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12.09.2014

12:20 Uhr

Lehrlingsmangel

Überhaupt keine Lust mehr auf Bank

VonKatharina Matheis

Banken müssen sich heute ins Zeug legen, um talentierten Nachwuchs zu bekommen. Viele Ausbildungsstellen bleiben in diesem Jahr unbesetzt. Die Gründe für den Azubi-Mangel sind vielfältig.

Nachwuchskräfte bei einer Bank: Immer weniger wollen Bank-Azubi sein. IMAGO

Nachwuchskräfte bei einer Bank: Immer weniger wollen Bank-Azubi sein.

DüsseldorfIn diesem Monat haben die neuen Bank-Azubis angefangen. Doch viele Stellen blieben unbesetzt. Die Banken stehen vor einem Nachwuchsproblem. Vor allem in der klassischen Ausbildung fehlen junge kaufmännische Talente. Von 12.067 Ausbildungsplätzen waren im vergangenen Jahr 2.538 vakant. Die Zeiten, in denen junge Talente nach der Schule in die solide Bankausbildung stürmten, scheinen vorbei zu sein.

„Es gibt einen deutlichen Wettbewerb um geeignete Azubis“, bestätigt ein Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands. Die Gründe für den Auszubildendenmangel sind vielfältig. Viele Schulabgänger beginnen lieber ein Studium anstatt einer Ausbildung. „Da sind die Hochschulen eine neue Konkurrenz für uns“, so der Verbandssprecher.  Die Zahlen bestätigen das: Im vergangenen Wintersemester waren mehr als 2,6 Millionen Studierende eingeschrieben - über eine halbe Million mehr als vor zehn Jahren.

Auch Simon Benns* entschied sich für die Uni und gegen eine Ausbildung: Der Einstieg in den Job als Kundenberater erfolgte mit Bachelorzeugnis in der Tasche, der 28-jährige arbeitet bei der Sparkasse. Eine klassische Ausbildung kam für ihn nicht in Frage: „Ich dachte mit dem Studienabschluss sind meine Karrierechancen einfach höher“, erzählt er. Aus heutiger Sicht würde er sich allerdings anders entscheiden.

„Im Nachhinein hätte ich besser zuerst eine Ausbildung gemacht und dann berufsbegleitend studiert, ich wusste nicht wie problemlos das geht. Dann hätte ich heute auch mehr Berufserfahrung.“, sagt Benns heute. Dass auch das Modell ‚erst Lehre, dann Studium‘ funktioniert, zeigt Bankkauffrau Katja Nirn. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung bei der Sparkasse, nun folgt die Weiterbildung.

Ein Problem für die Auszubildenden-Lücke könnten auch die gestiegen Anforderungen der Banken sein, meint Ulrike Friedrich, Referentin für Ausbildungsmarketing bei der IHK. Das Abitur ist heute beinahe selbstverständlich für die Ausbildung zur Bankkauffrau und Bankkaufmann. Laut Daten der IHK haben 71 Prozent der Auszubildenden Abitur oder Fachhochschulreife. „Die Banken müssen sich heute gut überlegen, wie sie als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Und dazu sollten sie nicht mehr nur auf die Abiturienten schielen“, fordert Friedrich.

Kommentare (17)

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Herr Wolfgang Trantow

12.09.2014, 13:14 Uhr

Für den Mangel sind die Banken selber verantwortlich. Sie haben durch ihr Handeln vorsätzlich für ein menschenverachtendes Bild der Banker gesorgt. Welcher Azubi sill so werden? Azubimangel allgemein: Die Lehrherren sollten einmal ihre Anforderungen überprüfen. Wieso Bedingungen wie Handy muss dasein, Führerschein und Auto müssen dasein, oder Abitur ist notwendig um Kisten zu stapeln!

Herr Werner Schumann

12.09.2014, 13:39 Uhr

Ich teile die Meinung von Herrn Trantow, wenn auch nicht ganz. Auf der Ebene Kassenraummitarbeiter und mittlere Führungschiene habe ich gute Erfahrungen. Das Bild was von Banken gezeichnet wird ist meiner Meinung nach auf Fehlverhalten der obersten Führungsschiene zurückzuführen, dort, wo exorbitant hohe Gehälter gezahlt werden. Zum Thema Azubimangel allgemein: Wenn diese Bedingungen stimmen finde ich das ebenfalls nicht in Ordnung. Führerschein ja, aber weshalb soll ich meine privaten Gerätschaften bereitstellen? Das ist Firmenausstattung. Handy bedeutet von Firmen gewünschte Erreichbarkeit auch über die normale Arbeitszeit heraus. Ich kenne inzwischen genug Fälle die das nicht stemmen. Langsam werden der Ausbeutung Tür und Tor geöffnet, und das Branchenübergreifend.

Herr alexander meinhard

12.09.2014, 13:45 Uhr

Welch ein Schwachsinn! Ich bin selber Azubi bei einer Bank!
Vor 2 Jahren wurden fast alle nach der Ausbildung unbefristet übernommen! Im Frühjahr 2015 sieht es für mein Lehrjahr nicht sehr gut aus! Bis auf die Leute, die übernommen werden müssen (Mitgleider der JAV) dürfen wir alle gehen! Dies wurde damit begründet, dass Mitarbeiterzahlen abgebaut werden müssen und das am einfachsten durch die Nichtübernahme vom Azubis geht!

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