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08.11.2012

20:02 Uhr

Kweku Adoboli

Anklage billigt Ex-UBS-Händler keine mildernde Umstände zu

Die Anklage hält im Prozess gegen den den Skandalhändler Adoboli das Schlussplädoyer. Die Staatsanwältin wirft dem früheren UBS-Händler rücksichtsloses und betrügerisches Vorgehen vor. Jedwede Milde lehnt sie ab.

Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli verzockte Milliarden. AFP

Der frühere UBS-Händler Kweku Adoboli verzockte Milliarden.

LondonIm Betrugsprozess gegen den früheren UBS-Händler Kweku Adoboli hat die Anklage in ihrem Schlussplädoyer keine mildernden Umstände für den Angeklagten gelten lassen. Der 32 Jahre alte Händler habe durch sein rücksichtsloses und betrügerisches Vorgehen den größten Verlust in der britischen Bankengeschichte verursacht, sagte die Anklagevertreterin Shasa Wass am Donnerstag. Als geradezu absurd bezeichnete Wass die Aussage Adobolis, er sei von seinen Vorgesetzten bei UBS zu den Geschäften ermutigt wurden, die bei der Bank zu einem Verlust von 2,3 Milliarden Dollar führten.

Adoboli, dem Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen wird, steht seit Mitte September vor einem Geschworenengericht im Londoner Southwark Crown Court. Nach Ansicht der Anklage war er ein waghalsiger Zocker, der aus Ehrgeiz - und weil er auf hohe Erfolgsprämien scharf war - unerlaubt Risiken einging und seine verbotenen Geschäfte mit geheimen Konten tarnte.

Adoboli gab vor Gericht zu, dass er mit geheimen Konten arbeitete und gegenüber Mitarbeitern in den Abwicklungsabteilungen der Bank nicht die Wahrheit sagte. Den Vorwurf, in betrügerischer Absicht gehandelt zu haben, wies er zurück. Doch genau von dieser Betrugsabsicht müssen die Geschworenen überzeugt sein, wenn sie ihn schuldig sprechen.

Er habe, so argumentierte der ehemalige Händler für börsennotierte Indexfonds (ETF), immer nur das Beste für die Bank im Auge gehabt. Die Bank habe Gewinne sehen wollen. Wie sie zustande kamen, habe niemand gekümmert. Seine Kollegen hätten von seiner Arbeitsweise gewusst und manchmal selbst so gearbeitet.

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Das ließ die Anklägerin nicht gelten. Es sei ein Fantasie-Gebilde, dass die Bank gewusst oder gar gebilligt habe, was Adoboli tat. "Seine Verteidigung ist lächerlich", sagte Wass. Adoboli habe gleich gehandelt wie der französische Händler Jerome Kerviel, der bei der Großbank Societe Generale durch missglückte Spekulationen einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro verursachte. UBS habe ihre Investmentbanker 2008 und 2010 in Rundschreiben vor Kerviel gewarnt und darauf hingewiesen, dass so etwas nicht geduldet werde und strafbar sei. Der Franzose wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und scheiterte letzten Monat in der Berufung.

Mit dem Schlussplädoyer der Anklage geht das neunwöchige Verfahren gegen Adoboli in die Schlussphase. Am Freitag soll die Verteidigung plädieren. Anfang der kommenden Woche wird der Richter den Fall für die Geschworenen zusammenfassen, die sich dann zur Urteilsberatung zurückziehen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Mazi

09.11.2012, 19:51 Uhr

Wie schlecht muss das Überwachungssystem der UBS sein, wenn das was wir hier erfahren haben, die Wahrheit sein soll?

Wie kann ein derartiger "Grünschnabel" nach einem Praktikum mehr von der Bank und ihrem Funktionieren verstehen als "alte Hasen"? Das passt nicht zusammen!

Wenn das stimmen würde, hätte sich die Bank in den letzten 20 Jahren zurück entwickelt.

Stattdessen gehe ich davon aus, dass man staatlicherseits das Management der Banken, die man anködert, nicht enttäuschen und die Bank in London behalten will. Mit Rechtsstaatlichkeit hat das aber nichts mehr zu tun, mit Korruption aber viel.

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