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25.08.2016

09:57 Uhr

Kriselnde Landesbank

Faule Schiffskredite drücken NordLB in die roten Zahlen

VonFrank Matthias Drost

Deutschlands drittgrößte Landesbank macht im ersten Halbjahr einen heftigen Verlust. Die Bank leidet darunter, dass viele Kredite in der Schifffahrt ausfallen. Kann ein Verkauf der Schiffskredite Abhilfe schaffen?

Die Bank droht im Gesamtjahr rote Zahlen zu schreiben - es wäre das erste Mal seit 2009. dpa

NordLB

Die Bank droht im Gesamtjahr rote Zahlen zu schreiben - es wäre das erste Mal seit 2009.

FrankfurtDie NordLB hat das erste Halbjahr mit einem deutlichen Verlust in Höhe von 364 Millionen Euro vor Steuern abgeschlossen. Vorstandschef Gunter Dunkel hatte bereits im Frühjahr angekündigt, dass die nach der Bilanzsumme drittgrößte Landesbank bedingt durch die schlechte Lage auf den Schifffahrtsmärkten im laufenden Jahr mit einem Minus rechnet. Doch die Lage ist schlimmer als erwartet: „Die sich im ersten Halbjahr nochmals verschärfende Schiffskrise hat höher als geplante Wertberichtungen notwendig gemacht“, sagte Dunkel bei Vorlage der Halbjahreszahlen.

Die Nettozuführungen zur Risikovorsorge stiegen im Berichtszeitraum von 210 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro. Überwiegend entfallen diese auf Einzelwertberichtigungen im Schiffsportfolio. Die Zahlen der Tochtergesellschaft Bremer Landesbank sind dabei berücksichtigt.

Angesichts der Dauerkrise im Schifffahrtsbereich arbeitet die Bank bereits an einem Abbau des Schifffahrtsportfolios. Seit Anfang des Jahres ist das Volumen bereits von 19 Milliarden Euro auf 17,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Vor wenigen Tagen kündigte der nach der HSH Nordbank zweitgröße Schiffsfinanzierer an, dass die Private-Equity-Gesellschaft KKR gemeinsam mit einem Staatsfonds Schiffskredite in einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro von der NordLB übernehmen wird. Mittelfristig soll das Schiffskreditvolumen auf zwölf bis 14 Milliarden Euro schrumpfen.

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

Bayerische Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

Commerzbank

Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

Dekabank

Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

Deutsche Bank

Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

Landesbank Baden-Württemberg

Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

Norddeutsche Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

NRW.Bank

Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

Volkswagen Financial Services AG

Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Die harte Kernkapitalquote sank im ersten Halbjahr von 13,1 Prozent auf zwölf Prozent. Damit sieht sich die Bank ausreichend gepolstert. Doch weitere Belastungen stehen an. Denn die Träger der Tochtergesellschaft Bremer Landesbank haben sich darauf verständigt, dass die NordLB die Bank komplett übernimmt. Alternativ wurde darüber nachgedacht, dass das Land Bremen einen Anteil an der NordLB erhält.

Diese Variante wurde jedoch aus beihilferechtlichen Erwägungen verworfen. Für die komplette Übernahme, die NordLB hält derzeit knapp 55 Prozent, dürfte ein Kaufpreis in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe fällig sein. Die Bremer Landesbank kann die hohe Risikovorsorge für Schiffskredite aus eigener Kraft nicht mehr tragen.

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