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19.01.2011

12:57 Uhr

Kundendaten

Banker begründet Belieferung von Wikileaks

Es ist ein sensibles Thema: Im Prozess um die Weitergabe von Bankkundendaten aus der Schweiz hat der angeklagte Ex-Manager Rudolf Elmer sein Vorgehen verteidigt. Er erhebt sogar schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Rudolf Elmer ist berühmt geworden. Reuters

Rudolf Elmer ist berühmt geworden.

HB ZÜRICH. Rudolf Elmer wirft seinem ehemaligen Arbeitgeber Julius Bär vor, vermögenden Kunden bei der Hinterziehung von Steuern behilflich gewesen zu sein. Da sich die Bank nicht bereit gezeigt habe, selbst gegen die „kriminellen Tätigkeiten“ auf den Cayman Islands vorzugehen, habe er sich selbst zum Handeln entschlossen, erklärte der 55-Jährige am Mittwoch in einer abgelesenen Stellungsnahme beim Prozessauftakt in Zürich. „Die Geschäftsethik der Führung auf beiden Seiten des Atlantiks hat mich enttäuscht.“

Der Manager hatte von seinem Ex-Arbeitgeber Kundendaten entwendet und diese an Steuerbehörden und die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben. Erst am Montag hatte Elmer Wikileaks-Gründer Julian Assange auf einer Pressekonferenz in London zwei weitere CDs übergeben, die Bankdaten von Wirtschaftsbossen, Politikern und Künstlern enthalten sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft Elmer Nötigung, Drohung sowie Verletzung des Bankgeheimnisses vor. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm acht Monate auf Bewährung sowie eine Geldbuße von rund 2000 Franken.

Auch wegen des Schulterschlusses mit Wikileaks stößt der Fall international auf großes Interesse, zum Prozessauftakt drängten sich Journalisten aus aller Welt in den Gerichtssaal in Zürich. Vor dem Gerichtsgebäude entrollten Demonstranten der linken Schweizer Gruppierung „Alternativen Liste“ ein Transparent mit der Aufschrift „Den Rudi will man hängen, den Kaspar lässt man laufen“. Die Demonstranten spielen damit auf UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an, dessen Bank im vergangenen Jahr die Namen von Tausenden Bankkunden an die US-Steuerbehörden weitergeleitet hatte, um einen langwierigen Rechtsstreit mit der US-Regierung beizulegen.

In der ersten Befragung durch den Richter gab Elmer zu, der Bank 2005 in E-Mails angedroht zu haben, Kundendaten an Steuerbehörden und die Presse weiterzuleiten, falls die Bank ihre „Handlungen“ nicht einstelle. Er habe allerdings keine Bär-Angestellten bedroht. Elmer selbst wirft der Bank vor, eine Privatdetektei auf ihn angesetzt zu haben. „Wir wurden überwacht. Die Situation war sehr bedrohlich. Wir waren verängstigt und dachten, die Bank stünde dahinter. Das ist der Grund, warum ich die E-Mails verschickt habe“, sagte Elmer.

Die Anklage wirft Elmer vor, er habe mit den Daten von Julius Bär 50 000 Dollar erpressen wollen. Zudem habe er Angestellte der Bank bedroht und eine Bombendrohung ausgesprochen. Eine altruistische Motivation sieht sie bei Elmer nicht. Experten halten es für denkbar, dass Elmer wegen diesen Vorwürfe verurteilt werden könnte.

Dass der Ex-Banker wegen der Verletzung des Bankgeheimnisses belangt wird, sei dagegen unwahrscheinlich, da Elmer zur fraglichen Zeit nicht in der Schweiz, sondern auf den Cayman Islands arbeitete. Dort entwendete er die Kundendaten, die er dann an Steuerbehörden im In- und Ausland und einige Jahre später auch an Wikileaks weiterreichte.

Beobachter gehen davon aus, dass der Prozess gegen Elmer nur einige Stunden dauern wird. Womöglich könne sogar noch im Tagesverlauf ein Urteil gesprochen werden.

Kommentare (4)

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Augenlicht

19.01.2011, 14:36 Uhr

Vielleicht spornt das ja zum Nachahmen an. Daß es in diesen Zeiten noch banker mit Gewissen und Zivilcourage gibt, ist wircklich ein Meldung wert. Hut ab. Eine Schande, daß Moral in der Schweiz ein Verbrechen ist. Hoffentlich ist die eigentliche Verbrecherliste bald öffentlich. Am besten vor der Wahl.

Maennes

19.01.2011, 14:56 Uhr

Was ist das denn für ein verlogenes Schwein?
Sich erst mit fürstlichen Gehältern die Taschen vollstopfen, dann den Arbeitgeber bestehlen und einen auf Gutmensch machen.
Widerlich.

Die Amis wissen schon wer die üblichen Verdächtigen sind.

19.01.2011, 15:22 Uhr

Können die dann in den Spiegel schauen und mitreden?
ich glaube langsam trennt sich die Spreu vom Weizen!
Mal sehen, wer dann noch über den roten Teppich läuft?

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