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05.02.2014

13:14 Uhr

Kursmanipulation

Deutsche Bank entlässt drei US-Devisenhändler

Die Deutsche Bank hat sich offenbar von drei New Yorker Händlern getrennt. Hintergrund ist die Manipulation von Devisenkursen. Das Institut erklärte, man werde weiter mit Ermittlern zusammenarbeiten.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Disziplinarische Maßnahmen möglich. dpa

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Disziplinarische Maßnahmen möglich.

New YorkDer Skandal um die Manipulation von Devisenkursen zieht bei der Deutschen Bank immer weitere Kreise. Das Institut hat in New York nun drei Händler der betroffenen Abteilung gefeuert, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Person erfuhr. Vor die Tür gesetzt worden seien Diego Moraiz, der bei Deutschlands größtem Geldhaus in New York den Handel mit Währungen aus Schwellenländern geleitet hat, sowie seine beiden jüngeren Kollegen Robert Wallden und Christopher Fahy. Die Mitarbeiter in der Handelsabteilung seien am Dienstag über die Kündigungen informiert worden.

Die Deutsche Bank gehört zu den größten Händlern am Devisenmarkt, auf dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden und der seit Monaten von Ermittlungsbehörden durchleuchtet wird. Sie haben den Verdacht, dass Banken die Referenzkurse verschiedener Währungen manipuliert haben. Die Deutsche Bank erklärte, sie arbeite mit den Ermittlern zusammen. Die Bank werde disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter einleiten, falls dies nötig sei, betonte eine Bank-Sprecherin. Die drei gefeuerten Händler waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Reuters hatte bereits Mitte Januar erfahren, dass die Deutsche Bank mehrere Händler in New York und womöglich auch anderswo auf dem amerikanischen Kontinent vom Dienst suspendiert habe. Sie stehen Finanzkreisen zufolge im Verdacht, an Devisen-Referenzkursen gedreht zu haben. Ins Visier geraten seien sie, nachdem eine Prüfungsgesellschaft Aussagen in Chatrooms und Emails der vergangenen Jahre durchleuchtet habe.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Institut, dessen Händler unter Verdacht geraten sind. Banken wie RBS, Barclays und Citigroup haben ebenfalls Mitarbeiter suspendiert. Den Banken, die bereits wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor milliardenschwere Bußgelder aufgebrummt bekamen, drohen wegen des Devisen-Skandals erneut hohe Strafen. Mehrere US-Pensionsfonds haben nach den ersten Medienberichten über das Thema bereits Klagen eingereicht.

Zum den am meisten genutzten Kursen am Devisenmarkt zählt das "WM/Reuters"-Fixing, das täglich um 16 Uhr Londoner Zeit errechnet wird. Dazu nutzt der Informationskonzern Thomson Reuters die Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem Reuters-System und von Konkurrenten. Dabei werden alle Kurse innerhalb einer "Fixing"-Minute erhoben. Die State-Street -Tochter WM errechnet daraus den Mittelwert als Referenzkurs. Je seltener eine Währung gehandelt wird, desto leichter lässt sich der Preis innerhalb der kurzen Zeitspanne von einzelnen Marktteilnehmern bewegen. Investoren und Firmen verwenden diese Referenzkurse zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolios. Zudem sind sie Grundlage zur Berechnung vieler Aktien- und Bond-Indizes.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.02.2014, 10:01 Uhr

Wie lange muss ich noch warten auf die Headline im Handelsblatt DEUTSCHE BANK ENTLÄSST ANSHU JAIN und fordert den Großteil seiner Bezüge in den letzten 18 Jahre zurück?

Account gelöscht!

05.02.2014, 12:57 Uhr

Es ist eine Schande und einfach peinlich , was bei der db seit der Ermordung von Alfred Herrhausen abgeht. Herrhausen war meines Wissens der letzte Vorstandsvorsitzende, der nie vor Gericht musste. alle die ihm folgten, machten dumme Fehler, die nicht selten vor Gericht endeten. Stichworte: Peanuts, Verletzung des Bankgeheinisses ( Kirch ) oder Victory-Gesten im Gerichssaal. Herrhausen war der letzte Topmann der db. Alle Nachfolger haben dem Ansehen der Bank und dem Berufstand geschadet, einfach nur peinlich!!!

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