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22.01.2016

20:02 Uhr

Kurssturz wegen EZB-Prüfung

Pokerten Spekulanten um Monte dei Paschi?

VonRegina Krieger

Die EZB hat sechs italienische Banken ins Visier genommen. Die Überprüfung notleidender Kredite machte den Aktien der Institute schwer zu schaffen. Medien berichten nun, dass US-Hedgefonds ihre Hand im Spiel hatten.

Italienische Banken sitzen auf einem 200 Milliarden Euro hohen Berg von Darlehen, deren Rückzahlung fraglich ist. Diese sollen in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden. Reuters

Monte Paschi in Siena

Italienische Banken sitzen auf einem 200 Milliarden Euro hohen Berg von Darlehen, deren Rückzahlung fraglich ist. Diese sollen in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden.

RomSeit Tagen wird in Italien gemunkelt, dass hinter dem drastischen Kurssturz der Bankaktien an der Mailänder Börse in dieser Woche mehr steckt als die Höhe der faulen Kredite, die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Inspektoren zu sechs italienische Banken zu schicken oder auch das makroökonomische Umfeld wie der niedrige Ölpreis oder die schlechten Wachstumszahlen aus China. Nein, da haben Spekulanten ihre Hand im Spiel, schreiben mehrere Medien in Italien – ohne allerdings Ross und Reiter zu nennen. Appetit gemacht hätten den Hedgefonds die neuen Regeln des Bail-in, der Gläubigerbeteiligung, die seit Jahresbeginn in der EU gelten.

Am stärksten betroffen vom Kurssturz war die älteste Bank der Welt, Monte die Paschi in Siena. Sie gehört zu den sechs Banken, deren faule Kredite durch die EZB unter die Lupe genommen werden. Der Marktwert des drittgrößten Instituts in Italien hat sich seit Jahresbeginn halbiert. Nur ein Schlaglicht aus dieser Woche: Am Mittwoch wurde die Aktie nach einem Kurssturz von mehr als 18 Prozent auf nur noch gut 50 Cent pro Stück vom Handel ausgesetzt. Monte dei Paschi war nur noch rund 1,5 Milliarden Euro wert, die Hälfte etwa der Modefirma Moncler mit ihren feinen Daunenjacken.

Bankchef Fabrizio Viola erklärte postwendend, die Kursbewegungen spiegelten nicht den Zustand des Hauses wider. In Rom jagen sich die Krisengipfel von Regierung, Wirtschaftsministerium und Notenbank. Und dann zum Wochenschluss die plötzliche Wende: der Titel steigt um 43 Prozent und schließt mit 73 Cent. Die Kapitalisierung ist wieder bei 2,14 Milliarden Euro. Politiker und Banker atmen auf.

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Das sei fast wie ein Film gewesen, schreibt die Zeitung „La Stampa“: Die drei Tage des Zitterns seien das Ergebnis „einer gigantischen Operation am grünen Tisch gewesen, den mindestens drei amerikanische Hedgefonds erdacht haben“. Die Bank habe den Zusammenbruch riskiert. Ausgangspunkt sei die Berechnung der öffentlichen Garantien für die faulen Darlehen in den Büchern von Monte dei Paschi gewesen, so die Zeitung, ein Wert zwischen 18 und 20 Prozent, für den die Cassa die Depositi e Prestiti, eine Art italienische KDW, hätte aufkommen müssen. Ein Gerücht, das Regierungskreise bestätigt hätten. Denn das Wirtschafts- und Finanzministerium hielte seit einiger Zeit einen Kanal offen zu einigen großen Hedgefonds für die Einrichtung der Bad Bank, die vermutlich in Kürze kommt.

Monte dei Paschi hat faule Kredite in Höhe von 24 Milliarden Euro und ein Nettovermögen von rund zehn Milliarden Euro. Die Garantie würde rund vier bis fünf Milliarden Euro decken. Nicht genug, schreibt „La Stampa“. Deshalb habe die „Operation am grünen Tisch“ vorgesehen, auf einen fallenden Kurs zu setzen. Bis am Mittwoch dann das Wirtschafts- und Finanzministerium seine Gesprächspartner habe wissen lassen, dass es eine neue Situation gebe. Die Garantie für die faulen Kredite würde nicht länger die Cassa die Depositi e Crediti übernehmen, sondern das Ministerium selbst, mit Bürgschaften in Höhe von 40 Milliarden Euro, Fall für Fall und Bank für Bank.

Soweit die spekulative Rekonstruktion der Medien. In diesem Licht aber wird eine Aussage von Premier Matteo Renzi interessant: „Monte dei Paschi hat heute einen unglaublichen Preis“, sagte er im Interview mit der Wirtschaftszeitung „Il Sole-24ore“. Und weiter: „Ich glaube, die beste Lösung ist die, die der Markt entscheidet. Es würde mir sehr gefallen, wenn es eine italienische Lösung gäbe, aber wer auch immer kommt, macht ein optimales Geschäft.“

Massimo Tononi, seit fünf Monaten Präsident der Krisenbank aus Siena, sieht Monte dei Paschi auf Erholungskurs. Wer so viel verkauft habe, wisse er nicht, erklärte er. Aber um für Transparenz zu sorgen und die Märkte zu beruhigen, werde die Präsentation der Bilanz, die für den 5. Februar terminiert war, um eine Woche vorgezogen. Bis dahin gibt es wahrscheinlich auch endlich die Bad Bank.

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