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05.10.2011

11:56 Uhr

Krise

Investmentbanken im Abwärtsstrudel

VonRolf Benders, Michael Maisch

Die Angst vor der nächsten Finanzkrise geht um und die Gewinne brechen ein. Zunehmend erwischt es auch die Investmentbanken, die auf altbewährtes Krisenmanagement setzen: sparen und entlassen.

Auch Goldman Sachs muss seine Sparziele noch weiter nach oben schrauben. Es sollen deutlich mehr als 1000 Stellen gestrichen werden. Reuters

Auch Goldman Sachs muss seine Sparziele noch weiter nach oben schrauben. Es sollen deutlich mehr als 1000 Stellen gestrichen werden.

New York, LondonAn der Wall Street grassiert die Sparwut: „Jetzt fangen sie schon an, meine Handyrechnung zu kontrollieren. Fahrten mit dem Taxi nach Hause sind schon lange nicht mehr drin“, klagt ein Investmentbanker, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Im Moment ist der Banker erst einmal froh, dass er noch einen Job hat. Schließlich seien in den vergangenen Monaten viele Schreibtische um ihn herum verwaist.

Tatsächlich sind nicht nur in New York die goldenen Zeiten im Investment-Banking bis auf weiteres vorbei. Die Zuspitzung der Euro-Krise in diesem Sommer und die Angst vor einer weltweiten Rezession haben den Kunden die Lust am Risiko gründlich verdorben – und in der Branche düstere Erinnerungen an den Absturz nach der Lehman-Pleite geweckt.

„Der August war absolut brutal“, konstatiert Richard Handler, Chef der kleinen US-Investmentbank Jefferies. Aber auch die Nummer eins der Branche, Goldman Sachs unter Führung von Lloyd Blankfein, muss sich der düsteren neuen Realität stellen. Zwar hatte sich der Wall-Street-Primus bereits im Frühsommer eine Schlankheitskur verordnet, aber die war offenbar nicht radikal genug. Vor wenigen Tagen erhöhte Finanzvorstand David Viniar Berichten zufolge das Sparziel noch einmal um 250 Millionen Dollar auf 1,45 Milliarden Dollar. Nun sollen deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 1000 Stellen wegfallen – das wären rund drei Prozent der Belegschaft.

Wie ernst die Probleme sind, zeigen die Schätzungen der Analysten für das Goldman-Ergebnis im dritten Quartal. Roger Freeman von Barclays Capital schließt nicht aus, dass das Wall-Street-Haus zwischen Juni und September in die roten Zahlen gerutscht ist und einen Verlust von 35 Cent je Aktie ausweisen muss. Es wäre erst das zweite Quartalsminus der Elitebanker seit dem Börsengang 1999 und das erste, seit die verhängnisvolle Pleite von Lehman Brothers das Weltfinanzsystem an den Rand des Abgrunds brachte.

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