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15.04.2013

20:39 Uhr

Kündigung

Commerzbank verliert gegen prozessierende Bankerin

Die Commerzbank hat eine Bankerin zu Unrecht gekündigt, die insgeheim einen Prozess wegen sexueller Diskriminierung gegen ihren Ex-Arbeitgeber führte. Der ist ausgerechnet die Deutsche Bank. Nun geht es um Schadenersatz.

Die Commerzbank hat einer Londoner Investmentbankerin zu Unrecht gekündigt. dpa

Die Commerzbank hat einer Londoner Investmentbankerin zu Unrecht gekündigt.

LondonDie Commerzbank hat eine Investmentbankerin in London einem Urteil zufolge zu Unrecht entlassen. Die Frau hatte der zweitgrößten deutschen Bank verheimlicht, dass sie gegen ihren vorherigen Arbeitgeber, die Deutsche Bank, einen Prozess wegen sexueller Diskriminierung führte.

Das sei ein Vertrauensbruch, fanden ihre Vorgesetzten bei der Commerzbank und kündigten ihr unmittelbar, nachdem ihre millionenschwere Klage durch den Bericht einer Nachrichtenagentur öffentlich geworden war. Das hielt das Arbeitsgericht in dem am Montag veröffentlichten Beschluss für nicht nachvollziehbar. Der Commerzbank selbst sei aber keine geschlechtsbedingte Benachteiligung vorzuwerfen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Der Fall hatte in Großbritannien große Schlagzeilen gemacht. Wie viel Schadenersatz der Frau zusteht, soll erst im September festgelegt werden. Die Bankerin, die als Händlerin 150.000 Pfund im Jahr verdienen sollte, hatte die Bank auf 13 Millionen Pfund Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt.

Die Commerzbank beharrte auf ihrer Auffassung: „Bei der Commerzbank haben Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit der Mitarbeiter höchste Priorität, nicht zuletzt wegen ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Aufsichtsbehörden“, erklärte eine Sprecherin am Montag. „Die Bank hat sich von der Klägerin aufgrund eines Vertrauensbruchs getrennt, da diese im Laufe ihrer Einstellung lückenhafte Angaben gemacht hat, die ein falsches Gesamtbild abgaben.“ Die Bank prüfe ihre rechtlichen Möglichkeiten.

Mit der Deutschen Bank hat sich die Klägerin inzwischen außergerichtlich geeinigt. Sie hatte dort gekündigt und geklagt, weil ihre männlichen Kollegen schneller befördert worden seien und mehr als dreimal so hohe Boni erhalten hätten wie sie. Wenig später heuerte sie bei der Commerzbank an.

Dass sie dort andere Gründe für ihren Abschied bei der Deutschen Bank angegeben und die Klage verschwiegen habe, ließ das Arbeitsgericht nicht als Anlass für eine Kündigung gelten. „Das war unserer Ansicht nach eher eine emotional getriebene als eine analytische Entscheidung“, schrieben die Richter. Die Bankerin teilte über ihren Anwalt mit, sie sei „absolut glücklich“ mit dem Urteil gegen die Commerzbank.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

15.04.2013, 21:36 Uhr

Wenn ich jedes Mal nach einer sexuellen Belästigung durch einen Untertanen geklagt hätte, dann müsste ich heute nicht mehr arbeiten.

luns

15.04.2013, 22:19 Uhr

Das stimmt. Ich hätte auch ausgesorgt. Aber was lernen wir daraus? Einen Hilfsfond
für Firmen und männliche Chefs errichten , um Sie vor Klagen zu schützen oder
sich vielmehr freuen, dass sich die Gewichtungen verändert haben?

Account gelöscht!

16.04.2013, 08:22 Uhr

Und wenn die Vorkommentatoren lesen könnten, wüssten sie, was für einen Schmarrn sie hier von sich gegeben haben.

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