Die Unternehmen bekommen immer seltener Kredite, obwohl sie sie gerade jetzt gut gebrauchen könnten. Nach Angaben des größten spanischen Verbandes der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Spanien, Cepyme, sind die Kredite und Darlehen an Unternehmen in der Größenordnung unter einer Million Euro seit der Krise um 56 Prozent zurück gegangen. „Sie geben dir keinen Kredit, selbst wenn du der Neffe des Bankdirektors bist, und erst recht keinen günstigen“, sagt Jesús Terciado, der Vorsitzende von Cepyme.

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Die spanischen Geldhäuser müssten wieder „ortsgebundene Institutionen“ werden.

Abhilfe schaffen will die Regierung mit dem am Montag offiziell bei der EU geforderten Rettungspaket für ihre Banken. „Wir bitten um diesen Kredit, um starke Finanzinstitute zu haben, die in der Lage sind, Kredite an Familien und Unternehmen zu vergeben. Das ist der einzige Grund, es gibt keinen anderen“, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

26.06.2012, 20:11 Uhr

Was heißt hier "könnte"? Es wird. Wie alle vorher auch. Wer die Fehlkonstruktion nicht löst, der wird immer weiter retten müssen.

Account gelöscht!

26.06.2012, 20:31 Uhr

KÖNNTE :D *lach* Komisch oder? Sogar die dümmsten Stammtischdeppen sind kompetenter als diese gesamte Politik der EU.

Michael-Berlin

27.06.2012, 02:07 Uhr

Allein die Überschrift :"Rettungspaket für Spaniens Banken könnte verpuffen" ist unterirdisch und einer Zeitung mit Anspruch unwürdig. Guter Journalismus sollte sich an Fakten halten und objektiv berichten. Die Verwendung des Konjunktivs ist BILD Niveau.

Es bringt auch nichts und niemanden weiter, verunsichert bestenfalls den Leser. Schlimmstenfalls verursacht es das Problem erst. Man kann Probleme auch herbeireden.

Es könnte eben morgen auch ein große Fels aus dem All auf Europa fallen und alles Leben auslöschen. Es könnte eine große Flutwelle über NewYork hinwegschwappen und die Wallstreet überschwemmen, es könnte auch nur intellenz über das Volk kommen und es werden nur noch Politiker gewählt die das Land nach vorn bringen. Es könnte so viel passieren oder es könnte eben auch nichts passieren. Darüber zu spekulieren was passieren könnte sollte man den Fachleuten mit der Glaskugel auf dem Jahrmarkt überlassen.

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