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28.01.2010

07:40 Uhr

Krisenfolgen

Deutsche Börse plant massiven Stellenabbau

VonUdo Rettberg

ExklusivDie Deutsche Börse reagiert auf das krisenbedingt schwächere Geschäft im Wertpapier- und Derivatehandel und streicht bis zu zehn Prozent ihrer Stellen. Betroffen sind nach Informationen des Handelsblatts alle Töchter des Börsenbetreibers, der insgesamt rund 3 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Deutsche Börse leidet unter der Zurückhaltung der Investoren. Quelle: dpa

Die Deutsche Börse leidet unter der Zurückhaltung der Investoren.

FRANKFURT. Die Deutsche Börse AG streicht bis zu zehn Prozent ihrer Stellen. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, sind alle Töchter des Konzerns, der insgesamt rund 3 300 Mitarbeiter beschäftigt, von den Plänen betroffen. Ein Sprecher der Börse wollte die Informationen nicht kommentieren.

Der Frankfurter Börsenbetreiber reagiert damit auf das krisenbedingt schwächere Geschäft im Wertpapier- und Derivatehandel. Das Unternehmen leidet unter der mangelnden Investitionsbereitschaft der Anleger infolge der weltweiten Finanzkrise und dem zunehmenden Wettbewerb der durch Banken gegründeten neuen elektronischen Handelsplattformen (MTF). Auch die Pläne der US-Regierung zur Beschränkung des Eigenhandels stellen eine Bedrohung dar. Auf dem Neujahrsempfang der Börse Anfang der Woche sagte Vorstandschef Reto Francioni, 2010 werde „ein sehr schwieriges Jahr“.

Eine Verlagerung von Aktivitäten der im Bereich Wertpapierabwicklung tätigen Tochter Clearstream International gilt in Finanzkreisen bereits als beschlossene Sache.

Bereits 2007 hatte die Börse Kostensenkungen bei Clearstream angekündigt und unter anderem den Verkauf des Clearstream-Hauptverwaltungsgebäudes in Luxemburg beschlossen. Die Zahl der Clearstream-Mitarbeiter in Luxemburg und Deutschland soll weiter verringert und Aufgaben an die Standorte Prag und Singapur verlagert werden. Einzelnen Mitarbeitern der fast 1 000 Clearstream-Beschäftigten wurde die Übernahme anderer Aufgaben im Konzern angeboten. Älteren Beschäftigten hat Clearstream angeboten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Eine Schließung der Clearstream-Standorte in Luxemburg oder Frankfurt schließt die Deutsche Börse aus. „Wir stehen fest zur Clearstream Banking AG in Frankfurt sowie zur Clearstream Banking SA in Luxemburg und werden das deutsche wie das internationale Geschäft aus beiden Ländern fortsetzen“, sagte der Sprecher.

Analysten halten einen Personalabbau der Börse nicht nur für möglich, sondern sogar für wahrscheinlich. Wolle das Unternehmen seine Kosten weiter nachhaltig senken, komme es an einem Personalabbau nicht vorbei, sagt Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck & Co in München. Noch sei das Potenzial der Kostensenkungen nicht ausgereizt, doch sei die Börse – gerade im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz – in der Vergangenheit beim Kostenmanagement erfolgreich gewesen.

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