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20.03.2012

11:25 Uhr

Landesbank

4400 WestLB-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs

VonSaskia Littmann

Es sind trübe Aussichten für die Mitarbeiter der WestLB, viele werden ihr Büro räumen müssen. Doch obwohl die WestLB keine Zukunft hat, hält sie besonders qualifizierte Beschäftigte mit hohen Bleibeprämien.

Mann vor dem Logo der WestLB: Die Mitarbeiter der Landesbank sind verunsichert. dpa

Mann vor dem Logo der WestLB: Die Mitarbeiter der Landesbank sind verunsichert.

DüsseldorfNoch strömen die WestLB-Mitarbeiter jeden Tag in ihre Büros in der Düsseldorfer Friedrichstadt. Glücklich sehen die meisten von ihnen dabei aber nicht aus. Denn eine Perspektive, wie es nach dem 30. Juni dieses Jahres weitergeht, haben die wenigsten. Dann ist endgültig Schluss, die einst größte deutsche Landesbank wird zerschlagen.

Die Mehrheit der aktuell 4300 Mitarbeiter wird wohl ihren Job verlieren. Rund 400 Stellen wird es bei der Helaba geben, die das Sparkassengeschäft übernimmt. Die übrigen Beschäftigten sollen zunächst in der Übergangsbank arbeiten, der Service und Portfoliomanagementbank (SPM-Bank). Diese soll aber bis 2016 auf maximal 1000 Stellen reduziert werden. Alle anderen müssen ihre Büros wohl räumen.

Immer wieder gab es Pläne, einzelne Bereiche der Landesbank an andere Geldhäuser zu verkaufen. Nicht nur HSBC Trinkaus, auch die japanische Bank Sumitomo Mitsui Banking Corp (SMBC) hatte zwischenzeitlich Interesse. Beide Banken nahmen das Angebot aber zurück. Hoffnung auf den Verkauf einzelner Teile der Bank gibt es dementsprechend kaum noch.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Zwar gilt bis zum Ende des Jahres ein tariflicher Kündigungsschutz, es wird also vorerst keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Was danach kommt, weiß aber keiner. Nur die Aktienanalysten und Händler wissen bereits, dass es ihre Abteilungen nach dem 30. Juni nicht mehr geben wird.

Kommentare (4)

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peer

20.03.2012, 12:22 Uhr

Richtig so,

Der Bilderberger Steinbrück wird der nächste Bundeskanzler
4400 Beschäftige fliegen zum Ausgleich, und BILD gesteuert werden sie dann doch Ihren Henker (SPD) wählen.

Die Ursache: ...............

Zwar ließ sich Steinbrück in den Gremien des Aufsichtsrats der WestLB oft von seinem Staatssekretär Harald Noackvertreten. Zu den Sitzungen des Kredit-ausschusses, der Darlehen ab 25 Millionen Euro absegnet, erschien er kein einziges Mal. Trotzdem kassierte der heutige Ministerpräsident für die Gremientätigkeit die volle Aufwandsentschädigung. Seit 1998 überwies ihm die WestLB pro Jahr 25000 Mark: Als Verwaltungsrat erhielt er 10000 Mark, als Präside 5000 und als Kreditaufseher 10000 Mark.

Offenbar blind vertraute Steinbrück – statt die Gremiensitzung zu besuchen – den Bankchefs: zunächst Friedel Neuber und ab September 2001 Jürgen Sen-gera, den der Finanzminister selbst auf den Chefstuhl gehievt hatte. So bekam Steinbrück auch nicht mit, wie Sengera die Unwahrheit sagte: Am 9. März 2000 versicherte Sengera, er habe als Absicherung für den risikoreichen 1,3 Milliarden hohen Kredit an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever eine Barreserve von 200 Millionen britischen Pfund gebildet. Doch diese Vorsorge, deckte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf, war durch Vorstandsbeschluss längst aufgehoben worden.


Auch im Mai 2002 hätte Steinbrück als Hauptgesellschafter der Bank re-agieren müssen. Denn da wurde das Gremium über eine dramatische Umschuldungsaktion bei Boxclever informiert. Dieser Beschluss war so brisant, dass der gesamte WestLB-Vorstand das Papier unterschreiben musste. Der damalige Bankchef Sengera stolperte nach nur 21 Monaten im Amt und musste gehen. Die Opposition im Landtag nimmt nun den Ministerpräsidenten ins Visier. CDU-Chef Jürgen Rüttgers sieht „bei Steinbrück eine hohe Verantwortung“ für die Krise der Bank.

Account gelöscht!

20.03.2012, 13:54 Uhr

Auch die Banker waren zu gierig.

Account gelöscht!

20.03.2012, 13:55 Uhr

Steinbrück ist für das Desaster nicht verantwortlich. Die Weichen "in den Abgrund" wurden vorthert schon gestellt. Veraantwortlich waren drei Freunde, die Personen:
Friedel Neuber West-LB Chef
Finanzminister Heinz Schleußer
Ministerüpräsident Johannes Rau!

Von völligem Größenwahn getrieben, haben die ein gewaltiges Rad gedreht. Die Schuldigen leben leider nicht mehr. Denen hätte ich es gegönnt, wenn die den eigenen Trümmerhaufen noch hgätten sehen müssen!

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