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17.01.2011

18:56 Uhr

Lebensversicherungen

Allianz setzt auf Flurbereinigung

VonHolger Alich

Jacques Richier, Chef der französischen Tochter des Münchener Allianz-Konzerns erwartet, dass sich Banken aus dem Geschäft mit Policen verabschieden. Für den größten deutschen Versicherer würde das Chancen eröffnen. Analysten sind indes skeptisch.

Flaggen der Allianz SE: Der Frankreich-Chef des Versicherers sieht Banken aus dem Lebensversicherungsgeschäft aussteigen. dpa

Flaggen der Allianz SE: Der Frankreich-Chef des Versicherers sieht Banken aus dem Lebensversicherungsgeschäft aussteigen.

PARIS. Jacques Richier, Chef der Allianz in Frankreich, erwartet, dass in den kommenden Jahren die Karten im französischen Versicherungsmarkt neu gemischt werden. Denn wegen der erhöhten Eigenkapitalanforderungen würden Frankreichs Banken ihre Lebensversicherungsgesellschaften verkaufen. "Banken werden ein wichtiger Vertriebskanal für Lebensversicherungen bleiben. Sie werden aber nicht mehr notwendigerweise Eigentümer der Versicherer sein", sagte Richier in seinem ersten Interview mit der deutschen Presse. Richier ist seit drei Jahren Vorstandschef und seit einem Jahr auch Verwaltungsratsvorsitzender der Landesgesellschaft.

Den französischen Banken werde es zu teuer, eigene Lebensversicherer zu betreiben. Denn dann müssten sie für das Banken- und zusätzlich für das Versicherungsgeschäft mehr Eigenkapital bereithalten. "In Spanien, Großbritannien und Italien beobachten wir bereits, dass sich Banken vom Versicherungsgeschäft zu trennen beginnen", sagt Richier. Sollte eine französische Bank ihre Versicherungstöchter zum Verkauf stellen, so würde sich die Allianz das zwar wie bei allen wichtigen Transaktionen anschauen; "Banken dürften aber Schwierigkeiten bekommen, die Preise für ihre Versicherer zu erzielen, die vor der Krise zu beobachten waren", meint Richier.

Ein schwieriger Markt

Anders als in Deutschland dominieren in Frankreich Banken das Geschäft mit Lebensversicherungen. 60 Prozent des Markts liegen in den Händen der Geldinstitute. Das liegt vor allem daran, dass Lebensversicherungen in Frankreich primär ein reines Sparprodukt sind. Frankreich ist für den deutschen Versicherungsriesen Allianz ein wichtiger, aber auch schwieriger Markt. Im Gesamtkonzern belegt das Frankreich-Geschäft knapp hinter Italien Rang drei. Auf dem französischen Markt sieht sich die Allianz auf Rang fünf. In den ersten neun Monaten 2010 verbuchte der Konzern in Frankreich sechs Milliarden Euro Einnahmen mit Leben- und Krankenpolicen (plus 17 Prozent) und rund 2,6 Milliarden Euro mit Schaden- und Unfallversicherungen (minus 2,4 Prozent).

Analysten sind indes skeptisch, ob es zu der von Richier prognostizierten Verkaufswelle bei Lebensversicherern kommt. "Die großen Gruppen wie Crédit Agricole haben genug Finanzkraft, die neuen Eigenkapitalregeln zu stemmen, ohne ihr Versicherungsgeschäft verkaufen zu müssen", meint Pierre Flabbée, Bankanalyst des Brokers Kepler. Allerdings kann er sich vorstellen, dass Banken mit kleineren Versicherungssparten wie die Société Générale dieses Geschäft abgeben könnten. Die Großbank hat bereits die Vermögensverwaltung in ein Joint Venture mit Crédit Agricole eingebracht.

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