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10.04.2014

17:54 Uhr

Kritiker zu Gast

Deutsche Bank rechtfertigt sich für Agrarspekulationen

Hinter verschlossenen Türen ist die Deutsche Bank bereit, mit Kritikern über Lebensmittelspekulationen zu diskutieren. Eingeladen ist unter anderem die Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Fronten scheinen verhärtet.

Will auf ihre Kritiker zugehen: Die deutsche Bank im Streit um ihre Agrarspekulationen. dpa

Will auf ihre Kritiker zugehen: Die deutsche Bank im Streit um ihre Agrarspekulationen.

FrankfurtIm Dauerstreit um eine mögliche Verantwortung von Banken für steigende Lebensmittelpreise geht die Deutsche Bank auf ihre Kritiker zu. Co-Chef Jürgen Fitschen habe „einen kleinen Expertenkreis zum Meinungsaustausch zum Thema Agrar eingeladen“, bestätigte ein Sprecher des Dax-Konzerns am Donnerstag in Frankfurt einen Bericht von „Spiegel Online“. Dazu gehörten auch Kritiker.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch findet das Treffen hinter verschlossenen Türen am Mittwoch den 16. April in Frankfurt statt. Kritiker wie Foodwatch, Oxfam und die Welthungerhilfe machen Finanzwetten auf die Entwicklung der Preise für Mais, Soja oder Weizen mitverantwortlich für den weltweiten Hunger, weil Preise für Nahrungsmittel zulasten der Ärmsten nach oben getrieben würden. Befürworter betonen die Bedeutung der Geschäfte zur Preissicherung.

Der Welthunger-Index

Indikatoren

Der WHI-Wert setzt sich aus drei gleichwertigen Indikatoren
zusammen:
- dem Anteil der unterernährten Menschen,
- dem Anteil von Kindern unter fünf Jahren, die
untergewichtig sind und
- der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren.

Daten

Die Daten zu diesen Indikatoren stammen von der Ernährungsund Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), aus verschiedenen nationalen Erhebungen zur Bevölkerungsentwicklung und Gesundheit und aus Schätzungen von IFPRI.

WHI 2013

Der WHI 2013 wird für 120 Länder ermittelt, für die Daten zu allen drei Indikatoren verfügbar sind, und berücksichtigt Daten aus den Jahren 2008 bis 2012 – die aktuellsten verfügbaren Zahlen zu den drei WHI-Indikatoren.

100-Punkte-Skala

Der WHI ordnet die Länder auf einer 100-Punkte-Skala ein, auf der 0 der beste (kein Hunger) und 100 der schlechteste Wert ist, wobei keiner der Extremwerte in der Praxis erreicht wird. Werte unter 5,0 bedeuten wenig Hunger, Wertezwischen 5,0 und 9,9 mäßigen Hunger; Werte zwischen 10,0 und 19,9 zeigen ein ernstes Hungerniveau an, Werte zwischen 20,0 und 29,9 sind sehr ernst und Werte von 30,0 und darüber gravierend.

Quelle

Welthungerindex 2013 der NGOs: Welthungerhilfe, des International Food Policy Research Institutes und von Concern Worldwide.

Im Gegensatz zu Instituten wie Commerzbank, Dekabank und DZ Bank lehnte es die Deutsche Bank bislang ab, auf die umstrittenen Geschäfte zu verzichten. Fitschen hatte argumentiert, der Hunger könne nur abgestellt werden, wenn es gelinge, Kapital auf intelligente Weise in diese Bereiche zu lenken.

Foodwatch erneuerte am Donnerstag die Kritik: Selbst Ökonomen der Deutschen Bank hätten „die öffentliche Argumentation der Konzernspitze längst widerlegt, nach der ein Einfluss von Finanzspekulation auf die Realpreise nicht erkennbar sei“.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.04.2014, 19:22 Uhr

"Im Gegensatz zu Instituten wie Commerzbank, Dekabank und DZ Bank lehnte es die Deutsche Bank bislang ab, auf die umstrittenen Geschäfte zu verzichten"

Es geht darum, dass viele das System nicht verstanden haben!

