Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2012

18:18 Uhr

Landesbank-Abwicklung

Weitere Hürde bei WestLB-Aufspaltung genommen

Die Abwicklung der WestLB schreitet weiter voran: Einem Bericht zufolge wird auch die Nachfolgebank Portigon von der Einlagensicherung der Landesbanken proftieren. Darauf haben sich das Land und die Sparkassen geeinigt.

Auf der Fassade wurde das Logo der WestLB schon entfernt, nur die Fahnen wehen noch vor der Zentrale. dpa

Auf der Fassade wurde das Logo der WestLB schon entfernt, nur die Fahnen wehen noch vor der Zentrale.

FrankfurtIm Tauziehen um die Aufspaltung der WestLB haben die nordrhein-westfälischen Sparkassen und das Land sich einem Zeitungsbericht zufolge in einem weiteren Konfliktpunkt geeinigt. Die Nachfolgebank Portigon bleibe zur Einlagensicherung Mitglied in der Sicherungseinrichtung der Landesbanken und damit in dieser Hinsicht Teil der Sparkassengruppe, berichtete die "Welt" (Samstagausgabe) unter Berufung auf Beteiligte.

Darauf hätten sich das Land und der Sparkassenverband DSGV geeinigt. Im Gegenzug müsse das Land allerdings eine Garantie übernehmen. Sollte Portigon die Sicherungseinrichtung in Anspruch nehmen, müsste damit letztlich der Steuerzahler haften. Der Verbleib von Portigon in der Sicherungseinrichtung sei zunächst bis 2017 befristet.

Die WestLB soll nach jahrelangem Streit mit der EU-Kommission zum Monatsende aufgespalten werden. Das Sparkassengeschäft soll mit einer Milliarde Euro aus dem Lager der Sparkassen gestützt und der Helaba zugeschlagen werden. Portfolien mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro sollen an die Bad Bank EAA gehen.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die restlichen Mitarbeiter sollen in einer Gesellschaft namens Portigon unterkommen, die vom Land eine Milliarde Euro frisches Kapital bekommt und Dienstleistungen für andere Banken und die EAA übernehmen soll. Letzte Details des Aufspaltungsplans müssen noch geklärt werden.

Für das Scheitern der Landesbank macht WestLB-Vorstandschef Dietrich Voigtländer der "WirtschaftsWoche" zufolge auch die Bundesregierung verantwortlich. Ihre mangelnde Unterstützung habe dazu geführt, dass Alternativkonzepte für das Überleben der WestLB bei der EU-Kommission in Brüssel keine Chance gehabt hätten, sagte Voigtländer dem Magazin.

"Wir hatten viele Feinde in Brüssel und nur wenige Freunde in Berlin. Die WestLB musste in Brüssel schon seit Jahren stellvertretend die Probleme des ganzen Landesbankensektors ausbaden." Wie lange er Vorstandsvorsitzender des WestLB-Nachfolge-Instituts Portigon bleiben werde, ließ Voigtländer offen: "Jetzt sind die Eigentümer dran. Wenn sie die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Portigon schaffen, bleibt das eine spannende Herausforderung."

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×