Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2012

13:18 Uhr

Landesbank

WestLB-Zerschlagung zieht sich bis zur letzten Minute

Ab morgen ist die WestLB Geschichte, wenn denn die Verträge rechtzeitig unterschrieben werden. Eigentlich sollten die Unterschriften schon heute erfolgen.

Die WestLB wird zerschlagen. Reuters

Die WestLB wird zerschlagen.

Düsseldorf/FrankfurtDer Todeskampf der WestLB zieht sich voraussichtlich bis zum Wochenende hin. Da die Verträge zur Zerschlagung des einstigen Flaggschiffs unter den Landesbanken noch nicht unterzeichnet sind, können Aufsichtsrat und Hauptversammlung die Dokumente voraussichtlich erst am Samstag absegnen, hieß es in Finanzkreisen. Ursprünglich war dies bereits bei einer Sitzung am Freitag geplant.

„Wir werden sicherlich noch bis Samstag brauchen“, sagte ein Insider nun. Tausende von Vertragsseiten müssten von Juristen geprüft werden. Der Streit um die Lastenverteilung bei der Zerschlagung der Bank werde aber nicht erneut aufflammen: „Der Prozess ist nicht in Frage gestellt“, versicherte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die WestLB muss nach langem Streit mit der EU-Kommission um milliardenschwere Garantien und Beihilfen zum 1. Juli aufgespalten werden. Das Geschäft mit den Sparkassen, die sogenannte Verbundbank, soll an die Landesbank Hessen-Thüringen angedockt werden. Die Verwaltungsrat und die Trägerversammlung der Helaba wollten dem Geschäft eigentlich am Freitag zustimmen. Die Mehrheitseigner der Bank, die Sparkassen in Hessen und Thüringen, haben bereits grünes Licht gegeben.

Geklärt werden muss allerdings noch die Frage, welchen Anteil an der Helaba die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe sowie die Sicherungsreserven der Sparkassen und Landesbanken erhalten. Sie statten die Verbundbank jeweils mit 250 Millionen Euro Kapital und sollen im Gegenzug an der Helaba beteiligt werden. Die Sparkassen in Hessen und Thüringen hatten einer Beteiligung von jeweils 4,3 bis 4,75 Prozent zugestimmt, bei der Trägerversammlung der Helaba soll nun ein genauer Anteil verabschiedet werden.

Von der WestLB werden am Ende drei Teile übrig bleiben. Die Verbundbank hat eine Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro und übernimmt 451 Mitarbeiter. Unverkäufliche Geschäfte und Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro werden der Bad Bank EAA zugeschlagen. Rechtsnachfolger der verbleibenden WestLB wird der Dienstleister Portigon, der vor allem die EAA bei der Abwicklung des WestLB-Erbes unterstützen soll.

Die Verträge, die die Aufspaltungspläne regeln, müssen aber noch von allen Beteiligten abgezeichnet werden, um endgültig einen Schlussstrich unter das Kapitel WestLB zu ziehen. Anschließend sollen die Dokumente ans Finanzministerium in Berlin und von dort weiter nach Brüssel geleitet werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolf

29.06.2012, 14:52 Uhr

Die Verluste haben Sie trfflich aufgeführt - die Gewinne für das Land aber leider nich!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×