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03.01.2008

14:40 Uhr

Landesbanken

„Zukunft liegt im Private Banking“

VonPeter Köhler und Robert Landgraf

ExklusivDie Finanzkrise hat der Konsolidierung unter den Landesbanken einen deutlichen Dämpfer verpasst. Erst Ende 2008 sieht der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Siegfried Jaschinski, „konkrete Schritte“ bei der Fusion von Landesbanken. Die aussichtsreichsten Strategien der Landesbanken.

Handelsblatt: Herr Jaschinski, 2007 ist Ihnen die SachsenLB zugefallen, aber die Fusion mit der WestLB hat nicht geklappt. Wollen Sie weiter eine aktive Rolle in der Konsolidierung spielen?

Siegfried Jaschinski: Wir sind sicher zunächst voll und ganz mit der Integration der SachsenLB und der engeren Einbindung der Landesbank Rheinland-Pfalz beschäftigt. Da liegt eine Menge Arbeit vor uns, das ist insgesamt gesehen ein Kraftakt.

… also werden Sie keinen neuen Anlauf hin zu Fusionen unternehmen?

Konkrete Schritte wird man bei den Landesbanken erst Ende 2008 erwarten dürfen, sieht man einmal von den laufenden Gesprächen zwischen der WestLB und der Helaba ab. Man darf ja nicht vergessen: Die Finanzmarktkrise hat die Landesbankendiskussion eingeholt. Die Krise hat deutlich gemacht, dass das Wholesale-Banking schwieriger geworden ist, weil die Refinanzierung für einige Häuser teurer wird.

Was sind die Lehren aus der Finanzmarktkrise?

Das Thema Transparenz in Kapitalmarktprodukten wird man zukünftig ganz groß schreiben. Komplexe und intransparente Strukturen werden prohibitiv teuer werden, das wird sich keiner mehr leisten können. Manche Marktteilnehmer mussten ja erst lernen, wie wichtig das Kleingedruckte sein kann. Insgesamt muss wieder eine Vereinfachung kommen.

Müssen nicht auch die Geschäftsmodelle der Landesbanken erneut auf den Prüfstand?

Die Erträge müssen austariert werden, keine Frage. Die Fälle SachsenLB und IKB haben den Fragen nach dem Geschäftsmodell zusätzliche Aktualität verschafft. Es gibt hier sicherlich keine Patentrezepte, und man darf nicht überall die gleichen Antworten erwarten. Sicher ist nur, dass eine Bank ohne Kundengeschäft keine Basis hat. Dies praktizieren wir in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen mit und neben den Sparkassen.

Den Sparkassen geht es derzeit aber schlecht, ihre Betriebsergebnisse sind im Sinkflug.

Das stimmt, das breite Privatkundengeschäft ist auch für uns im Großraum Stuttgart schwieriger geworden. Wir spüren natürlich auch die gebührenfreien Girokonten und die aggressiven Konditionen der Wettbewerber bei Verbraucherkrediten. Deshalb wollen wir in Zukunft viel stärker im Private Banking und in der Vermögensverwaltung für Besserverdienende wachsen, weil wir darin unsere Zukunft sehen.

Aus eigener Kraft oder über Zukäufe?

Zunächst einmal sind 30 Prozent der liquiden Vermögen von mindestens drei Millionen Euro in Baden-Württemberg zu Hause. Warum sollen wir nicht mit unserer Vernetzung hier das Vertriebspotenzial nutzen? Diese Kunden leben nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Biberach, in Mannheim und am Bodensee, da kommt unser dezentrales Geschäftsmodell zum Tragen. Wir prüfen darüber hinaus immer wieder, ob Zukäufe sinnvoll sind, auch für das Mittelstandsgeschäft.

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