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18.01.2007

11:02 Uhr

Kritik zurückgewiesen

Banken verteidigen ihre Kreditvergabepraxis

Trotz Kritik durch die Stiftung Warentest halten die Banken an der Restschuldversicherung fest. Der Vorwurf der Stiftung lautet, dass sich die Geldinstitute zusätzlich an Krediten bereichern wollen. Die Banken dagegen sehen sich auf Seiten der Schuldner.

(ben/sos) FRANKFURT.Die Stiftung Warentest hat mit der jüngsten Studie zur Vergabe von Konsumkrediten einen Streit um die Restschuldversicherung losgetreten. Die kritisierten Banken räumten zwar Fehler ein, verteidigten aber die Kreditversicherung. „Wir bleiben bei unseren Ansatz, einem Kunden auch eine Versicherung gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit anzubieten“, sagte ein Sprecher der Dresdner Bank. Diese Risiken könnten jeden treffen. „Wir wehren uns gegen den Vorwurf, wir würden uns so nebenbei eine Ertragsquelle erschließen“, sagte er. Immerhin werde rund ein Drittel der Kredite ohne Versicherung verkauft.

Warentest hatte Anfang der Woche eine Studie zur Kreditvergabepraxis deutscher Banken veröffentlicht. Dabei kamen die Santander Bank, die Dresdner Bank und die Citibank am schlechtesten weg. Neben Verstößen gegen das Datenschutzgesetz führte vor allem der Verkauf von Restschuldversicherungen zu einer Notenverschlechterung.

Während die Banken betonten, die Rechtsverletzungen seien Einzelfälle, verteidigten sie den Versicherungsverkauf. Anders als von der Stiftung behauptet, erkläre man den Kunden genau, was eine solche Restschuldversicherung koste, wurde beteuert. Die Kehrseite der jetzt laut gewordenen Kritik sei, dass man gleichzeitig von überschuldeten Kunden verklagt werde, weil man keine Versicherung angeboten habe, sagte ein Sprecher der Hypo-Vereinsbank. Krankheit, Arbeitslosigkeit und Scheidung seien nun mal die wichtigsten Gründe für eine Überschuldung, erklärte ein Sprecher der Citibank und verwies auf entsprechende Studien. Nach dem jüngsten Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen sind 50 Prozent der überschuldeten Bundesbürger arbeitslos. Jeder Sechste gerate durch Ehescheidung in die Insolvenz, heißt es in der Studie, die der Konsumentenkreditspezialist Norisbank AG in Auftrag gegeben hat.

Verbraucherschützer sehen die Lage anders. „Es ist eine Unart der Banken geworden, sich auf diese Art und Weise auf Kosten der Kunden ein einträgliches Zubrot zu sichern“, sagte Arno Gottschalk Finanzmarktexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Bei den meisten Angeboten liege ein klares Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen vor. Dies gelte vor allem für relativ kleinvolumige Darlehen. „Bei einem Kredit über 5 000 Euro sind die Kosten einer solchen Versicherung verglichen mit dem Risiko viel zu hoch“, so Gottschalk.

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