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09.12.2013

06:13 Uhr

Kritik an Banken

Bundesbank-Vorstand warnt vor Pauschal-Verurteilung

ExklusivFinanzminister Schäuble hatte eine schärfere Regulierung der Banken gefordert – und erntete Kritik aus der Finanzbranche. Nun nimmt Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret die Banken teilweise in Schutz.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret wendet sich gegen eine pauschale Verurteilung der Finanzbranche. Reuters

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret wendet sich gegen eine pauschale Verurteilung der Finanzbranche.

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank hat sich im Streit zwischen der Politik und den Banken gegen eine pauschale Verurteilung der Branche gewandt. „Alles in allem warne ich davor, das Fehlverhalten Einzelner auf das gesamte Bankwesen hochzurechnen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret dem Handelsblatt (das Dossier hier zum Download).

Dabei bezog er sich auch auf die Manipulationen von Händlern an Referenzzinsen wie dem Libor, der als Grundlage für die Berechnung von Finanzprodukten dient. „Viele Institute sind gar nicht an der Festsetzung von Referenzsätzen beteiligt, und es ist nicht gerechtfertigt, jeden bei einer beschuldigten Bank Beschäftigten pauschal als kriminell darzustellen“, mahnte Dombret, der unter anderem für die Finanzstabilität zuständig ist.

Damit reagiert die Bundesbank auf den schwelenden Streit zwischen Politikern und Bankmanagern. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich gegen eine Regulierungspause für die Banken ausgesprochen und im Handelsblatt-Interview gesagt, die Kreativität der Institute, die Regulierung zu umgehen, sei weiterhin groß. Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank und Präsident des privaten Bankenverbands BdB hatte dem Minister danach entgegen gehalten, es sei unverantwortlich und populistisch, wenn man die Fortschritte im Bankenbereich nicht sehe.

Dombret nimmt die Banken jetzt teilweise in Schutz, fordert aber auch ein hartes Durchgreifen in den Häusern gegen schwarze Schafe. Es sei „ein Selbstreinigungsprozess im Gange, der notwendig ist, zu dem man den Banken aber auch die Chance geben muss. In Zukunft muss überall ‚Null Toleranz‘ der Maßstab sein.“

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Kritisch sieht Dombret die Forderungen nach einer Auszeit für die Banken bei den neuen Vorschriften. "Eine Regulierungspause kann es erst geben, wenn die internationale Reformagenda abgearbeitet ist. Insbesondere das „Too big to Fail“-Problem muss über wirksame, weltweit gültige Abwicklungsregime gelöst werden“, erklärte der Top-Bundesbanker.

Außerdem gebe es noch Handlungsbedarf bei außerbörslichen Derivaten. „Schließlich geht es nicht nur um die Regulierung von Banken, sondern auch von Schattenbanken, und Zentrale Gegenparteien müssen sicherer gemacht werden“, forderte Dombret.

Bei der Festsetzung der Referenzzinsen betont die Bundesbank die Selbstverantwortung der Kreditinstitute. „Referenzsätze werden von den Banken und ihren Kunden genutzt - deshalb kann die Privatwirtschaft bei der Festsetzung von Referenzsätzen auch nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Je mehr Institute hierbei mitwirken, umso schwieriger werden Manipulationen. Insofern sind wir an einem möglichst großen Teilnehmerkreis interessiert“, ergänzte Dombret.

Das Handelsblatt-Dossier zum Thema finden Sie zum Download in unserem Kaufhaus der Weltwirtschaft unter www.kaufhaus.handelsblatt.com.

Kommentare (11)

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RuleofLaw

09.12.2013, 08:33 Uhr

Herr Schäuble und die BaFin soll aufpassen. Andreas Dombret ist ein trojanisches Pferd!

bananarepublican

09.12.2013, 08:49 Uhr

„Alles in allem warne ich davor, das Fehlverhalten Einzelner auf das gesamte Bankwesen hochzurechnen“

"Dombret nimmt die Banken jetzt teilweise in Schutz, fordert aber auch ein hartes Durchgreifen in den Häusern gegen schwarze Schafe"

Dieses Finanzwesen hat ein durch und durch für die übergroße Mehrheit der Bevölkerung (mher als 99%) unerwünschtes ja als fast schon "mafiös" angesehenes Geschäftsmodel.

(Da sind nicht die Sparkassen und Volksbanken gemeint)

Wenn man den Sumpf trockelegen will darf man natürlich nicht die Frösche fragen!!!! Deshalb lasst die Investmentbankjünger nur lauft quacken. Zu selbstreinigungsprozess innerhalb der Bankien ist nur zu sagen... leider wird immer deutlicher, dass der Fisch auch hir vom Kopfe stinkt und zwar mächtig - gell Herr Jain! Deshalb mit einer Totalrasur am Kopfe anfangen... sonst wird nichts draus ... Plitiker haben Vorständen, dei in Skanddale vereickelt sind (siehe notwendige und gemachrt Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten) einfach nicht zu reden, sie nicht zu besuchen und sich nicht besuchen lassen - das trifft die Burschen am meisten!!! also liebe Leut, bewertert bei Wahlen eure Politiker (und natürlich deren Parteien) danach wie sie es mit den Bankern halten!!

Account gelöscht!

09.12.2013, 09:01 Uhr

Statt Geldbußen Knast!
Was soll denn das? Jeder Wicht der im Geschäftsleben Mist baut, Steuern hinterzieht oder Insolvenzen verschleppt ist vorbestraft.
Kann man vielleicht dem dummen Volk mal erklären warum da eine Bank mit den Geldern seiner Aktionäre, und nicht auch die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden?
Dann wären manche Probleme erst garnicht entstanden, oder würden erst garnicht diskutiert, eben weils dafür schwedische Gardinen gibt.
Es ist ein Unding, Massenüberwachung zuzulassen, aber diejenigen die absichtlich Millarden in den Sand setzen, frei am Strand rumlaufen zu lassen.

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