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17.06.2015

14:25 Uhr

Krisenbank

IKB schreibt erneut schwarze Zahlen

Zum zweiten Mal seit ihrer Rettung in der Finanzkrise macht die IKB wieder Gewinn. Das Plus sinkt im Vergleich zum Vorjahr allerdings deutlich. Für Ärger sorgt ein Streit mit dem Finanzamt.

Zum zweiten Mal in Folge hat die Mittelstandsbank IKB schwarze Zahlen geschrieben. dpa

IKB knapp im Gewinnbereich

Zum zweiten Mal in Folge hat die Mittelstandsbank IKB schwarze Zahlen geschrieben.

FrankfurtDie Mittelstandsbank IKB hat zum zweiten Mal seit ihrer Rettung in der Finanzkrise schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich stand im Geschäftsjahr 2014/15 (31. März) allerdings nur ein Gewinn von fünf (Vorjahr: 32) Millionen Euro, wie die IKB Deutsche Industriebank am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.

Ein aus dem Jahr 2008/09 - dem Jahr des Verkaufs an den Finanzinvestor Lone Star – herrührender Streit um Verlustvorträge mit dem Finanzamt belastete die Bank dabei mit 145 Millionen Euro. Eine dafür gebildete Steuerrückstellung führte zu einer Steuerlast von 120 Millionen Euro, nachdem die IKB 2013/14 noch 133 Millionen Euro Steuern erstattet bekommen hatte. Das Institut sieht sich im Recht und will den Betrag notfalls gerichtlich einklagen.

Zwölf ereignisreiche Bafin-Jahre

Mai 2002

Die Bafin heißt vollständig Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. 2002 entsteht sie durch die Zusammenlegung der Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, den Wertpapierhandel und das Versicherungswesen. Erster Präsident: Jochen Sanio.

Juni 2003

Die Anschläge des 11. September bringen die Mannheimer Lebensversicherung AG in Schieflage. Die Bafin erarbeitet eine Auffanglösung – später übernimmt die Protektor Lebensversicherung AG das Unternehmen.

März 2005

Der Phoenix Kapitaldienst GmbH untersagt die Bafin ihre Geschäfte. Die Finanzaufsicht hatte von Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Treuhandgeldern in Höhe von 680 Millionen Euro erfahren.

März 2006

Die Bafin muss feststellen, dass einer ihrer Beamten Geld veruntreut hat – jahrelang. Der Mitarbeiter wird später zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Schaden für die Behörde liegt bei 6,4 Millionen Euro.

2007

Juli: Die IKB Deutsche Industriebank AG macht Probleme, im Zuge der weltweiten Finanzkrise gerät die Bank ins Trudeln. Die Bafin organisiert einen Rettungsschirm, der mehrmals erweitert wird, bevor die staatliche KfW ihre Anteile an die Lone-Star-Gruppe überträgt.

August: Nun bekommt auch die Landesbank Sachsen Probleme, die Bafin befürchtet einen Liquiditätsengpass. Später übernimmt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut.

2008

Februar: Die Bafin überprüft die Hypo Real Estate (HRE). Das Institut kann nur mit Hilfe der privaten Finanzwirtschaft und erheblicher Staatsunterstützung stabilisiert werden.

Frühjahr: Die WestLB AG, die BayernLB sowie die HSH Nordbank AG beantragen beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung die Gewährung von Garantien.

April: Die Bafin ordnet ihre Führung neu. Nachdem bislang Präsident Sanio die Behörde allein leitete, werden ihm nun vier Exekutivdirektoren zur Seite gestellt: Sabine Lautenschläger für die Bankenaufsicht, Karl-Burkhard Caspari für die Wertpapieraufsicht, Thomas Steffen für die Versicherungsaufsicht und Michael Sell für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben.

2011

Januar: Das Europäische System der Finanzaufsicht nimmt seine Arbeit auf. Auch die Bafin ist beteiligt und Mitglied in Gremien und Arbeitsgruppen. Außerdem entsendet sie Mitarbeiter in die europäischen Behörden.

Dezember: Präsident Jochen Sanio geht in den Ruhestand, Nachfolgerin wird Elke König. Im Direktorium sitzen neben König die Exekutivdirektoren Raimund Röseler für die Bankenaufsicht, Gabriele Hahn für Querschnitts- und Verwaltungsaufgaben, Felix Hufeld für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht und Karl-Burkhard Caspari für Wertpapieraufsicht und Asset-Management.

2014

Große Aufgabe: Die 2300 Bafin-Mitarbeiter kontrollieren 1880 Banken, 680 Finanzdienstleister, 600 Versicherer, 30 Pensionsfonds, 5900 inländische Fonds und 77 Kapitalanlagegesellschaften. Allerdings wird die Bafin im Zuge der Europäischen Bankenunion Anfang 2016 ihre Zuständigkeit für deutsche Großbanken verlieren.

Im Vorjahr hatte die Bank mehr als 400 Millionen Euro in die Reserven gepackt, um ihre Kernkapitalquote vor dem bestandenen Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) aufzustocken. Ende März 2015 lag diese mit 10,9 Prozent noch einmal höher.

Das liegt auch daran, dass das operative Geschäft der IKB schrumpft, obwohl der Vertrieb ausbaut wird. Ein Neugeschäft von 3,2 (2013/14: 2,7) Milliarden Euro reichte nicht aus, um auslaufende Kredite und andere Forderungen auszugleichen. Die Bilanzsumme ging um 2,3 Milliarden auf 22,4 Milliarden Euro zurück.

Von

rtr

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