Hätte ich die Konferenz zu organisieren, gäbe ich jedem Teilnehmer einen Tauchsieder mit gleicher Wattzahl in die Hand und ließe sie ein unterschiedlich großes Gefäss mit Wasser aufheizen - bis zum Kochen. Es möge der berichten, der das Wasser zuerst zum Kochen gebracht und der, der zuletzt das Wasser zum Kochen gebracht hat.

Ich kann das Beispiel auch gleich auflösen.
Der Tauchsieder stellt eine Manipulation dar, in dem Beispiel die kritisierte Spekulation. Sie ist so oder so vorhanden.

Es gilt zu klären, in welchem Umfeld die Manipulation am einfachsten ist.

Je kleiner das (Wasser-)Volumen, um so einfacher ist deren Manipulation. Größer das Volumen, um so geringer oder schwieriger ist die Manipulation.

Wenn es meine Absicht ist, die Preise zu manipulieren, dann geht dies bei kleinen (Markt-)Volumen einfacher als bei größeren Volumen.

Die Kritiker mögen bitte nachdenken, von wem und vor welchen Karren sie sich haben spannen lassen?

Ich hoffe, dass der Vorstand der Deutschen Bank das Thema auf ganz sachlicher Ebene diskutieren kann und seinerseits durch den Handel auf Agrarprodukte seinen Beitrag zur Stabilisierung der Märkte beiträgt.

Richtig oder falsch sind keine Mehrheits- sondern Kompetenzentscheidungen.

Je nach qualifizierter Besetzung des Teilnehmerkreises sollte den Herrschaften auch das Forward und Forward-Forward-Geschäft erklärt werden.

Um eine Lanze für die Gegner zu brechen:
Auch die Deutschen Bank war vor 13 Jahren dieses Wissen um Forward und Forward-Geschäfte im Rohstoffhandel nicht präsent. Ich erinnere an die Haltung deren "Experten" in Punkto Warenterminbörse (WTB) Hannover und der mit russischer Unterstützung dort geplante Öl- und Agrarhandel.

Account gelöscht!

11.04.2014, 19:40 Uhr

Damals ging es darum,
1. diesen Handel zu etablieren und
2. die Volumina so groß zu machen, dass diese von niemandem manipuliert werden kann.

Im Beispiel von vorhin können Sie sich das so vorstellen, als wenn Sie einen Konferenzteilnehmer mit seinem Tauchsieder an die Nordsee mit dem Auftrag schicken, diese zum Kochen zu bringen. Wie Sie erkennen ein aussichtsloser Auftrag. Und eben das ist im Handel mit Agrarprodukten zu erreichen, damit es keine Manipulationen gibt.

In Hannover war dies aber auch von Seiten der Eigner nicht gewollt.

Gewiss werden Sie die Beispiele aus den Manipulationen im LIBOR und im Devisenbereich berechtigt entgegen halten. Dem ist jedoch auf einfche Weise zu begegnen. Man muss nur eine Aufsicht etblieren, die Verstand in der Materie hat.

Die BaFin so wie sie besetzt ist - von oben bis unten - ist eben ausreichend qualifiziert Kontenabfragen auf Privatkonten durchzuführen. Auf diese Aufgabe ist sie bewusst ausgerichtet. Damit ist sie nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ ausgelastet. Mehr ist da nicht - intelektuell ist da nichts mit Finanzmarktüberwachung und -steuerung.

Im Übrigen sollte man auch verstehen, dass diese BaFin mit Unterstützung der Banken so aufgebaut wurde wie sie ist. Die Bundesbank, auch nicht am Geschehen, war unvergleichlich näher am Ball und deshalb zu unbequem.

Die jetzige Präsidentin, oft als Lobbyistin der Versicherungswirtschaft gekennzeichnet, dürfte wohl auf absehbare Zeit die Krönung sein.

Es kam auch nicht von Ungefähr, dass die BaFin unter ROT/GRÜN geschaffen wurde. Parteibücher sind zuweilen wichtiger als Fachkompetenz - gewiss schon damals eine "alternativlose" Entscheidung, wenn man damals nur den Spruch schon gekannt hätte.

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