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24.08.2016

08:22 Uhr

Landesbanken

Niedrigzinsen setzen Helaba zu

Die rekordniedrigen Zinsen belasten das Geschäft der Helaba: Sie hat im ersten Halbjahr deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker sieht deshalb „wenig Raum für Optimismus.“

Es werde zunehmend schwieriger die Belastungen durch die EZB-Zinspolitik zu kompensieren, sagte Helba-Chef Herbert Hans Grüntker. dpa

Landesbank Hessen-Thüringen in Frankfurt

Es werde zunehmend schwieriger die Belastungen durch die EZB-Zinspolitik zu kompensieren, sagte Helba-Chef Herbert Hans Grüntker.

Die rekordniedrigen Zinsen und der maue Handel rund um das Brexit-Referendum machen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zu schaffen. Der Vorsteuergewinn brach im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 279 Millionen Euro ein. Es werde zunehmend schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, die Belastungen durch die EZB-Zinspolitik ertragsmäßig zu kompensieren, sagte Helba-Chef Herbert Hans Grüntker am Mittwoch.

„Wir sehen daher wenig Raum für Optimismus und bleiben bei unserer angekündigten Prognose für das Gesamtjahr.“ Der seit Oktober 2015 amtierende Vorstandsvorsitzende erwartet einen Vorsteuergewinn „spürbar“ unter dem Vorjahreswert von 596 Millionen Euro.

Die Niedrigzinsen setzen auch der LBBW, der BayernLB und vielen anderen Geldhäusern zu. Grüntker hatte die Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre wegen der Niedrigzinsen bereits bei der Bilanzpressekonferenz im März gesenkt. Im ersten Halbjahr habe die Helaba allerdings etwas besser abgeschnitten als geplant, erklärte er nun.

Das mittel- und langfristige Neugeschäft, das um sechs Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zurückging, bewege sich nach wie vor auf gutem Niveau.

Besonders heftig fiel im ersten Halbjahr das Handelsergebnis, was Grüntker auf die Unsicherheit an den Märkten rund um das britische Votum für den EU-Austritt zurückführt. Zudem legte die Bank etwas mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurück. Besonders stark stieg die Risikovorsorge für Schiffskredite an. Die Helaba hat knapp 1,5 Milliarden Euro an die Branche verliehen, die seit Jahren eine tiefe Krise durchläuft.

Den größten Anteil zum Helaba-Gewinn steuerte von Januar bis Ende Juni erneut das Immobilien-Geschäft bei, auch wenn das Vorsteuerergebnis in dem Segment um ein Fünftel auf 180 Millionen Euro sank. Das Geschäftsvolumen habe sich wegen hoher Tilgungen leicht reduziert, erklärte die Helaba. Der Zinsüberschuss sei aufgrund sinkender Margen im Neugeschäft gefallen.

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

Bayerische Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

Commerzbank

Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

Dekabank

Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

Deutsche Bank

Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

Landesbank Baden-Württemberg

Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

Norddeutsche Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

NRW.Bank

Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

Volkswagen Financial Services AG

Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Den Konkurrenten Deutsche Pfandbriefbank und Aareal setzt der immer stärkere Wettbewerb im Immobiliengeschäft ebenfalls zu. Die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien ist zwar weiter hoch, doch gerade in Europa bringen institutionelle Investoren wegen der Geldflut der Notenbank und der Mini-Zinsen sehr viel Eigenkapital mit. Wer überhaupt noch Kredite braucht, freut sich darüber, dass sich sehr viele Banken in dem Geschäft tummeln und sich bei den Konditionen gegenseitig unterbieten.

Von

rtr

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