Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2011

07:00 Uhr

Kreditvergabe

Banken expandieren in Schwellenländern

VonYasmin Osman, Stefan Menzel

Die internationalen Banken wittern in den Schwellenländern das große Geschäft. Nirgendwo sonst ist die Kreditvergabe ausländischer Finanzinstitute in diesem Jahr so kontinuierlich gestiegen. Vor allem in Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum wächst die Kreditvergabe aus dem Ausland.

Auch die Deutsche Bank engagiert sich in aufstrebenden Volkswirtschaften. Das Institut baut sein Geschäft mit reichen Privatkunden in Indien aus. Quelle: DAPD

Auch die Deutsche Bank engagiert sich in aufstrebenden Volkswirtschaften. Das Institut baut sein Geschäft mit reichen Privatkunden in Indien aus.

FRANKFURT/WIEN. Dies zeigen aktuelle Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Denn anders als in den Industrieländern war die Entwicklung in jedem Quartal positiv. Allein im dritten Quartal wuchs der Bestand an Anleihen und Krediten um zehn Prozent auf 4415 Milliarden Dollar.

Die BIZ bündelt für ihre Auswertungen die Daten der Notenbanken aus 43 Ländern. Seit Monaten werden die Schwellenländer von Kapitalströmen aus dem Ausland überschwemmt. Die aktuellen Daten zeigen nun, wie stark dieser Trend mittlerweile auch die Geschäftspolitik der Banken erfasst.

Lateinamerika verzeichnete im dritten Quartal das stärkste Engagement ausländischer Banken: Das Kreditvolumen stieg um 9,8 Prozent, außerdem liehen die Geldinstitute lateinamerikanischen Firmen, Banken und Staaten auch über Anleihen 11,2 Prozent mehr Geld. Im asiatisch-pazifischen Raum stieg die Kreditvergabe um acht Prozent. Selbst in Osteuropa gab es erstmals seit zwei Jahren ein leichtes Plus.

Der Trend dürfte auch für das Gesamtjahr Bestand haben. Der internationale Bankenverband IIF veröffentlichte gerade Schätzungen, wonach allein die Vergabe neuer Kredite von Geschäftsbanken in die Schwellenländer 2010 auf 164 Milliarden Dollar gestiegen ist – nach einem Rückgang von 15 Milliarden Dollar im Vorjahr. 2011 dürfte der Wert noch höher liegen.

Längst warnen die ersten Großbanken vor einer Überhitzung. Der ehemalige Chef der britischen Bank HSBC, Michael Geoghegan, hatte im November gewarnt, dass zu viele westliche Banken derzeit versuchen, die Schwäche in ihren Heimatmärkten durch eine Offensive in den Schwellenländern auszugleichen. Dadurch wachse die Gefahr eines ruinösen Preiswettbewerbs im Kreditgeschäft.

Beispiele für westliche Banken, die sich in aufstrebenden Volkswirtschaften engagieren, gibt es viele. So baut die Deutsche Bank derzeit ihr Geschäft mit reichen Privatkunden in Indien aus. Auf dem Subkontinent eröffneten im vergangenen Jahr 34 ausländische Institute Filialen, darunter HSBC und Citibank.

In Osteuropa sind ausländische Banken derzeit vor allem in Polen auf Einkaufstour. Zuletzt hat der spanische Banco Santander dort die Bank Zachodni WBK gekauft. Bislang war Santander in dem Markt nicht vertreten. Die Polbank dürfte bald an die österreichische Raiffeisen-Zentralbank oder an die italienische Intesa gehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×