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26.02.2014

10:10 Uhr

Landesbank in der Krise

HSH Nordbank braucht nach 2019 wohl mehr Geld vom Staat

Sinkende Zahlen im Schifffahrtsgeschäft und Steuernachzahlungen stürzen die angeschlagene HSH-Nordbank in die Krise. Man gibt sich kämpferisch, ist aber auf erhebliche Staatshilfen angewiesen.

Die Schifffahrtsbranche bleibt für die HSH Nordbank ein großes Risiko. dpa

Die Schifffahrtsbranche bleibt für die HSH Nordbank ein großes Risiko.

HamburgDie HSH Nordbank muss wegen hoher Verluste in der Schifffahrt und Steuernachzahlungen mehr Staatshilfe in Anspruch nehmen als gedacht. Die Bank werde vermutlich mehr als die ab 2019 angekündigten 1,3 Milliarden Euro an Garantien nutzen, kündigte Aufsichtsratschef Thomas Mirow am Dienstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten an.

„Mich würde es nicht wundern, wenn wir mit Blick auf den Jahresabschluss 2013 zu dem Ergebnis kämen, dass wir da einen Tick darüber landen werden.“ Die Veränderung werde bei der ersten Ziffer hinter dem Komma zu sehen sein. Konkreter wurde Mirow nicht. Er begründete dies damit, dass die endgültigen Zahlen noch nicht vorlägen.

Hamburg und Schleswig-Holstein, die zusammen 85 Prozent an der HSH Nordbank halten, stehen mit ihren Garantien für mögliche Verluste ein, die über eine Summe von 3,2 Milliarden Euro hinausgehen. Bis zu diesem Betrag muss das Institut Verluste selber tragen. Bisher hatte die Bank betont, sie könnte von 2019 bis 2025 bis zu 1,3 Milliarden Euro von ihren Eigentümern benötigen.

Die HSH musste wegen der Dauerkrise in der Schifffahrt im vergangenen Jahr erneut viel Geld für drohende Kreditausfälle zur Seite legen und rechnet für 2013 mit einem deutlichen dreistelligen Millionenverlust. Dabei schlagen auch Steuernachzahlungen zu Buche, die sich erst jüngst bei der Vorbereitung auf eine Betriebsprüfung herausgestellt hatten. Weitere 127 Millionen Euro kommen hinzu, die die Bank wegen umstrittener Dividendengeschäfte zurückgelegt hat.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Gleichzeitig fallen auf die auf zehn Milliarden Euro aufgestockte Staatsgarantie der Länder hohe Gebühren an. Mit einer Erholung der Schifffahrt, die unter Überkapazitäten und hohen Treibstoffkosten leidet, rechnet das Bankmanagement nicht vor 2015. Bis dahin will die HSH dank Einsparungen und guter Geschäfte im Bereich Firmenkunden, Immobilien und erneuerbare Energien längst wieder Gewinne abwerfen. Vorstandschef Constantin von Österreich hatte unlängst bekräftigt, er erwarte für 2014 vor und nach Steuern einen deutlichen Gewinn.

Im Firmenkundengeschäft steigerte sich das norddeutsche Institut bereits 2013 deutlich. Im laufenden Jahr sei ein Wachstum in einer ähnlichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr geplant - bei auskömmlichen Margen, betonte Aufsichtsratschef Mirow.

Von

rtr

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