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10.01.2011

10:56 Uhr

Krisentreffen

Poker um WestLB geht in entscheidende Runde

VonFrank Matthias Drost, Peter Köhler

Heute ist für die WestLB ein wegweisender Tag. Die Eigentümer der angeschlagenen Landesbank beraten über ihre Restrukturierung. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen wollen die Zukunft der WestLB mit der weiteren Entwicklung bei der Dekabank verknüpfen. Dafür sollen heute die Weichen gestellt werden. Der Bund drängt darauf, dass die Sparkassen Teile der WestLB übernehmen.

Die Lage der WestLB könnte die Sparkassen belasten. DAPD

Die Lage der WestLB könnte die Sparkassen belasten.

BERLIN/FRANKFURT. Die Zukunft der WestLB entscheidet sich in den kommenden Tagen. Dabei könnte der Fondsdienstleister Dekabank, den die Sparkassen gerade vollständig von den Landesbanken übernehmen wollen, zur Geisel werden.

Zwar begrüßen die nordrhein-westfälischen Sparkassen und WestLB-Miteigner die avisierte Übernahme der Dekabank, doch wollen sie die Zukunft der WestLB mit der künftigen Rolle der Dekabank verknüpfen. "Eine Paketlösung würde vieles erleichtern", hieß es. Auch der Bund, der ebenfalls an der WestLB beteiligt ist, drängt darauf, dass die Sparkassen Teile der WestLB übernehmen. Der Bund signalisiert gleichzeitig finanzielle Hilfsbereitschaft.

Angesichts des Zeitdrucks wird die heutige Sitzung des Lenkungsausschusses zum Krisentreffen. Der Veräußerungsbeauftragte der WestLB, Friedrich Merz, will dort erstmals den Schleier über die Interessenten für die WestLB lüften. Mitglieder dieses Ausschusses sind neben Merz der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Stefan Kampeter (CDU), der NRW-Finanzminister Norbert Walter Borjahns (SPD), die beiden Sparkassenpräsidenten Nordrhein-Westfalens sowie Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Bislang sprach Merz von einem "robusten Interesse" von Investoren. Bis heute müssen die unverbindlichen Kaufangebote eingereicht werden. Es gebe aber keine Interessenten, die an der kompletten WestLB Interesse hätten, heißt es in Kreisen, die dem Verkaufsprozess nahestehen. Daher sei ein Teilverkauf wahrscheinlich. Bis zum 15. Februar muss die WestLB der EU-Kommission einen neuen Restrukturierungsplan vorlegen. Eile ist daher geboten. Für morgen ist eine Aufsichtsratssitzung der WestLB geplant, am kommenden Donnerstag soll dann erneut der Lenkungsausschuss tagen.

Fast parallel soll die Zukunft der Dekabank festgezurrt werden. Die Sparkassen, die die Hälfte der Anteile halten, wollen das Institut vollständig übernehmen und die beteiligten Landesbanken auszahlen. Diese können sich auf teilweise erhebliche Einnahmen freuen - zudem brauchen sie ihre Beteiligung nicht mehr mit Eigenkapital zu unterlegen.

Da die Dekabank auf gut 4,6 Milliarde Euro taxiert wird, werden 2,3 Milliarden Euro fällig, von denen die Sparkassen selbst 1,3 Milliarden Euro aufbringen sollen, die Dekabank eine Milliarde. Die zwölf Regionalverbände müssen der Verhandlungslösung noch zustimmen.

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