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15.08.2013

15:11 Uhr

Landesbanken

Weitere WestLB-Altlasten abgeräumt

Ein kleiner Halbjahresgewinn ist ein positives Signal für die Bad Bank der ehemaligen WestLB. In 15 Jahren sollen die Altlasten beseitigt sein. Doch schon heute zeigt der Abbau seine Folgen.

Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) in Düsseldorf: 2027 soll die Bad Bank der ehemaligen WestLB abgewickelt sein. dpa

Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) in Düsseldorf: 2027 soll die Bad Bank der ehemaligen WestLB abgewickelt sein.

DüsseldorfDie Bad Bank der ehemaligen WestLB kommt beim Abbau der von der Landesbank übernommenen Altlasten weiter voran. Die Bilanzsumme der Ersten Abwicklungsgesellschaft (EAA) habe sich seit Jahresbeginn von 123,3 Milliarden Euro auf 94,8 Milliarden Euro verringert, teilte die EAA am Donnerstag in Düsseldorf mit. „Das Tempo des Portfolioabbaus war im 1. Halbjahr erneut höher als erwartet“, erklärte EAA-Vorstandssprecher Matthias Wargers.

Dabei konnte die Bad Bank einen kleinen Gewinn verbuchen – unter dem Strich stand im Halbjahr ein Überschuss von 25,1 Millionen Euro. Die EAA will das Erbe des einstigen Flaggschiffs der deutschen Landesbanken bis 2027 endgültig abwickeln, herauskommen soll dabei eine „schwarze Null“.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba konnte damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Die EAA war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Giftpapiere der WestLB – der heutigen Portigon AG – wie Risiko-Kredite oder problematische Staatsanleihen zu verwerten. Zum Start übernahm sie ein 77,5 Milliarden Euro schweres Paket. Im vergangenen Sommer kam mit der endgültigen Zerschlagung der WestLB dann ein weiteres Paket hinzu, das unter anderem auch die WestLB-Tochter WestImmo umfasste. Insgesamt übernahm die EAA Bestände im Volumen von rund 200 Milliarden Euro.

Doch der Abbau bleibt nicht ohne Folgen: Das Eigenkapital hat die EAA seit der Gründung deutlich reduziert. Von ursprünglich 3,1 Milliarden Euro waren per Ende Juni noch 522 Millionen Euro übrig.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Rechner

15.08.2013, 16:41 Uhr

Die fortschreitende Abwicklung nicht nur der EAA sondern auch der anderen Abwicklungsanstalten des Bundes wird die öffentliche Verschuldung in den nächsten Jahren deutlich reduzieren.

Und zwar um schätzungsweise 30 - 40 Mrd. pro Jahr.

Bis jetzt kann man die Bankenrettung als einen Erfolg bezeichnen. Denn bei dem alternativen Ausverkauf durch Konkursverwalter wäre wesentlich weniger aus den Aktiva erlöst worden.

Und der volkswirtschaftliche Schaden durch Folgekonkurse von Bankengläubigern wäre immens gewesen.

Die schlußendlich vom Steuerzahler zu begleichende Rechnung von grob geschätzten 20-40 Milliarden ist hier als das kleinere Übel zu sehen.

...

Was leider immer noch aussteht ist eine Ende der Bankenfehlregulierung durch Basel 1&2&3, die für die schreckliche Geschäftspolitik vieler Banken ursächlich war.

Account gelöscht!

15.08.2013, 16:48 Uhr

EAA ein merkwürdiger Verein. In der GuV 2012 Verwaltungsaufwendungen werden für Personal 13 Mio. € ausgewiesen, aber für "andere Verwaltungsaufwendungen" 400 Mio. €. Ich möchte mal gerne wissen, was da alles ohne Benennung reingepackt wurde. Ob das ein Grund für die rasante Verminderung des Eigenkapitals ist?
Verwaltungen sind die Ursache für Schieflagen in Wirtschaft und insbesondere in Behörden und halbstaatlichen Institutionen.

Mazi

15.08.2013, 19:43 Uhr

"Die EAA will das Erbe des einstigen Flaggschiffs der deutschen Landesbanken bis 2027 endgültig abwickeln, herauskommen soll dabei eine „schwarze Null“."

Gewiss eine "schwarze Null" vor Kosten!

Es weiß doch ein jeder, dass diese Meldung nicht stimmen kann.

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