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11.02.2014

18:39 Uhr

Kundengeschäft

Commerzbank sieht Filialschließungen der Konkurrenz als Chance

ExklusivDie Commerzbank baut derzeit ihr Privatkundengeschäft um. Sie will beispielsweise davon profitieren, wenn andere Banken ihre Filialen schließen. Dann stehe sie gerne deren Kunden zur Verfügung, heißt es.

Ein Fassadenkletterer in Frankfurt am Main vor dem Logo der Commerzbank. Die Commerzbank testet momentan unterschiedliche Filialmodelle. dpa

Ein Fassadenkletterer in Frankfurt am Main vor dem Logo der Commerzbank. Die Commerzbank testet momentan unterschiedliche Filialmodelle.

FrankfurtDie Commerzbank will von Filialschließungen anderer Banken profitieren. „Wenn andere Banken ihre Erreichbarkeit regional zurückfahren, stehen wir deren Kunden mit unseren Filialen gern zur Verfügung“, sagte der Bereichsvorstand Privatkunden, Michael Mandel in einem Interview mit Handelsblatt Live, der digitalen Tageszeitung. Der Rückzug anderer Banken aus der Fläche könne der Commerzbank bei ihrem Wachstumskurs helfen.

In Finanzkreisen hieß es zuletzt, die HypoVereinsbank wolle die Hälfte ihrer Zweigstellen schließen. Um Kunden wie diese will Mandel gezielt werben. „Wir können uns vorstellen, an den entsprechenden Standorten unsere Marketingaktivitäten auszuweiten“, sagte er. Für das eigene Haus schloss er eine Rückzugstrategie aus. „Jede Filiale, die wir schließen, kostet uns Erträge“, so Mandel.

Mit den Entwicklungen im Privatkundengeschäft zeigte er sich zufrieden. Bis Ende Oktober habe die Bank mehr als 200.000 Konten dazugewonnen. Und seit die Commerzbank unterschiedliche Depotvarianten anbiete, tue sich auch da etwas. „Wir gewinnen neue Assets“, sagte Mandel.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank baut derzeit ihr Privatkundengeschäft um. Dazu testet die Bank unterschiedliche Filialmodelle, um das Zweigstellennetz effizienter zu machen. Ziel der Bank ist es, das bislang wenig ertragreiche Privatkundengeschäft profitabler zu machen. In den ersten neun Monaten 2013 hatte die Bank in der Sparte operativ 165 Millionen Euro verdient. Ursprünglich hatte sie für das Gesamtjahr nur mit einer schwarzen Null gerechnet.

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