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21.02.2006

09:33 Uhr

Lebensversicherer meiden Aktien

Versicherer verpassen Aktienboom

VonRita Lansch

Die meisten deutschen Lebensversicherer haben den Börsenboom nicht genutzt, um die Verzinsung ihrer Kundengelder zu verbessern. Unternehmen investieren Kundengelder aus Lebensversicherungen trotz Zinsflaute zunehmend in Anleihen.

Die jeweilige Aktienquote der Lebensversicherer, sehen Sie bei Anklicken des Pluszeichens

Die jeweilige Aktienquote der Lebensversicherer, sehen Sie bei Anklicken des Pluszeichens

DÜSSELDORF. Die meisten deutschen Lebensversicherer haben den Börsenboom nicht genutzt, um die Verzinsung ihrer Kundengelder zu verbessern. Obwohl sich der Deutsche Aktienindex in den vergangenen drei Jahren auf rund 5 800 Punkte mehr als verdoppelt hat, scheuen die Unternehmen die Investition in Aktien. „Die Branche verpasst den Börsenboom“, warnt Carsten Zielke, Chef des Versicherungsanalyseteams der WestLB. Hatten die Versicherer in der Börsenhausse 2000 etwa 14 Prozent ihrer Kundengelder in Aktien angelegt, sind es jetzt im Schnitt nur noch 7,4 Prozent.

Eine Umfrage des Handelsblatts unter den zehn führenden Lebensversicherungen zeigt: Die Hälfte der Unternehmen hat ihren Aktienbestand in den vergangenen drei Jahren zurückgefahren. Und viele wollen an dieser Politik auch wenig ändern. Ein Sprecher der Victoria etwa sagt: „Wir gehen davon aus, dass wir die Aktienquote auch im laufenden Jahr auf diesem Niveau lassen.“ Von den 618 Mrd. Euro, die deutsche Lebensversicherer verwalten, haben sie nur 46 Mrd. Euro in Aktien angelegt.

Dabei könnten die Lebensversicherer Erträge von der Börse gut brauchen, um ihre Renditen aufzubessern. Denn die zinsabhängigen Papiere, in die die Unternehmen traditionell fast 90 Prozent der Kundengelder investieren, werfen derzeit nur niedrige Erträge ab.

Doch beim Thema Aktie ist die Branche ein gebranntes Kind. Die meisten Unternehmen haben die Aktie überhaupt erst in den 90er-Jahren als Anlage entdeckt – und sind dann voll in den Aktien-Crash gestürzt. Die Krise gipfelte in der Schieflage der Mannheimer Leben und der Familienfürsorge Leben. Die Branche durchlebte in dieser Zeit die größte Bewährungsprobe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In der Folge sanken die Gewinnbeteiligungen der Versicherten in mehreren Stufen zum Teil drastisch.

„Viele Unternehmen bauen ihre Aktienanteile wieder moderat auf, aber das ist nur insoweit zu verantworten, wie sie es sich auch leisten können“, sagt Ulrich Krüger, Kapitalanlageexperte des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Der Spielraum ist für einige Versicherer in der Tat gering. Denn die Finanzaufsicht BaFin fährt nach den Erfahrungen der Vergangenheit einen rigiden Kurs. Je riskanter die Anlage ist, desto mehr Sicherheitsmittel müssen die Unternehmen vorhalten. Doch viele konnten die nötigen Reservepolster in den vergangenen drei Jahren nicht aufbauen, denn sie mussten zunächst die Verluste aus dem Aktiencrash abtragen.

So konnten von der jüngsten Erholung der Aktienkurse nur die kapitalkräftigsten Versicherer profitieren. „Dadurch geht die Schere zwischen kapitalkräftigen und schwächeren Versicherern weiter auseinander“, warnt Wolfgang Rief, als Direktor bei Standard & Poor’s für Versicherungen zuständig. „Weniger kapitalstarke Unternehmen werden sich zunehmend auf festverzinsliche Anlagen konzentrieren“, prognostiziert er, und damit bei den Kapitalanlageerträgen zwangsläufig wohl eher im unteren Bereich liegen.

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