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25.06.2013

17:34 Uhr

Kundenkonten abgeräumt

Commerzbank-Lehrling kommt ins Gefängnis

Ein Auszubildender der Commerzbank hat im großen Stil Kundenkonten leergeräumt. Der Ex-Lehrling wurde nun zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Er hatte mit Komplizen mehrere Hunderttausend Euro gestohlen.

Ein ehemaliger Lehrling der Commerzbank räumte Konten leer. Reuters

Ein ehemaliger Lehrling der Commerzbank räumte Konten leer.

MannheimWeil er in großem Maßstab Kundenkonten abgeräumt hat, muss ein ehemaliger Azubi der Commerzbank für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Mannheimer Landgericht sprach ihn am Dienstag des bandenmäßigen Computerbetrugs, der Datenfälschung und des Ausspähens von Daten schuldig. Der 24-Jährige hatte zugegeben, gemeinsam mit Komplizen rund 340 000 Euro von Kundenkonten abgezweigt zu haben. Ein mitangeklagter Komplize bekam eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Der 24-Jährige hatte schon kurz nach Beginn seiner Ausbildung im Internet Kontakt zu Komplizen aufgenommen, die vor allem in Österreich saßen. Die Bande versorgte er mit den Daten neu beantragter Zugänge für Online-Banking und EC-Karten.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

„Er spähte Accounts anderer Bankmitarbeiter aus, steckte dazu einen Keylogger in den PC und brachte so Passwort und Nutzername in Erfahrung“, erläuterte Staatsanwalt Peter Lintz. Keylogger überwachen Tastenschläge auf der Tastatur und speichern diese. Dann habe der 24-Jährige für die Kunden des Bankmitarbeiters neue EC-Karten oder Online-Banking beantragt. Karten und Pin-Nummern habe er sich an verschiedene, eigens angemietete Postfächer schicken lassen.

Der 26 Jahre alte Komplize war unter anderem daran beteiligt, die größeren Geldsummen abzuheben. Beide Männer hatten beteuert, ihre Taten zu bereuen. Sie entschuldigten sich vor Gericht. Ein unbekannter Dritter, der in Chats der Bande unter dem Pseudonym „Einzel“ aufgetreten war, konnte nicht ermittelt werden. Er soll unter anderem für gefälschte Dokumente zuständig gewesen sein.

Von

dpa

Kommentare (11)

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claus

25.06.2013, 15:18 Uhr

Verstehe ich nicht. Der Lehrling hat nichts anderes gemacht wie seine Vorgesetzten und Bosse. Warum gerade er ?

NKM

25.06.2013, 15:39 Uhr

Warscheinlich hat er nicht genug "geklaut"

Ab einem Milliardenbetrag ist erst die Straffreiheit garantiert inbegriffen //Ironie aus

Hein_Bloed

25.06.2013, 15:41 Uhr

Der Betrag war zu gering, daher die hohe Strafe. Ab 100
Millionen gibt es Bewährung.

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