Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.04.2012

10:23 Uhr

Landesbanken

Abwicklung der WestLB läuft nach Plan

Nach den Worten des Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV), Michael Breuer, liegt die Abwicklung der WestLB im Zeitplan. Bis zur Zerschlagung stehen allerdings noch einige Verhandlungen bevor.

Die WestLB war einst das Vorzeigeinstitut der Landesbanken. dpa

Die WestLB war einst das Vorzeigeinstitut der Landesbanken.

DüsseldorfDie Abwicklung der WestLB liegt nach den Worten des Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV), Michael Breuer, im Zeitplan. „Wir können davon ausgehen, dass bis Mitte des Jahres alle übrigen Punkte geklärt sind“, sagte Breuer am Montagabend auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. Die Übernahme der WestLB-Verbundbank durch die Helaba und deren Finanzierung durch die Sparkassen sei wie von der EU vorgegeben bis Mitte des Jahres sicher.

Allerdings stünden bis zur Zerschlagung des einstigen Flaggschiffs der Landesbanken noch viele Verhandlungen zwischen WestLB-Eignern, Bund und Helaba aus. „Allein die Liste der Verträge, die wir in diesem Jahr ändern müssen, ist 30 Seiten lang“, sagte Breuer. Zudem gilt es wegen der vorgezogenen Neuwahlen in NRW als unsicher, ob das Land bis zum 30. Juni eine Milliarde an Stammkapital für die Reste der WestLB bereitstellen kann, die unter dem Namen Portigon zu einer Service-Bank geschrumpft werden.

In der Verbundbank ist das Sparkassen-Geschäft der WestLB gebündelt. Die Sparte unterstützt lokale Institute bei Aufgaben, die sie selbst überfordern, etwa bei Großkrediten. Bei ihrer Abspaltung wird die WestLB-Verbundbank mit einer Milliarde Euro ausgestattet - eine Hälfte stammt von den Sicherungsreserven der deutschen Sparkassen und Landesbanken, je 250 Millionen steuern der RSGV und sein Nachbarverband in Westfalen-Lippe bei. Bei einem Geschäftsvolumen von 40 Milliarden Euro und mit rund 400 Mitarbeitern soll der Verbundbank ein nahtloser Übergang des Geschäfts unter dem Dach der Helaba gelingen.

Die Vorstandschefs der WestLB

40 Jahre - neun Chefs

Die WestLB hatte in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte neun Vorstandschefs. In den zurückliegenden zehn Jahren, in der die WestLB gleich mehrere Milliardenverluste und Krisen erlebte, gaben sich viele Manager die Klinke in die Hand.

Ludwig Poullain

1969: Ludwig Poullain wird erster Vorstandsvorsitzender der Westdeutschen Landesbank Girozentrale (WestLB). Poullain tritt zurück, als ein lukrativer Beratervertrag mit einem Finanzmakler bekannt wird.

Johannes Völling

1978: Johannes Völling wird Nachfolger von Poullain. Er stand allerdings nur drei Jahre an der Spitze der WestLB. Völling wurde vorgeworfen, die Eigentümer nicht rechtzeitig über die ungünstige Geschäftsentwicklung der Bank informiert zu haben.

Friedel Neuber

1981: Friedel Neuber wird neuer Vorstandsvorsitzender. Unter Neuber übernimmt die Bank zahlreiche Industriebeteiligungen und baut ihr internationales Geschäft aus. Die WestLB wird unter dem SPD- Mitglied zum wichtigen Instrument für die Industriepolitik in NRW.

Jürgen Sengera

2001: Jürgen Sengera folgt Anfang September Neuber, der in den Ruhestand geht. Der Investmentbanker soll den Umbau der Bank meistern. Der Konzern wird 2002 auf EU-Druck in eine Förderbank (heute NRW.BANK) und die WestLB AG für kommerziellen Aktivitäten aufgespalten. Riskante Geschäfte führen zu hohen Verlusten.

Johannes Ringel

2003: nach dem Rücktritt von Jürgen Sengera Mitte 2003 wird Johannes Ringel zum Übergangschef berufen. Die Großbank befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einer bedrohliche Schieflage.

Thomas Fischer

2004: Thomas Fischer tritt an. Der ehemalige Vorstand der Deutschen Bank wird als Retter der WestLB nach Düsseldorf geholt. Er bringt einen tiefgreifenden Umbau des Instituts auf den Weg. Knapp dreieinhalb Jahre später muss er nach millionenschweren Fehlspekulationen von Mitarbeitern der Bank seinen Posten abgeben.

Alexander Stuhlmann

2007: Der ehemalige Chef der HSH Nordbank, Alexander Stuhlmann, wird Übergangschef. Kurz darauf bricht die Finanzmarktkrise aus. Die Bank gerät durch umfangreiche außerbilanzielle Risiken in die schwierigste Lage ihrer Geschichte. Unter seiner Mitwirkung wird eine Risikoabschirmung aufgebaut, die die Bank stabilisiert.

Heinz Hilgert

2008: Der frühere Vorstand der DZ Bank, Heinz Hilgert, tritt als neuer Vorstandschef an. Er soll die WestLB sanieren und mittelfristig auf eine Fusion mit einer anderen deutschen Landesbank vorbereiten.

Dietrich Voigtländer

2009: Hilgert tritt im Mai zurück und begründet das mit einer unzureichenden Unterstützung des Bankumbaus durch die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, die die WestLB-Mehrheitseigentümer sind. Sein Stellvertreter Dietrich Voigtländer führt kommissarisch die Bank.

Der letzte Vorstandschef

2009: Voigtländer wird im September Vorstandsvorsitzender. Sein wichtigste Aufgabe ist das Auslagern von Schrottpapieren in eine Abwicklungsanstalt, die „Bad Bank“. Gleichzeitig wirbt er für einen Fusionspartner für die WestLB unter den Landesbanken. Dazu kommt es in der Folgezeit nicht, die WestLB muss Mitte 2012 zerschlagen werden. Voigtländer ist damit der letzte Vorstandschef der WestLB.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×