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13.06.2012

16:34 Uhr

Krisentreffen

Banken rüsten sich für Ernstfall in Athen

Die bevorstehende Griechenland-Wahl macht die Finanzbranche nervös. Große Banken wollen für alle Eventualitäten gerüstet sein. Hypovereinsbank-Chef Weimer hat für kommenden Sonntag vorsorglich ein Treffen einberufen.

Griechische Fahnen wehen in Athen in Griechenland am Panathinaiko-Stadion vor der Akropolis. dapd

Griechische Fahnen wehen in Athen in Griechenland am Panathinaiko-Stadion vor der Akropolis.

FrankfurtDie deutschen Banken rüsten sich vor der entscheidenden Griechenland-Wahl am Sonntag für den Ernstfall: den erstmaligen Austritt eines Landes aus der Euro-Zone. Sollten die Sparreform- und Euro-Gegner in dem Krisenstaat die Oberhand gewinnen, gilt ein Ausscheiden des Mittelmeerlandes als wahrscheinlich. "Wenn sich ein solches Ergebnis abzeichnet, glühen in den Frankfurter Bankentürmen am Sonntagabend die Telefondrähte", sagte ein Manager eines großen deutschen Geldhauses voraus.

Dann werde voraussichtlich jedes Institut, aber auch jedes Unternehmen rasch Notfallpläne besprechen. Im Fokus stünden Fragen wie diese: Wie reagiert man, wenn die Märkte am Montag einbrechen? Welche Investitionsempfehlungen gibt man den Kunden? Welche Kosten drohen im Zahlungsverkehr, wenn in Griechenland die Drachme wieder eingeführt wird? Die Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG), die die größten deutschen Banken zu ihren Kunden zählt, hat für diese eine Checkliste mit rund 100 Punkten zusammengestellt, die dann abgearbeitet werden müssen. "Bei einem nicht auszuschließenden Austritt Griechenlands aus der Währungsunion müsste man alle Produkte und alle Abteilungen durchforsten", sagt Rüdiger Filbry, der bei BCG das Geschäft mit den Banken führt.

Die Folgen wären ganz konkret: "Im Zahlungsverkehr würde die Wiedereinführung der Drachme sofort IT-Projekte nach sich ziehen", sagt Filbry. "Auch das Firmenkunden-Geschäft und der Handel mit Griechenland wären betroffen." Experten halten es zwar für unwahrscheinlich, dass schon am Sonntag Entscheidungen fallen, doch die Geldhäuser müssen auf der Hut sein: "Zahlreiche Experten in den Banken müssen in Bereitschaft sein", sagt der BCG-Mann. Institutionelle Investoren haben seit Monaten Notfallpläne in der Schublade. "Die Kunden wollen die Pläne schwarz auf weiß sehen und wissen, wer dann die Verantwortung trägt", sagt ein Manager eines großen Vermögensverwalters. Die großen Fondsgesellschaften könnten sofort den Hebel umlegen und binnen Minuten den Geldhahn Richtung Südeuropa zudrehen.

Wie sich die deutschen Banken finanzieren wollen

Pläne für die EBA

Bei sechs Deutschen Banken hatte die Europäische Bankenaufsicht Eba im vergangenen Jahr Lücken bei der Kapitalausstattung festgestellt, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Bis Ende Juni haben sie Zeit, das Geld zu beschaffen. Vergangenen Freitag mussten sie der Eba ihre Pläne vorlegen. Das Handelsblatt fasst zusammen, wie die Banken die fehlenden Milliarden auftreiben wollen.

Commerzbank.

Rund 5,3 Milliarden Euro fehlen der Commerzbank. Konzernchef Martin Blessing legte im Januar seine Pläne auf den Tisch. Er will sogar eine Milliarde Euro mehr beschaffen - aus eigener Kraft. Keine Staatshilfen, vorerst auch kein Geld von der Allianz. Knapp 60 Prozent des Fehlbetrags hat die Commerzbank schon reingeholt durch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im vierten Quartal 2011. Auf weitere 1,2 Milliarden hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden gesenkt habe, sagte Blessing.

Deutsche Bank.

Die Deutschen Bank braucht 3,2 Milliarden Euro. Bankchef Josef Ackermann will die Lücke mit einbehaltenen Gewinnen und dem Abbau von Risikopositionen schließen. Beobachter gehen davon aus, dass er die Vorgaben übererfüllen wird. Offiziell hält sich die Bank bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 2. Februar bedeckt. Der mögliche Verkauf von großen Teilen des Asset Managements ist in den Berechnungen nicht berücksichtigt, auch nicht die geplante Veräußerung der BHF-Bank.

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat einen Kapitalisierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro. Rund 1,7 Milliarden Euro hat sie bereits beschafft; der größte Teil stammt vom Land Niedersachsen. Am Freitag berichtete die NordLB, dass sie ihr Kernkapital nochmals um bis zu eine Milliarde Euro stärken wird, um die noch offene Lücke von 820 Millionen Euro zu schließen. Die letzte Milliarde soll durch Wandlung Stiller Einlagen, Beteiligungsverkäufe und die Einbehaltung von Gewinnen hereingeholt werden.

Helaba.

Rund 1,5 Milliarden Euro fehlen der Landesbank. Bereits im Dezember 2011 wurde die Lücke geschlossen. Das Land Hessen hatte zu diesem Zwecke seine Stillen Einlagen über 1,92 Milliarden Euro in hartes Kernkapital gewandelt. Die Eba hatte dies bei ihren Stresstests damals aber noch nicht berücksichtigt. Plan erfüllt.

WestLB

Die Düsseldorfer sind ein Sonderfall. Zwar hat die Eba eine Kapitallücke von 224 Millionen festgestellt. Dieser Befund ist inzwischen aber völlig wertlos. Mit Zustimmung ihrer Träger und auf Geheiß von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia wird die angeschlagene Landesbank bis zum 30. Juni nicht nachkapitalisiert, sondern aufgelöst.

DZ Bank

353 Millionen Euro muss Bankchef Wolfgang Kirsch auftreiben. Er will dies tun, indem er ordentliche Gewinne erwirtschaftet - und diese dann einbehält.

Am offensten hat sich bislang HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer zu den Vorbereitungen geäußert - und damit Erstaunen und Kritik in der Branche geerntet. "Wir haben heute in der Vorstandssitzung beschlossen, dass wir uns am Sonntag treffen für den Fall der Fälle", sagte Weimer am Dienstag in Berlin. Dabei gehe es vor allem darum, Vorsorge für den Zahlungsverkehr zu treffen. Schließlich wolle man nicht der Letzte sein, der noch Euro in das Land überweist, betonte der Chef der deutschen Tochter der italienischen Bank Unicredit. "Wir wollen doch keine Panik schüren", sagte ein anderer Bankmanager.

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