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15.06.2011

13:42 Uhr

Kreditvergabe

KfW-Chef sieht Finanzierungslücken bei Banken

KfW-Chef Ulrich Schröder schlägt Alarm: Vielen Banken fehle es an langfristigen Refinanzierungsmöglichkeiten für Kreditprojekte, analysiert Schröder. Er fordert mehr Augenmaß bei der Regulierung des Investorenmarktes.

KfW-Chef Ulrich Schroeder sieht seine Branche in einer schwierigen Lage. Quelle: dapd

KfW-Chef Ulrich Schroeder sieht seine Branche in einer schwierigen Lage.

BerlinDen deutschen Banken drohen nach Auffassung des Chefs der staatlichen Förderbank KfW, Ulrich Schröder, massive Finanzierungsprobleme. Während die von Unternehmen nachgefragten Kredite, etwa für Projekte wie die Energiewende, immer stärker langfristiger Natur seien, fehle es bei den Banken zunehmend an mittel- und langfristigen Refinanzierungsmöglichkeiten, sagte Schröder am Mittwoch: „Es ist heute fast unmöglich für eine Bank, eine mittel- und langfristige unbesicherte Finanzierung im Kapitalmarkt aufnehmen.“ Wenn das nicht gehe und die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III) die Möglichkeit zu einer nicht fristengemäßen Refinanzierung ausschlössen, stelle sich die Frage, wie der Bedarf gedeckt werden könne.

„Die Frage, wie kriegen wir die langfristige Finanzierung der Banken wieder hin, ist aus meiner Sicht die entscheidende Frage des Bankensektors“, sagte Schröder. Die KfW könne und wolle nicht die Lösung dieses Problems sein, stellte er klar. Sein Institut habe zwar unbegrenzt Zugang zum Kapitalmarkt und könne dort somit nahezu unbegrenzt Mittel aufnehmen. Die KfW könne aber nicht die gesamte Refinanzierungsbasis des deutschen Bankenmarktes ersetzen: „Hier gibt es ein Strukturproblem.“

Dabei geht es nach seinen Worten zum Beispiel auch um Investitionsvorhaben wie die geplante Energiewende und deren Finanzierung am Kapitalmarkt. Deren Kosten veranschlagen laut Schröder die Volkswirte seines Hauses auf rund 25 Milliarden Euro pro Jahr. Bei der KfW gebe es schon etliche Förder-Programme im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien. Mit der Bundesregierung liefen Gespräche über weitere. Ein neues Programm zum Ausbau der Offshore-Windenergie sei abgesprochen und habe ein Volumen von fünf Milliarden Euro.

Abschließende Antworten auf das Problem fehlender mittel- und langfristiger Finanzierungsquellen für die Banken sieht Schröder derzeit nicht. Allerdings dürften drei Aspekte dabei eine Rolle spielen. So rechnet Schröder mit einer Zunahme von Unternehmensanleihen, also einer Umgehung von Banken bei der Mittelbeschaffung.

Zum zweiten werde die Besicherung über Pfandbriefe diesem Instrument wieder Impulse geben. Schließlich werde man eine Belebung des Verbriefungsmarktes bekommen. Das eigentliche Problem sei aber das Vertrauen der Investoren. Und das könne nur Schritt für Schritt wiederaufgebaut werden, auch mit kluger Regulierung.

Von

rtr

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