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20.01.2011

06:00 Uhr

Kundenschutz

Versicherer lehnen weitere Rettungsfonds ab

VonFrank Matthias Drost, Thomas Schmitt

Die Branche hält ihre eigenen Sicherungssysteme für ausreichend und sperrt sich gegen gesetzliche Regelungen. Stattdessen soll mehr Transparanz für Vertrauen bei den Kunden sorgen. Vorreiter ist der Marktführer Allianz.

Maximilian Zimmerer: Der Vorstandschef der Allianz Leben hält Lebensversicherungen für eine gute Kombination aus Sicherheit und Rendite. Joachim E. Roettgers GRAFFITI

Maximilian Zimmerer: Der Vorstandschef der Allianz Leben hält Lebensversicherungen für eine gute Kombination aus Sicherheit und Rendite.

BERLIN/FRANKFURT. Die deutschen Versicherer halten nichts von einem zusätzlichen Rettungsfonds für ihre Branche. Bei ihren Kunden möchten die Unternehmen künftig lieber mit mehr Offenheit punkten. Als Vorreiter präsentierte sich in Berlin Marktführer Allianz, tatkräftig unterstützt vom Branchenverband GDV. Durch ihr Vorpreschen wollen sie gesetzliche Regeln verhindern.

Einen verpflichtenden Krisenfonds, um mögliche Insolvenzen zu bewältigen, hatte der EU-Parlamentarier Sven Giegold (Grüne) im Handelsblatt vorgeschlagen. Für die Verbände GDV und private Krankenversicherung (PKV) geht der Vorschlag allerdings ins Leere. In Deutschland seien Insolvenzsicherungssysteme für die Lebensversicherung mit Protektor und für die Krankenversicherung mit Medicator schon seit langem bekannt, erklärte der GDV. Der Schutz für die Kunden sei hoch. Denn die Sicherungseinrichtungen führten die Verträge bei einer Anbieterpleite zu unveränderten Konditionen fort.

Die Verbände sehen sich im Übrigen durch die Europäische Kommission bestätigt. Diese plant, alle Versicherungskunden vor Insolvenzen zu schützen. Wie das umgesetzt wird, überlasse die EU aber den Mitgliedstaaten. Das Prinzip findet der GDV gut: Nur wenn die Sicherungssysteme zu den Besonderheiten der einzelnen Märkte und Produkte passten, könnten Kunden optimal geschützt werden. Auf Bewährtes sollte man nicht ohne Not verzichten. Ein neuer europäischer Fonds oder die gegenseitige Unterstützung nationaler Sicherungssysteme würde dagegen falsche Anreize für Aufsicht und Unternehmen setzen.

Der PKV-Verband sieht seine Branche zudem gut aufgestellt. Selbst in der Finanzmarktkrise sei der Garantiezins von 3,5 Prozent stets übertroffen worden.

Für den FDP-Finanzexperten Björn Sänger hat der Vorschlag des Europaabgeordneten Giegold dagegen durchaus Charme. Dabei hat Sänger insbesondere die Debatte über eine stärkere Gläubigerhaftung bei Staatsanleihen im Kopf. Wenn Schuldenschnitte, sogenannte Haircuts, beispielsweise für griechische Anleihen nicht länger ausgeschlossen würden, müsse man sich natürlich Gedanken über die finanzielle Verfassung von Versicherern machen, die zu den großen Anleihen-Investoren gehören. Es sei im staatlichen Interesse, wenn Versicherer, denen viele ihre Altersvorsorge anvertraut hätten, im Notfall aufgefangen würden.

Die Versicherer glauben dagegen, dass sie mit mehr Transparenz das Vertrauen der Kunden erhalten können. Künftig will die Allianz zum Beispiel die effektive Rendite auf die gezahlten Beiträge in ihren Produktinformationen nennen. Das entspricht einer Forderung der Verbraucherschützer. Bisher nennt die Branche in ihren jährlichen Zinsdeklarationen eine Zahl, die sich nur auf den Sparanteil der Beiträge bezieht – nach Abzug der Kosten des Versicherers. Dadurch sind Vergleiche mit anderen Anlageformen nur sehr schwer möglich. Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer geht davon aus, dass die Branche dem Vorbild der Allianz in diesem und dem nächsten Jahr folgen wird.

Kommentare (2)

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Pascal Salzmann

20.01.2011, 10:00 Uhr

irreführende Überschrift - mal wieder. Das wird in Zeiten der Online-Nachrichten wohl zu Regel. Kopfschüttel.

Sven Pohl

20.01.2011, 10:42 Uhr

neue Offenheit? Das wäre in dieser branche mal was ganz was Neues - da bin ich gespannt. Was soll die "effektive Rendite auf die gezahlten beiträge" denn sein? Wird dabei die Wertentwicklung der bereits erwirtschafteten Überschüsse und Mindestbeiteiligung mit berücksichtigt? Sehe ich die Entwicklung anhand von Grafiken im Jahresvergleich? Gibt es dazu eine verlässliche Hochrechnung für die tatsächliche Ablaufleistung?
Oder doch wieder nur wolkige und garantiert unverbindliche Prognosen. Das Kerngeschäft der Kapitallebensversicherer war bislang immer die intransparenz. Daher glaube ich erstens nicht an die neue Offenheit und halte sie zweitens auch für überflüssig, da ich mir heute schon für wenig Geld die nötige Transparenz mit entsprechender Analyse-Software wie KLV-Check selbst verschaffen kann 8-)

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